Wenn der Garten ungewollt zum Katzenklo wird

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Stinkendes Ärgernis: Sebastian Braun-Lüdicke und Tochter Clara sammeln in ihrem Garten täglich bis zu zehn Katzen-Hinterlassens
Stinkendes Ärgernis: Sebastian Braun-Lüdicke und Tochter Clara sammeln in ihrem Garten täglich bis zu zehn Katzen-Hinterlassenschaften ein. Bislang waren alle Bemühungen, die Vierbeiner von ihrem Grundstück zu vertreiben, vergeblich. (Foto: Sabine Krauss)
Sabine Krauss
Redakteurin

Der Kreistierschutzverein Tuttlingen fordert eine gesetzliche Kastrationspflicht für Katzen. So gibt es laut Deutschem Tierschutzbund mittlerweile mindestens 670 Städte und Gemeinden mit sogenannten Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsverordnungen für Katzen. In Tuttlingen läuft das bislang auf freiwilliger Basis: Wer will, kann seinem Tier eine Marke verpassen oder es „chippen“. Dann bekommt die Katze einen kleinen Mikrochip unter die Haut gesetzt, in dem seine Heimatadresse gespeichert ist.

Laut Stadtverwaltung ist es in Tuttlingen bislang nicht vorgesehen, eine Verordnung gemäß Paragraf 13b des Tierschutzgesetzes zu erlassen. Der Erlass einer solchen Verordnung sei nur unter bestimmten Bedingungen möglich, teilt Sprecherin Kerstin Terlinden mit. Sie könne erst dann erlassen werden, wenn andere Lösungsansätze – wie etwa das Einfangen und Kastrieren durch das Tierheim – nicht greifen. „Zu berücksichtigen ist zudem auch, dass selbst bei Vorhandensein einer Verordnung in der Praxis insbesondere die Kontrolle als problematisch gesehen wird“, teilt Terlinden mit.

Sie sind süß und viele Menschen halten sie gerne als Haustier: Katzen. Doch schnell können sie auch lästig werden – wenn nämlich der eigene Garten von fremden Tieren regelmäßig als Katzenklo missbraucht wird. Ein Thema, das auch dem Tierheim und dem Kreistierschutzverein nicht unbekannt ist, das seit einigen Jahren die Zunahme streunender Katzen beschäftigt.

Natalie Köllner kennt es zur Genüge: Spätestens nach zwei Tagen muss sie den Gang einmal rund ums Haus antreten. Mit Handschuhen, Schaufel und Plastiktüte ausgerüstet, macht sie sich daran, die Hinterlassenschaften zu beseitigen, die zahlreiche Katzen regelmäßig in ihren Garten entladen. Bis zu zehn Ausscheidungen sind es jeden Tag, die sie vom Rasen, den Steinplatten und dem Steinbeet vor dem Haus aufsammelt. Besonders eklig wird es dann, wenn der Kot nicht wie üblich fest ist. „Manche Tiere, die hier vorbeikommen, scheinen krank zu sein“, hat sie beobachtet. Unangenehm wird es auch dann, wenn der Rasenmäh-Roboter bereits durch eines der Würstchen gerollt ist.

Gang durch Garten wird zum Hindernislauf

Der Familie, die seit rund zwei Jahren im Gebiet hinter der Stadthalle Tuttlingen wohnt, stinkt das tägliche Ärgernis inzwischen kräftig. „Es ist einfach nur eklig und wahnsinnig lästig“, sagt Natalie Köllner. Der Gang durch den Garten wird oft zum Hindernislauf. Schlägt Tochter Clara ein Rad, kann es sein, dass sie direkt neben einem der braunen Stücke aufschlägt. Die Sandkiste, in der die beiden jüngeren Töchter spielen, darf nie offen bleiben. Und Mutter Natalie graut es schon davor, wenn Tochter Lillith bald anfängt zu krabbeln. „Dann muss ich noch mehr aufpassen“, sagt sie.

Warum ausgerechnet ihr Garten zum Ziel vieler Katzen auserkoren wurde, kann sich die Familie nicht so recht erklären. „Im Bereich der Stadthalle und in unserem Viertel sind viele verschiedene Katzen unterwegs“, hat Natalie Köllner beobachtet. Wem sie gehören, kann sie nicht zuordnen – ebenso wenig, ob sie überhaupt einen Besitzer haben oder frei durch die Gegend streunen. Auch die Nachbarn kämpften mit ähnlichen Problemen, hätten aber zwischenzeitlich überwiegend eigene Katzen, erzählt Köllners Mann Sebastian Braun-Lüdicke. „Hier haben sich aus der Not heraus viele Leute eine eigene Katze angeschafft“, sagt er.

Thema ist dem Tierheim bekannt 

Eine Taktik, die jedoch keine Patentlösung sei, wie Branka Müller vom Kreistierschutzverein und Tierheim meint. Funktionieren könnte das nur dann, wenn die Katzen sich untereinander nicht mögen würden. „Es gibt aber keine Garantie, dass die Tiere sich nicht sympathisch sind und sich dann beide im Garten aufhalten“, sagt sie. Wenn man Katzen vertreiben möchte, müsse man sich einen Hund anschaffen. „Ein Hund scheucht die Katzen weg“, weiß Müller.

Das Thema der streunenden Katzen ist sowohl dem Kreistierschutzverein als auch dem Tierheim längst kein unbekanntes mehr. „Es ist ein sehr großes Thema“, sagt Müller. Seit etwa acht Jahren beobachten die Mitglieder einen Anstieg in Sachen streunender Katzen, also solcher Tiere, die sich offensichtlich selbst überlassen sind. Für den Kreistierschutzverein sind dabei weniger die Ausscheidungen der Tiere ein Thema, sondern vielmehr die unkontrollierte Vermehrung.

Im vergangenen Jahr habe man allein in Tuttlingen rund 40 Tiere eingefangen und kastriert, im ganzen Landkreis seien es jährlich 350 bis 500. „Es gibt viele Menschen, die sich gar nicht kümmern“, prangert sie an, dass sich Menschen Katzen anschaffen, diese sich dann aber weitgehend selbst überlassen. Ein großes Problem sei zudem manch ein Bauernhof: „Auf einem Hof habe ich 38 Katzen kastriert“, erzählt Müller. Der Kreistierschutzverein Tuttlingen fordere eine gesetzliche Kastrationspflicht für Katzen (siehe Extra-Kasten).

„Sehe die Stadt in der Verantwortung“

Eine Meinung, die auch Sebastian Braun-Lüdicke teilt. „Ich sehe da die Stadt in der Verantwortung“, sagt er. „Was ich nicht verstehe ist, warum nicht auch Katzen wie Hunde eine Marke haben.“ Allerdings: Das Problem der Hinterlassenschaften würden derartige Verordnungen auch nicht komplett aus der Welt schaffen. Bei einer Katze so wie bei Hunden eine Art Sauberkeits-Erziehung durchzuführen hätte wenig Sinn, sagt Branka Müller. „Katzen sind freiheitsliebend. Sie machen, was sie wollen.“

Familie Köllner will es nun mit Ultraschall-Katzenvertreibern versuchen und vielleicht auch ein paar Pflanzen anpflanzen, die Katzen angeblich nicht mögen. Auch wenn bei ihnen bislang noch kein Mittel gewirkt hat, die Vierbeiner von ihrem Grundstück zu vertreiben: Sie geben die Hoffnung nicht auf, eines Tages im Beet doch noch Kräuter anpflanzen zu können, die nicht von Ausscheidungen markiert wurden.

Der Kreistierschutzverein Tuttlingen fordert eine gesetzliche Kastrationspflicht für Katzen. So gibt es laut Deutschem Tierschutzbund mittlerweile mindestens 670 Städte und Gemeinden mit sogenannten Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsverordnungen für Katzen. In Tuttlingen läuft das bislang auf freiwilliger Basis: Wer will, kann seinem Tier eine Marke verpassen oder es „chippen“. Dann bekommt die Katze einen kleinen Mikrochip unter die Haut gesetzt, in dem seine Heimatadresse gespeichert ist.

Laut Stadtverwaltung ist es in Tuttlingen bislang nicht vorgesehen, eine Verordnung gemäß Paragraf 13b des Tierschutzgesetzes zu erlassen. Der Erlass einer solchen Verordnung sei nur unter bestimmten Bedingungen möglich, teilt Sprecherin Kerstin Terlinden mit. Sie könne erst dann erlassen werden, wenn andere Lösungsansätze – wie etwa das Einfangen und Kastrieren durch das Tierheim – nicht greifen. „Zu berücksichtigen ist zudem auch, dass selbst bei Vorhandensein einer Verordnung in der Praxis insbesondere die Kontrolle als problematisch gesehen wird“, teilt Terlinden mit.

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