Willi Kamm ist gestorben

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Im November 2018 ist Willi Kamm (rechts) von Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck als Baubürgermeister der Stadt verabschi
Im November 2018 ist Willi Kamm (rechts) von Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck als Baubürgermeister der Stadt verabschiedet worden. Nun ist der SPD-Politiker einer Krebserkrankung erlegen. (Foto: Archiv: Dorothea Hecht)
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Willi Kamm ist tot. Der frühere Baubürgermeister von Tuttlingen ist am Montag im Alter von 64 Jahren in Ulm gestorben. Wegen einer schweren Krebserkrankung hatte der gebürtige Pfälzer Ende 2018 sein Amt niederlegen müssen.

Geboren 1955 in Spirkelbach

„Willi Kamm war ein freundlicher, umgänglicher Mensch und sanftmütig im Umgang, klug und zuvorkommend“, sagt Dieter Müller. Er sei in der Diskussion energisch, aber immer sachlich und nie aufbrausend gewesen, erinnert sich der SPD-Stadt- und Kreisrat als ein „enger Freund“ an seinen Parteikollegen. Für Emil Buschle, Erster Bürgermeister der Stadt Tuttlingen, war sein langjähriger Amtskollege Kamm „ein gütiger und guter Mensch.“

Er hat seine Wurzeln nie vergessen.

Dieter Müller

Geboren wurde Kamm 1955 in Spirkelbach in der Pfalz. Er wuchs mit fünf Schwestern in einer großen Familie in Schweigen auf. Deshalb, so Müller, habe für Kamm auch immer das Soziale im Vordergrund gestanden. „Er hat seine Wurzeln nie vergessen.“ Nach seinem Studium an der Universität in Kaiserslautern zog es ihn nach Neu-Ulm, wo er 1989 als Leitender Stadtplaner arbeitete.

Auf Vorschlag der SPD wurde Kamm 2006 zum Baubürgermeister von Tuttlingen gewählt. Zwei Amtszeiten saß Kamm im Tuttlinger Kreistag, war von 2013 bis 2018 SPD-Fraktionsvorsitzender.

„Willi Kamm war ein Mensch mit besonderen Leidenschaften“, gedenkt Oberbürgermeister Michael Beck dem Verstorbenen. Für ihn sei es als Baubürgermeister nicht nur darum gegangen, einzelne Projekte abzuarbeiten. „Er hatte immer eine Vision von der Stadt als Ganzem im Kopf. Er dachte weit über das Alltagsgeschäft hinaus – sowohl inhaltlich als auch geographisch“, betont Beck. Stadtplanung habe er auch immer mit Kunst und Kultur verbunden.

Über allem habe bei Kamm aber die Liebe zur Donau und allem, was mit dem Fluss zusammenhängt, gestanden, sagt Tuttlingens Oberbürgermeister. In der Donau habe er, meint Buschle, das Völkerverbindende gesehen. „Er war ein international denkender Europäer, der bei seiner Arbeit immer den völkerverbindenden Aspekt im Blick hatte“, sagt Beck.

Willi Kamm war ein Kämpfer. Andere hätten sich nach der Diagnose auf die Krankheit zurückgezogen. 

Oberbürgermeister Michael Beck 

Dieses Vorhaben hatte Kamm bis zuletzt angetrieben. „Willi Kamm war ein Kämpfer. Andere hätten sich nach der Diagnose auf die Krankheit zurückgezogen. Er war unbeugsam gegen sich, hat sich nicht geschont“, erklärt Müller. Auch sein Bürgermeister-Kollege Buschle glaubt, dass „seine Ideen, Ziele und Visionen ihn noch am Leben gehalten haben.“

Nach der diagnostizierten Krebserkrankung hatten die Ärzte Kamm eine verbleibende Lebensdauer von einem Jahr gegeben. Es wurden drei. Die Zeit, sagt Müller, habe er intensiv genutzt und sich weiter engagiert „in seiner Heimat SPD“ eingebracht. So ließ er sich auch noch 2019 für die Ortschaftsratswahl in Möhringen für die SPD aufstellen. „Bei den sozialen Themen war er immer dabei, hat sich persönlich, über E-Mail oder Telefon eingebracht“, erklärt der SPD-Kommunalpolitiker.

Er wird uns fehlen. 

Dieter Müller

„Willi Kamm war ein echter Sozialdemokrat und ein wichtiger Ratgeber, der begleiten, vermitteln und befrieden konnte. Er hat immer versucht, die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Er wird uns fehlen.“

In die Zeit als Baubürgermeister fallen die Umsetzung zahlreicher Großprojekte wie den Bau des Kreuzstraßentunnels, des Hochschulcampus, der neuen Feuerwache, die Erschließung von Thiergarten und die Sanierung der Fußgängerzone. Auf Kreisebene brachte er die Neustrukturierung des Klinikums und den Anbau des Landratsamts mit auf den Weg, setzte sich für den Erhalt der Trossinger Musikhochschule ein.

Kamm initiierte auch den Masterplan für Tuttlingen. „Das war eine gute Idee, von der wir noch heute profitieren“, betont Buschle. Mit der Sanierung der Gymnasien brachte Kamm vor seinem Ausscheiden noch ein letztes wichtiges Projekt auf den Weg. „Seine Visionen werden erst später wirken“, ist sich Müller sicher.

Es habe sich aber mit der Vermarktung der Donauversickerung und der besseren Präsentation der Donau nun schon gezeigt, dass Kamms Vorhaben „sich langsam in seinem Sinne entwickeln. Einiges beginnt zu greifen.“

Nach langer, schwerer Krankheit ist Kamm am Montag in einem Hospiz in Ulm gestorben. Er wird – als einer seiner letzten Wünsche – auf dem Friedhof in Möhringen beerdigt. Das Städtle direkt an der Donau hätte es Kamm besonders angetan, schreibt die Stadtverwaltung in ihrem Nachruf. Trotz schwerer gesundheitlicher Einschränkungen hatte sich Kamm dort in der Marktgasse eine Galerie aufgebaut.

Willi Kamm hinterlässt seine Ehefrau Brigitte Heim-Kamm und zwei erwachsene Söhne.

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