„Wir brauchen Schaffer“

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Fabian Hartmann (M.) lernt bei J. Friedrich Storz seinen Traumberuf Baugeräteführer. Ausbildungsleiter Herbert Aggeler (links) u
Fabian Hartmann (M.) lernt bei J. Friedrich Storz seinen Traumberuf Baugeräteführer. Ausbildungsleiter Herbert Aggeler (links) und Personalerin Friederike Gagstatter unterstützen den Azubi. (Foto: Matthias Jansen)
Schwäbische Zeitung
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Fachkräfte für den Straßenbau zu finden, ist schwierig. Das weiß Friederike Gagstatter nur zu gut. „Im Winter hatten wir noch einige Bewerbungen. Jetzt sind es eher weniger“, sagt die Mitarbeiterin aus der Personalabteilung vom Tuttlinger Unternehmen J. Friedrich Storz. Deshalb setzt der Verkehrswegebauer auf seine Arbeitnehmer-Eigengewächse.

Das „System Storz“ lernen momentan 48 Auszubildende kennen. Die möglichen Lehrberufe reichen vom Industriekaufmann über den Kfz-Mechatroniker bis hin zum Straßenbauer und Baugeräteführer. Dies, so Ausbildungsleiter Herbert Aggeler, sei schon das Hauptmetier der Baufirma. Jeweils 16 Personen werden zum Baugeräteführer und Straßenbauer ausgebildet.

Sorgen, die 15 Ausbildungsplätze pro Jahr nicht besetzen zu können, hat das Unternehmen J. Friedrich Storz nicht. „Wir bekommen mehr Bewerbung als wir Plätze anbieten können“, meint Gagstatter. Der Vorteil ist: Die Ausbildung im Straßenbau ist vielseitiger als zunächst gedacht und offen für alle Bildungsschichten. „Wir brauchen Schaffer“, verdeutlicht Aggeler. Deshalb können auch Schüler aus Haupt- oder Förderschulen bei dem Tuttlinger Bauunternehmen beruflich durchstarten.

Die Basis muss allerdings passen. Ein guter Hauptschulabschluss mit befriedigenden Noten in Deutsch und Mathematik muss der Bewerber schon vorweisen können. Darauf weist Aggeler auch in Gesprächen mit Praktikanten, Bewerbern oder zuvor in den Schulen hin. Auch Fabian Hartmann wurde vom Storz-Ausbildungsleiter auf die richtige Bahn geführt. „Fabian hatte sich bei uns beworben und wollte die Schule nach der neunten Klasse eigentlich verlassen. Ich habe ihm gesagt, dass er an der Schule erst einmal seinen Abschluss machen soll.“

Mittlerweile ist der Azubi im dritten Lehrjahr und freut sich immer noch, als Geräteführer arbeiten zu dürfen. „Ich habe ein großes Interesse an Maschinen und wollte diesen Beruf immer erlernen“, sagt Hartmann, der nach einem Praktikum und Ferienjob nun für Verkehrswegebauer J. Friedrich Storz Bagger, Radlader oder Walzen steuert. Die Faszination für große Maschinen, so Gagstatter, sei der Grund, warum in den vergangenen Jahren die Ausbildung zum Baugeräteführer bevorzugt wurde.

Die Ausbildung zum Straßenbauer ist allerdings vielseitiger. Nicht nur der „schaffende“ Arbeiter für das Pflastern, Erd- oder Asphaltarbeiten wird benötigt. Bei J. Friedrich Storz können Schulabgänger mit Mittlerer Reife auch die universitäre Ausbildung einschlagen. Mit dem Abschluss der Lehre Straßenbau/Berufskollegiat erhalten die Gesellen die Fachholschulreife. Auch das Duale Studium „Bauingenieur plus“ ist beim Tuttlinger Unternehmen möglich.

Das erste Ausbildungsjahr absolvieren Straßenbauer und Baugeräteführer zusammen. Dadurch sollen die späteren Lasterfahrer das Verständnis für die Arbeit ihrer Kollegen bekommen. Einen Kubikmeter Schotter zu schaufeln, wenn er an der falschen Stelle abgeladen wurde, sei schwer, sagt Aggeler und liefert das Argument, warum beide Lehrberufe die „harte Schule des Baulebens“ durchlaufen. „Wir sind Teamworker“, sagt Aggeler, der deshalb bei den Bewerbern auf gute Sozialkompetenz Wert legt. „Die ersten Fragen sind: Welche Schule, welche Hobbys? Für jemanden, der stundenlang vor der Playstation sitzt und die Sonne nicht sieht, wird es schwer, zu den Kollegen zu passen.“

Der Job als Straßenbauer oder Baugeräteführer ist sicher, meint Aggeler. Auch E-Mobile müssten schließlich weiter auf Straßen fahren. Und auch die finanzielle Perspektive passt. Mit 780 Euro, 1100 Euro und 1370 Euro werden die Auszubildenden je nach Lehrjahr gut bezahlt. Als ausgelernter Mitarbeiter wird nach Tarif entlohnt. Und die Aufstiegsmöglichkeiten sind anders als beim Baugeräteführer für Straßenbauer nicht so begrenzt, sagt der Ausbildungsleiter. Nach drei bis vier Jahren kann sich der Geselle über Fortbildungen zum Vorarbeiter, Werkpolier oder später geprüftem Polier – laut Aggeler vergleichbar mit einem Industriemeister – hocharbeiten.

Das erhoffen sich auch Flüchtlinge aus Ghana, die seit 2015 bei J. Friedrich Storz arbeiten. xxxx xxxx hat ein Jahr später seine Ausbildung begonnen. „Er hat sich gut entwickelt, ist fachlich top. In der Schule ist er noch hinten dran. Aber die Tendenz ist steigend“, sagt Aggeler. Mit xxx xxxx beginnt ein zweiter Ghanaer in diesem Jahr seine Ausbildung. Drei weitere Afrikaner haben einen befristeten Arbeitsvertrag erhalten. „Unsere Mitarbeiterzahl wächst ständig. Wir suchen aber immer neue Mitarbeiter, um alle Projekte abdecken zu können“, sagt Gagstetter.

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