Weiterer Corona-Fall im Landkreis Tuttlingen

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 Ein weiterer Corona-Fall im Kreis Tuttlingen ist bestätigt, weitere Ergebnisse stehen noch aus.
Ein weiterer Corona-Fall im Kreis Tuttlingen ist bestätigt, weitere Ergebnisse stehen noch aus. (Foto: Hans Klaus Techt)
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Im Landkreis Tuttlingen gibt es nun insgesamt sieben Corona-Fälle. Das Gesundheitsamt hat bestätigt, dass es sich bei den zwei neuen Fällen um eine Person aus Trossingen und eine Person aus Aldingen handelt. Mit wem die beiden seit der Infektion in Kontakt standen, werde derzeit noch geklärt, teilte Julia Hager, Pressesprecherin des Landkreises, mit.

Schon in der Nacht auf Dienstag war in sozialen Medien über einen sechsten Infizierten spekuliert worden. Laut Hager könne dies nicht der Trossinger gewesen sein, da die offizielle Meldung des Gesundheitsamtes erst am Dienstagmorgen vorlag. Die Pressesprecherin vermutet, dass es sich um ein Missverständnis nach Äußerungen in den vergangenen Tagen gehandelt haben müsse. Bis Montagabend gab es fünf Corona-Fälle im Landkreis Tuttlingen. Eine weitere Person war hier ebenfalls positiv getestet worden. Weil sie aber in einem anderen Landkreis ansässig ist, zählt sie nicht in die Tuttlinger Statistik. Insgesamt seien nun noch 60 Testungen offen, dazu kämen 43 Meldungen von Hausärzten, die begründete Verdachtsfälle melden und 79 Anfragen von Bürgern aus Risikogebieten.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat weiter starke Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben:

Senioren

Der Tuttlinger Oberbürgermeister Michael Beck ruft dazu auf, dass die Nachbarschaftshilfe wichtiger denn je sei. Da es besonders ältere Bürger mit einem geschwächten Immunsystem vermeiden sollten, in die Öffentlichkeit zu gehen, und sei es nur zum Einkaufen, werden die Bürger gebeten, genau hinzuschauen, wer in ihrer Umgebung jetzt Unterstützung brauchen könnte. Trotz der Schließung des Hauses der Senioren und Absage sämtlicher Aktivitäten und Angebote für Senioren sind die Mitarbeiterinnen des Seniorenbüros telefonisch erreichbar. Zusätzlich zur nachbarschaftlichen Unterstützung übernimmt das Seniorenbüro die Koordinierung eines Einkaufsdienstes für ältere Menschen, um notwendige Dinge in kleinerem Umfang ins Haus zu liefern.

Trauungen/Beerdigungen

Die Stadt Tuttlingen hat verfügt, dass vorerst bis 30. April bei Trauungen nur das Brautpaar und der Standesbeamte anwesend sein dürfen. Absagen von Trauungen gab es laut Stadtsprecher Arno Specht bislang noch nicht: „Angemeldet sind ein Paar für den 2. April und vier Paare für den 4. April.“ In Möhringen und Nendingen seien es Anfang April ebenfalls je zwei Paare. Specht: „Das ist eine überschaubare Zahl.“ Es sei deren Entscheidung, ob sie sich unter diesen Bedingungen trauen lassen wollen oder nicht. Allerdings: „Wir wissen bislang nicht, wie es nach dem 30. April ausschauen wird“, so der Stadtsprecher.

Bei Beisetzungen gebe es andere Vorzeichen, denn verschieben könne man die in der Regel nicht. Auch nicht bei Urnenbeisetzungen. „Im schlimmsten Fall dauern die Einschränkungen durch Corona ein Jahr, dann stauen sich Hunderte von Urnen, das geht nicht“, sagt Specht. Aber es gelten strikte Regelungen: So ist die Obergrenze an Teilnehmern bei 50 Personen pro Beerdigung, und die Feierlichkeiten finden generell nur noch in der großen Aussegnungshalle am Friedhof statt.

In der Katholischen Seelsorgeeiheit Tuttlingen werden Trauungen bis Ende Mai nicht stattfinden und Tauffeiern verschoben. Beerdigungen finden nach den behördlichen Vorgaben statt. Trauerfeiern und Requien müssten aber nachgeholt werden.

Seelsorge

Keine Gottesdienste, keine Hausbesuche, Krankensalbung nur in Ausnahmefällen: Die katholischen Kirchen im Dekanat Tuttlingen/Spaichingen haben ihre Seelsorge deutlich einschränken müssen. „Das ist eine Situation, die wir sonst nur aus Hollywood-Filmen kennen“, sagt Dekan Matthias Koschar. Eigentlich lebe die Seelsorge von der Zeit, die man gemeinsam an einem Ort verbringe. Nun müsse man telefonisch Hilfe leisten. Die Pfarrämter würden Anfragen auch auf diesem Weg entgegennehmen.

Es sei eine „bedrückende Situation“, sagt Koschar. Allerdings wolle man auch keine Sonderrolle. Man akzeptiere die Vorschriften des Staates, die sozialen Kontakte herunterzufahren, um die Gesundheit der Menschen nicht zu gefährden und die Kliniken nicht zu überlasten. „Es ist vergleichbar mit dem Satz des Fahrlehrers in der ersten Fahrstunde: Lieber erst kräftig auf die Bremse treten, bevor man später keinen Platz mehr hat“, sagt Koschar. Er verweist auch auf das Angebot der Telefonseelsorge.

Die evangelische Pfarrerschaft Tuttlingen hat sich am Dienstag getroffen, um über den Umgang mit der Corona-Krise zu sprechen. In den Kirchen werden keine Gottesdienste mehr gefeiert, teilt Pfarrer Markus Arnold mit. „Trotzdem wollen wir auch deutlich machen: Gerade jetzt in der Krise sind wir für andere da und lassen einander nicht allein, auch wenn wir unsere Kontakte beschränken müssen.“ Als Pfarrerinnen und Pfarrer würden sie versuchen, Menschen, die in Not geraten, nach ihren Möglichkeiten zu unterstützen. Dazu gehöre zum Beispiel, „indem wir Hilfe vermitteln, etwa beim Einkaufen oder bei Besorgungen, wenn man das Haus nicht mehr verlassen darf“. Als Seelsorger stünden sie auch bei seelischen Nöten, in Trauerfällen und bei psychischen Problemen zur Seite. Täglich um 18 Uhr läuten die Glocken und laden zum persönlichen Gebet ein, auch sei die Stadtkirche täglich von 16 bis 18 Uhr zum Beten und Innehalten geöffnet. Und: „Weil die Gottesdienste ausfallen, stellen wir Predigten und Andachten im Internet zur Verfügung.“ (www.ev-kirche-tuttlingen.de)

Notgruppen Kindergärten

Seit Dienstag sind landesweit die Schulen geschlossen – die vier städtischen Kindergärten Kernstadt, Alte Post, Altwegen und Nendingen sogar schon seit Montag. Der Grund: Eine Angehörige einer Erzieherin wurde positiv auf Corona geteste. Diese sei letzte Woche im Kindergarten Kernstadt zu Besuch gewesen und hatte dabei Kontakt mit mehreren Erzieherinnen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Tuttlingen. Da es in den folgenden Tagen bei mehreren der Kontaktpersonen Berührungspunkte zu anderen Kindergärten gab, wurden diese vorsorglich geschlossen. Die Stadt Tuttlingen rät weiterhin Kinder aus diesen Einrichtungen von anderen Personen fernzuhalten und medizinischen Rat einzuholen.

Klar ist aber: Ein Kind, das unter Quarantäne steht, wird nicht in die Notbetreuung, die es seit Dienstag von der Stadt gibt, aufgenommen. „Das Risiko ist einfach zu hoch“, erklärt Arno Specht, Sprecher der Stadt Tuttlingen. Gedacht sind diese Gruppen für Kinder, deren Eltern im „Bereich der kritischen Infrastruktur“ tätig sind. Darunter zählen Angestellte in der Gesundheitsversorgung oder Hersteller von notwendigen Medizinprodukten. Außerdem Personen, die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zuständig sind – einschließlich der Gefahrenabwehr, wie Feuerwehr, Rettungsdienste und Katastrophenschutz. Auch Mitarbeiter, die im Bereich Telekommunikation, Energie, Wasser, ÖPNV, Entsorgung sowie in der Lebensmittelbranche arbeiten, können ihre Kinder dort unterbringen. „Diese Berufe sind im Moment wichtiger denn je. Deshalb dürfen auch Kinder, die unter Quarantäne stehen, nicht in die Notbetreuung. Man würde riskieren, dass deren Eltern auch in Quarantäne müssten“, erklärt Specht. Wer sich nicht sicher ist, ob beispielsweise Geschwisterkinder von unter Quarantäne stehenden Kindern in die Notbetreuung dürfen, sollte es vorher mit einem Mediziner abklären, meint Specht. „Wir können das von der Stadt aus nicht entscheiden. Jeder Fall ist anders. Das ist momentan einfach eine Ausnahmesituation“, sagt er.

Gemeinderat

Der Gemeinderat der Stadt Tuttlingen hat alle weiteren Sitzungen abgesagt. Bis auf Weiteres werden der Gemeinderat und seine Ausschüsse sich nicht mehr persönlich treffen.

Die Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft am Dienstag fand nicht mehr statt. „Wir konnten alle Punkte verschieben“, so OB Beck. Bis auf weiteres gibt es nun zwei Möglichkeiten: In dringenden Fällen wird entweder Beck nach Rücksprache mit den Mitgliedern des Ältestenrates Eilentscheidungen fällen. Oder das von der Gemeindeordnung vorgesehene Verfahren der Offenlegung wird angewandt. Es sieht vor, dass die Gemeinderäte schriftlich und aktiv erklären, ob sie einem Verwaltungsvorschlag zustimmen oder nicht. Für Rückfragen im Vorfeld der Entscheidung stehen die zuständigen Mitarbeiter der Verwaltung per Telefon oder Mail zur Verfügung. Die Öffentlichkeit wird über diese Beschlüsse über die Presse informiert.

Die ersten Beschlüsse, die auf diese Weise gefällt werden, sind die Bauvergaben für die Sanierung der Gymnasien. Dafür war ursprünglich eine Sondersitzung am 23. März geplant, die ausfällt. „Darüber hinaus“, so OB Michael Beck, „tauschen wir uns über Mail oder auch Videokonferenzen aus“.

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