Viel Zeit bleibt ihm neben seinen vielen Ehrenämtern nicht – wenn doch, dann geht Hartmut Wanderer mit Vorliebe seinen kreative
Viel Zeit bleibt ihm neben seinen vielen Ehrenämtern nicht – wenn doch, dann geht Hartmut Wanderer mit Vorliebe seinen kreativen Hobbies nach. (Foto: Linda Egger)
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Auf einem langen Regal im Büro von Hartmut Wanderer reihen sich dicke Ordner aneinander; zwei große Bildschirme auf dem Schreibtisch verströmen bläuliches Licht. Auf einem schweren Holztisch breitet Wanderer eine Mappe mit Plänen aus, daneben legt er einen Flyer, der für Umweltschutz wirbt – sein neuestes Projekt. Nach einem erfüllten Berufsleben hat der 68-Jährige auch im Ruhestand kaum eine freie Minute.

Seit 2014 ist er Ortsvorsteher im Tuttlinger Ortsteil Eßlingen. Darüber hinaus steckt er viel Herzblut in diverse Vereine. Eine hitzige Diskussion um eine geplante Windkraftanlage in Eßlingen war der Auslöser dafür, dass Hartmut Wanderer nicht mehr nur Beobachter dessen sein wollte, was in seiner Umgebung passiert. „Durch unsere Region führt die Hauptroute des Vogelzugs“, erklärt er und zeichnet mit dem Finger die Zugrichtung der Vögel auf einer Karte nach, die an einer Wand seines Büros hängt. Für Windräder – oder „Schredder“, wie er sie nennt – sei dort kein Platz. „Das konnte ich nicht mehr mittragen. Ich hatte schon immer ein starkes Umweltbewusstsein“, erklärt Wanderer. Also gründete er im Jahr 2012 den Verein „Lebenswertes Eßlingen“, der sich mit kommunalpolitischen Themen auseinandersetzt.

Rund 50 Mitglieder zählt der Verein mittlerweile, dessen Vorsitz Wanderer innehat. „Wir haben schon viele Erfolge verzeichnen können“, sagt Wanderer zufrieden – der Lohn für die vielen Stunden, die er in seinem Büro am Schreibtisch oder bei Terminen verbringt. Seit er vor fünf Jahren das Amt des Ortsvorstehers übernahm, stehen auch zusätzlich viele Sitzungen auf seiner Agenda. „Wäre ich nicht Pensionär gewesen, hätte ich den Job nicht machen können“, macht er deutlich. Denn mittlerweile füllen seine Ehrenämter seine Tage voll aus: „Es ist ein Full-Time-Job, vor ein Uhr nachts komme ich grundsätzlich nicht ins Bett“, sagt er.

Im Jahr 2016 folgte die Gründung eines zweiten Vereins: Nach einem Unfall saß Wanderer ein Jahr lang im Rollstuhl. „Dadurch wurde mir die Notwendigkeit einer Nachbarschaftshilfe bewusst“, erinnert er sich. Der Verein „Wir für Sie“ ist inzwischen in sieben Gemeinden aktiv. Dennoch: Neue Mitglieder zu finden, die sich dort einbringen, sei äußerst mühsam. „Das ist etwas, was mir generell beim Ehrenamt auffällt“, sagt der Rentner. „Die digitalen Medien lenken das Interesse der Jugend in eine ganz andere Richtung“, stellt er fest.

Seit 2014 im Ruhestand

Seit 2014 ist Wanderer im Ruhestand. Zuvor war er im Baugewerbe sowie 18 Jahre lang im Bereich Umweltschutz tätig. Ein Thema, das ihn nie losgelassen hat. Früher sei er viel mit seinem Hund im Wald unterwegs gewesen, erzählt er. „Diese Schönheit und Artenvielfalt zu sehen, war für mich immer eine Bereicherung.“ Und weil er sich dafür einsetzen möchte, dass diese Artenvielfalt auch weiterhin bestehen bleibt, war die Konsequenz für den 68-Jährigen klar: Er gründete vor zwei Jahren noch einen dritten Verein. Auf den „Verein für Landschaftspflege und Naturschutz in Baden-Württemberg“ möchte er in den kommenden Jahren sein Hauptaugenmerk legen.

Neben seiner Tätigkeit als Ortsvorsteher und seinen drei Ämtern als Vereinsvorsitzender ist Wanderer außerdem auch Vorstandsmitglied im Tuttlinger CDU-Stadtverband. Viel Zeit für Privates bleibt ihm nicht. Was er in seiner rar gesäten Freizeit am liebsten macht, ist beim Betreten seiner Wohnung auf den ersten Blick zu erkennen: Die Wände schmücken zahlreiche Gemälde, auf denen Wanderer mit filigranen Pinselstrichen Landschaften eingefangen hat. „Als gelernter Werbegrafiker verliert man das Gefühl für Form und Farbe nicht“, sagt er. Auch mit Holz arbeitet er mit Vorliebe, beispielsweise beim Schnitzen.

Doch für sein Engagement in Eßlingen und darüber hinaus stellt er seine Hobbies gerne zurück: „Es gibt viele tolle Projekte im Ort, die ich in den kommenden Jahren in Angriff nehmen möchte.“

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