Christina Schilling und Konradin Börsig zeigen ihre Werke in der Shabby-Scheune.
Christina Schilling und Konradin Börsig zeigen ihre Werke in der Shabby-Scheune. (Foto: Claudia Steckeler)
Schwäbische Zeitung
Claudia Steckeler

Ein alter Schweinestall wird zu neuem Leben erweckt: Nach langen Renovierungsarbeiten ist in den Gemäuern des Stalls des ehemaligen Hofes von Anton Schilling – genannt „Bre-Toni , dem letzten Bauern auf dem Hohfelden“ eine Kunstgalerie entstanden. In der Shabby-Scheune werden von Freitag, 4. Mai, bis Sonntag, 6. Mai., Werke der beiden Nendinger Künstler Christina P. Schilling und Konradin Börsig in der Ausstellunng „Zurück zu den Wurzeln“ präsentiert.

Die Geschichte der Shabby-Scheune in der Mühlheimer Straße 115 geht zurück bis ins späte 19. Jahrhundert. 1873 kaufte Bonaventur Schilling den Hof und schenkte ihn seinem Sohn Anton zur Hochzeit – so wie es zu der Zeit auf dem Land üblich war. Der übergab den Hof seinem Sohn Paul Schilling, dem Schwiegervater der Künstlerin Christina P. Schilling. Aufgrund der Erbfolge bekam danach Anton Schilling, der älteste Sohn, den Hof, den er bis zu seinem frühen Tod im Jahr 2016 führte. Da niemand mehr den Hof weiterführen wollte sprang der Bruder Franz Schilling ein, der als Rechtsanwalt die klassische Landwirtschaft mit Viehzucht nicht mehr weiterführen konnte und wollte.

Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn entschied er sich jedoch dafür, das Grünland weiter zu bewirtschaften. Die Stallungen indes, standen in der Zwischenzeit leer, „dien-ten aber als Lagerräume für unwahrscheinlich viele unnütze, aber auch für brauchbare Gegenstände“, berichtet die Künsterlin Christina Schilling heute. „Da hatte ich die Idee, dass wir daraus Räumlichkeiten für eigene Veranstaltungen gestalten könnten“, erzählt sie. Gemeinsam mit der gesamten Familie machte sie sich an die Arbeit: Tage, wochen- und monatelang wurde aussortiert, getrennt, es wurden Decken und Wände ausgebrochen, morsche Balken ersetzt, Elektrik eingezogen, Treppen und eine Feuerstätte eingebaut und neue Scheunentore geschweißt.

Ein Stück Familiengeschichte

„Nach und nach ist ein Ort entstanden, der völlig losgelöst von der Hektik des Alltags ist. Ein Ort, an dem es scheint, als sei die Zeit irgendwann einmal stehen geblieben“, sagt Schilling. „Bei den gemeinsamen Arbeiten haben wir den Kindern und Enkelkindern immer wieder eine neue Anekdote der Familiengeschichte erzählt. Dabei haben wir nach und nach gemeinsam ein tolles Stück Heimat erschaffen, das uns alle während der ganzen Umbauphase auf den Weg zu unseren Wurzeln geführt hat“, bemerkt die Künstlerin.

Mit dem Malen begann Schilling 1996, „als Ausgleich zu meiner Tätigkeit als Hausfrau, Mutter und Buchhalterin in der Kanzlei meines Mannes“, erzählt sie.

Als Autodidakt hat sie mit ihren meist großformatigen Bildern einen ganz eigenen Stil erarbeitet: Sie verwendet ausschließlich ihre Hände, oder Spachteln, der Pinsel kommt lediglich bei der Grundierung zum Einsatz. Dabei setzt sie auch gerne natürliche Materialien wie Sand, Erde, Steine, oder Holzspäne ein, die sie meist mit natürlichen Farbgebungen in rot, braun, beige und orange unterstreicht.

Die Künstlerin nahm an zahlreichen Kunstausstellungen der Städte Tuttlingen und Mühlheim an der Donau teil und erhielt im Jahr 2003 bei der Hobbykünstlerausstellung der Stadt Tuttlingen den ersten Preis. Für den 21-jährigen Konradin Börsig ist es die erste öffentliche Ausstellung. „Ich male hauptsächlich Portraits von Menschen, oder Tieren mit Kohle. Dabei versuche ich mich auf das Wesentliche zu beschränken“ berichtet er. Börsig hatte schon als kleines Kind großes Interesse am Malen. Seine Mutter erkannte seine Freude daran und förderte ihn, besorgte ihm immer alle benötigten Utensilien. „Ich besuchte auch die Jugendkunstschule in Tuttlingen“, erzählt Börsig, der zurzeit in Stuttgart Elektro- und Informationstechnik studiert und das Malen als Ausgleich zum Alltag sieht.

Kontakt über Familie

Die Idee zur gemeinsamen Ausstellung hatte Schilling, und da beide Nendinger Familien sich kannten, waren die Kontakte dafür schnell geknüpft, die Eckdaten dazu rasch ausgearbeitet, so dass der Wiederbelebung der alten Stallungen – der neu kreierten Shabby-Scheune – nichts mehr im Wege stand und steht.

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