Vorschlag: Das Donau-Wehr wird zum Kultur-Wehr

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Der Erste Landesbeamte, Stefan Helbig (Mitte, neben Vertretern des Waserwirtschaftsamts und der Stabsstelle Recht des Landratsa
Der Erste Landesbeamte, Stefan Helbig (Mitte, neben Vertretern des Waserwirtschaftsamts und der Stabsstelle Recht des Landratsamts), muss eine Entscheidung zum Donau-Wehr treffen. (Foto: Christian Gerards)
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Vor allem auf die Lebensqualität in Tuttlingen und die Sorge um die Bäume entlang des Flusses haben die Argumente der Befürworter für einen weiteren Aufstau der Donau beim Erörterungstermin am Donnerstagnachmittag im Landratsamt gezielt. Zuvor hatte der Wasserbiologe Dr. Karl Wurm mehrfach auf Nachfrage betont, dass die Donau im sogenannten Tuttlinger Schlauch nicht den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie genüge (wir berichteten).

So betonte Michael Hensch, Leiter der Abteilung Umwelt- und Grünplanungsamt bei der Stadt Tuttlingen, die den weiteren Betriebs des Stauwehrs an der Groß Bruck beantragt hat, dass bei einer abgesenkten Donau umfangreiche Uferarbeiten anstehen würden, damit diese nicht zu steil zum Fluss hin abfallen. Hierdurch müssten insgesamt rund 200 Bäume unterschiedlicher Größe entlang des Flusses gefällt werden. Die Kosten für die Arbeiten taxierte er auf dreieinhalb bis fünf Millionen Euro. Aufgrund dieser Kosten wurde immer wieder von der fehlenden Verhältnismäßigkeit gesprochen – die Durchwanderbarkeitsmöglichkeit für die Fische und Kleinstlebewesen sei dabei ein kleineres Übel.

Thomas Kienzle von „Erhaltenswe(h)rt“ betonte, dass bei der Sammlung von Unterschriften gegen ein Absenken des Wehres durch die Bürgerinitiative, der Baumbestand „ein starkes Thema“ war. Er appellierte an den Ersten Landesbeamten, Stefan Helbig, bei seiner Entscheidung auch an die Menschen zu denken. Mit dem aktuell niedrigen Wasserstand, so betonte der Leiter der Stadtgärtnerei Klaus Schmidt-Droullier, tue man den Bäumen nichts Gutes. Oberbürgermeister Michael Beck betonte: „Ich habe das Gefühl, dass hier ein Exempel statuiert wird. Ich finde das nicht nachvollziehbar und nicht verständlich.“

Hellmut Dinkelaker (SPD) betonte, dass für ihn als Kunstlehrer das Stadtbild eine wichtige Rolle spiele. Jürgen Menzel vom BUND entgegnete, dass sich das Tuttlinger Stadtbild extrem verändert habe, und das nicht immer zum Vorteil. Paul Roder meinte, dass die Bürgerbeteiligung ein urgrünes Thema sei: „Bürgerbeteiligung bedeutet, dass Argumente aufgenommen werden“. Daher habe er auch mehrfach an den grünen Landesumweltminister Franz Untersteller geschrieben.

Bootsbetrieb nicht mehr möglich

Artur Enis, der das Golem an der Donau vom Heimatforum gepachtet hat, verdeutlichte, wie wichtig der Bootsverleih für den Tourismus sei: „Das ist eine Attraktion für die Stadt.“ Der Bootsverleih sei bei einer um einen Meter abgesenkten Donau nicht mehr möglich. Auch THW, DLRG und Feuerwehr könnten dann laut THW-Leiter Frank Göller nicht mehr auf der Tuttlinger Donau üben. Und das sei wichtig, da die Donau das Einsatzgebiet der Hilfskräfte sei.

Für Hans-Peter Bensch hat das Donau-Wehr ebenfalls einen wirtschaftlichen Wert, schließlich würde der aufgestaute Fluss Touristen anlocken. Norbert Müller, der das aktuelle Wehr als Mitarbeiter der Stadt erbaut hat, meinte angesichts der stadtprägenden Eigenschaft dieses als Kultur-Wehr anzusehen. „Das ist auch der Grund, warum es in den 1980er-Jahren neu aufgestellt worden ist.“ Die Argumente, die jetzt die Befürworter des weiteren Aufstaus vorbringen würden, seien damals schon gemacht worden: „Wir sind zu der Entscheidung gekommen, dass der Wasserspiegel wichtig ist und haben das Wehr daher gebaut.“

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