„Wir wollen doch Flamme sein“

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 Nach der Lesung signierte Autor Robert M. Zoske die Bücher.
Nach der Lesung signierte Autor Robert M. Zoske die Bücher. (Foto: Siegrid Bruch)
Siegrid Bruch

Der zweite Abend des 15. Tuttlinger Literaturherbstes beschäftigte sich mit einem mutigen, fanatischen und nachdenklichen Menschen, der auch voller Widersprüche war: Hans Scholl. Das narrativ erzählte Buch von Robert M. Zoske „Flamme sein!“ lässt das Vermächtnis des Widerstandskämpfers Hans Scholl lebendig werden. Zu diesem eindrucksvollen Abend mit dem Autor konnte Christof (Stiefel) Manz auch viele junge Zuhörer begrüßen.

Der Berliner Theologe konzentriert sich in seiner Biographie auf den Bruder von Sophie Scholl – beide gelten nach wie vor als leuchtendes Beispiel des Widerstands gegen die Nazidiktatur. So gibt er am Mittwochabend überraschende Einblicke in das Leben des jungen Mannes, der vom Nazisympathisanten zum entschlossenen Gegner wurde. Damit zeigt er anhand der chronologisch aufbereiteten Kapitel das Wesen von Hans Scholl auf und verdeutlicht dies in seiner Präsentation auf der Leinwand mit handgeschriebenen Texten und Fotos.

Das Buch, entstanden aus akribischer Forschungsarbeit mit bisher unbekannten Dokumenten, konzentriert sich auf den Menschen Hans Scholl mit all seiner Leidenschaft und seinen Widersprüchen und weniger als Mitglied der Gruppe Weiße Rose. An die Geschichtsbiografie hat Zoske sämtliche Gedichte von Hans Scholl und Texte aller Flugblätter angehängt.

Nachlass gewährt neue Einblicke

„Ich habe mich schon lange mit der Gruppe Weiße Rose beschäftigt und meinte alles zu wissen, bevor ich dieses Buch begann“, so der Autor. Doch dann sei er auf den Nachlass von Hans Scholl gestoßen. Es berichtet auch von Scholls Homosexualität beziehungsweise Bisexualität und seiner frühen flammenden Begeisterung für die Bündische Jugend, von seiner Passion für Stefan George und seiner Sehnsucht nach Christus. Und so schreibt der empfindsame und zugleich fanatische junge Mann an einen Freund: „Wir wollen doch Flamme sein.“

„Geboren bin ich am 22. September 1918 im Zeichen der Jungfrau. Ob es gut oder böse war, dass ich zur Welt kam, weiß ich selbst nicht, jedenfalls war’s notwendig.“ – Ein Ausspruch von Hans Scholl, der viel besagt auch ein weiterer: „Ganz leben oder gar nicht.“ Aufgewachsen ist er im schwäbischen Städtchen Ingersheim. Seine Eltern waren eigenwillige Individualisten. Von diesen spricht Zoske in seinem ersten Kapitel. Es werden die Zeit im Deutschen Jungvolk und in der Hitlerjugend beschrieben, wo Hans Scholl allmählich aufstieg.

Der Wendepunkt kam mit der Anklage gegen ihn auf widernatürliche Unzucht mit Abhängigen und auch mit dem Ausbruch des Krieges. Dann kam bei Hans Scholl nach und nach die Erschütterung und Läuterung, und er machte sich auf die Suche nach Rechtfertigung gegen Hitler.

Mit Alexander Schmorell fand er einen Freund, mit dem zusammen er Flugblätter druckte, zunächst nur jeweils hundert an ausgewählte Personen. Spätestens nach dem Pflichtpraktikum der beiden Freunde in Russland radikalisierte sich Hans Scholls evangelischer, weitgehend elitärer Glaube auch politisch, so Robert Zoske. Danach ließ er seinen Gedanken neue Taten folgen.

Er wusste, dass er sich dadurch in Todesgefahr brachte. Von nun an beteiligte sich auch seine Schwester an den Freiheitsaktionen. Als die Gruppe ihr sechstes Flugblatt im Lichthof der Universität verteilte, wurde die Gestapo gerufen, Hans und Sophie wurden verhaftet und verhört. Vier Tage später schon war die Verhandlung gegen die Geschwister Scholl und ihren Mitstreiter Christoph Probst.

Am 22. Februar 1943 um 10 Uhr wurde die Hauptverhandlung eröffnet, um 12.45 die Todesurteile gefällt „Im Namen des Volkes“. Die Verurteilten wurden sofort ins Gefängnis überstellt und am gleichen Tag kurz nach 17 Uhr hingerichtet. Die letzten Worte von Hans Scholl waren „Es lebe die Freiheit!“

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