Wilde Pinkler und verschmutzte Toiletten stinken einigen Tuttlingern

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 Nicht jeder Narr benutzt auch eine Toilette.
Nicht jeder Narr benutzt auch eine Toilette. (Foto: Felix Kästle)
Redaktionsleiter

Der Himmel hat es mit den Tuttlinger Narren gut gemeint. Beim Fasnetsumzug am Samstag blieb es trocken. Für regional begrenzte Flüssigkeitsaustritte sorgten nur die Wildpinkler in den Seitenstraßen. Die störten die gute Laune einiger Umzugsbesucher. Auch in manch einem Geschäft war die nach dem Blick in die Hygiene-Abteilung nicht mehr glänzend.

„Defekt!“ Mit einem Schild machte die Bäckerei Schneckenburger deutlich, dass die Toiletten im Geschäft an der Wilhelmstraße nicht nutzbar sind. Ein cleverer Schachzug, um die Örtlichkeiten vor übermäßiger Verschmutzung zu bewahren? Keineswegs, stellt Geschäftsführer Marc Schneckenburger klar. Die Toilette sei morgens nutzbar und ab mittags wegen einer Verstopfung defekt gewesen. „Wir sperren keine Toiletten, die funktionieren“, sagt er.

Doch die Regelung, auch Nicht-Kunden auf das WC im Geschäft zu lassen, fällt ihm immer schwerer. „Die Leute haben sich nicht mehr im Griff. Für die Reinigungskräfte ist das eine Zumutung“, sagt Schneckenburger. Weniger die verschmutzten Räume und Sanitäranlagen sind das Problem. „Die Leute stopfen alles mögliche in die Toiletten.“ Zum Teil würden auch ganze Klorollen darin versenkt. In den vergangenen zwei Jahren musste die Bäckerei mehrfach den Rohrreiniger kommen lassen.

Schlangen vor den Sanitäranlagen

Erfahrungen die auch Bluso Kusoglu, Betreiber des Café Como in der Königsstraße, gemacht hat. „Die Toilette müsste man hinterher fast kernsanieren“, sagt der Kaffeebetreiber. Vor seinen sanitären Anlagen hätten sich lange Schlangen gebildet. „Wir wurden wirklich überrannt“, so Kusoglu. „Meine Toilette war am Wochenende beliebter als mein Kaffee.“ Er bietet eine sogenannte „nette Toilette“ an. Fünfzig Euro erhält er pro Monat von der Stadt, dafür darf sich im Como jeder erleichtern – auch ohne einen Kaffee zu kaufen. Gedacht war das vor allem für Touristen, sagt Kusoglu, und nicht für Großveranstaltungen wie der Fasnet.

Es war eine Sauerei wie in jedem Jahr

Inhaber eines Dönerladens

Auch das Café „Manuto“ in der Königstraße ist normalerweise offen für Toilettenbenutzer. Das ganze Jahr über tolerieren die Betreiber auch Passanten. „Aber an Fasnacht erlauben wir das nicht“, erklärt Antonio Scavo, Sohn der Inhaberin des Cafés. Man wolle nicht unhöflich sein, aber während und nach dem Umzug nehme das zahlenmäßig sonst so überhand, dass es den Gästen des Cafés nicht zugemutet werden könne.

Das Service-Personal schaue deshalb genau darauf, wenn Betrunkene oder gleich mehrere auf die Toilette wollten – das ende schnell in einer Sauerei oder mit Sachbeschädigungen. In anderen Fällen drücke man auch mal ein Auge zu. Scavo: „Aber in 80 Prozent der Fälle sagen wir nein.“

„Es war eine Sauerei wie in jedem Jahr“, sagt etwa auch der Inhaber eines Dönerladens, dessen Toilette rege genutzt wurde. Dabei hatten die Veranstalter für Toiletten gesorgt. Sonja Vogler, Präsidentin des Tuttlinger Narrenvereins Honberger, sagt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Verein Dixie-Klos für die Umzugsteilnehmer an der Aufstellungszone bereit hält. Zudem sei mit der Stadt vereinbart worden, dass die öffentlichen Toiletten im Rathaus geöffnet sind. Vogler: „Die wurden auch rege genutzt, als ich gegen 16.30 Uhr vorbeigeschaut habe.“ Die Honberger hatten für den Samstag eine Reinigungskraft beschäftigt, die dort nach dem Rechten schaute und die Anlage sauber halten sollte. Von der Stadt war wegen des Rosenmontags keine Stellungnahme zu erhalten.

Nicht überall Ausnahmezustand

Doch immerhin: Nicht überall in der Innenstadt war die Situation so drastisch. So zeigte sich die Toiletten-Lage im Zönle eher entspannt. Laut Inhaber Bernd Buschle ging es am Fasnetssamstag auf den Toiletten „normal“ zu. Das Café verlangt von Nicht-Gästen 50 Cent pro Besuch. „Es war wie immer: 70 Prozent zahlen, 30 Prozent schummeln sich durch“, sagt er.

Generell sehe er das aber „nicht so eng“, auch nicht bei närrischem Treiben.

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