Wenn der Verb-Brecher Silben fischt

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 Willy Astor nahm zu Beginn seines Auftritts ein Bad in der Menge und traf dabei auf einige Zuschauer, „die in der Entwicklung s
Willy Astor nahm zu Beginn seines Auftritts ein Bad in der Menge und traf dabei auf einige Zuschauer, „die in der Entwicklung sind. (Foto: David Zapp)
Claudia Steckeler

Mit seinem neuen Programm „Jäger des verlorenen Satzes für Wortgeschrittene“ hat Willy Astor am Sonntagabend das Publikum im ausverkauften Zeltrund gefesselt und begeistert. Es bedurfte nicht erst des von ihm extra für den 25. Tuttlinger Honberg-Sommer komponierten einzeiligen Songs „Tuttlingen – du bist so, wie du bist“, um das sprichwörtliche Eis zu brechen. Beim Publikum kullerten die Lachtränen, und die Lachmuskeln wurden gehörig trainiert.

Köstlich, wenn Deutschlands wahrscheinlich berühmtester Verb-Brecher, Silbenfischer und Vers-Sager, ernsthaft versicherte, dass er sich beim musikalischen Experimentieren auf ein Neuland begeben habe, denn er mischte kurzerhand zwei Stilrichtungen: „Country“ und „Western“. Mit seinen kurzweiligen Wortspielereien, wie zum Beispiel „Isst sich ein Modell mit Bohnen satt, sie Chancen als Playmate hat.“ Oder wenn er auf der Suche nach Kräutern seine Nachbarin unverblümt fragt: „Haben sie en Dill do?“ Dann schafft er es mit seiner ansteckenden Albernheit, dass das Publikum für die Zeit seines Auftrittes den Alltag und den Ernst des Lebens vergisst.

Der oberbayrische Kabarettist, Musiker und Komponist hat im wahrsten Sinne „Flunserl im Kopf“: Sein Sammelsurium an Liedern, Wortspielen und anderen Verb-Brechen, die er verschmitzt, hintersinnig, manchmal deftig, aber stets augenzwinkernd mit einer gehörigen Schippe ansteckenden Humors würzt und an die Frau beziehungsweise den Mann bringt, kommt beim Publikum an.

Wenn das bayrische Urgestein zum Beispiel von seinem Skiunfall berichtete, bei dem ihn ein besoffener Russe in den Snow boardete, während er am Rande stehend auf den Buckel pisste, dann war beim Großteil des Publikums durchweg freudiges Schenkelklopfen angesagt. Selbstverständlich musste auch der indische Arzt im Tiroler Krankenhaus für einen Reim herhalten, denn der schob ihn zum Ende des Ganges. Und nach erfolgter Operation entdeckte Willy Astor neben Erika mit gebrochenem Mittelarm aufwachend auf wundersame Art und Weise Mittelamerika.

Willy Astor ist der Künstler von nebenan, der seinem Publikum mühelos vermittelt, dass er einer von ihnen ist. Er ist einer, der den Kontakt zum Publikum sucht. Allerdings heißt es für die Vordersten „Aufgepasst!“, denn so mancher Verb-Brecher geht dann auch auf Kosten einzelner Besucher – vor allem, wenn sie wie in Tuttlingen, alle, von der „Cherry-Lady“ bis Sebaschdian, beruflich in der Entwicklung (tätig) sind.

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