Volles Haus zum Abschied von Jens Junginger und Martin Sturm

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Martin Sturm war seit 2010 Vorsitzender des Kirchengemeinderats der Stadtkirche. Der 50-Jährige ist Lehrer für Latein, Geschichte und Englisch am Otto-Hahn-Gymnasium. Gemeinsam mit seiner Frau Christiane zieht er nun nach Freiburg. Dort übernimmt sie eine Schulleiterstelle, er hat eine Stelle am Berthold-Gymnasium bekommen. Damit zieht das Ehepaar nach 20 Jahren aus Tuttlingen weg, beide Kinder studieren in anderen Städten. Sturm nimmt viele Erinnerungen und auch Wörter wie „Ständerling“ und „wüstgläubig“, die er in der Kirchengemeinde gelernt hat, mit. Projekte wie einen Kirchenführer und einen Gottesdienstbegleiter hat er mit umgesetzt. Andere Projekte wie den Umbau des Foyers übergibt er an seine Nachfolgerin Christine Heß. (dh)

Zum Abschied des evangelischen Pfarrers Jens Junginger und des Kirchengemeinderatsvorsitzenden Martin Sturm der Tuttlinger Stadtkirche waren am Sonntag alle gekommen: Oberbürgermeister, Stadträte und Kirchengemeinderäte, Schul- und Kindergartenmitarbeiter, Vertreter der Diakonie, der katholischen Kirche, von der Initiative Asyl, vom Gewerbe- und Handelsverein – und sogar von den muslimischen Gemeinden.

Das volle Haus galt wohl vor allem Pfarrer Junginger: In knapp drei Wochen wechselt er nach Sindelfingen. Allein die Zahl derer, die sich von ihm verabschiedeten, zeigt, wie sehr er in der Stadt wertgeschätzt wird. Die Reden, Gesangsbeiträge und Gedichte taten ihr Übriges.

„Jens Junginger verkörpert eine Kirche, wie ich sie mir immer gewünscht habe: Eine, die weltoffen, sozial und den Schwachen zugeneigt ist.“ So formulierte es Rose Lovrekovic, die eng mit Junginger in der Ini Asyl, dem Tuttlinger Helferkreis für Flüchtlinge, zusammenarbeitet. Er sei „ein Mann der Tat, auf den man sich hundertprozentig verlassen kann“. Auch wenn die Zeiten in der Flüchtlingshilfe „härter werden“, spielte Lovrekovic auf das bundespolitische Klima an, werde dieser Geist in Tuttlingen weiterleben.

Stark für Flüchtlinge engagiert

Junginger und seine Frau Heidi Hafner, die seit 1995 in Tuttlingen leben, haben sich in den vergangenen Jahren in der Flüchtlingshilfe stark eingebracht. Unter anderem etablierte Hafner das Café International, einen Treffpunkt für Geflüchtete und Ehrenamtliche. Durch Jungingers Engagement wurde einem jungen Mann sogar Kirchenasyl gewährt.

Auch sonst habe er „immer wieder überlegt, wie wir dem einen oder anderen Menschen helfen können“, sagte Oberbürgermeister Michael Beck in seiner Dankesrede. Junginger habe es geschafft, die verschiedenen Dienste für Asyl und Integration zu vernetzen. Darüber hinaus habe er die Fair-Trade-Stadt Tuttlingen mit initiiert – weil es ihm auch darum gehe, Fluchtursachen zu bekämpfen, so Beck.

Dass er bei diesem Thema „hartnäckig“ bleibt, wie ihm eine Kirchengemeinderätin attestierte, zeigte Jungingers Predigt. Gemeinsam mit Martin Sturm ging er auf den Mätthaus-Vers „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“ ein. Jesus sei nicht nur der nette Versöhner gewesen, er habe auch Streitgespräche geführt, sagte Junginger. Deshalb: Aufgeklärt, hinterfragend durch die Welt gehen und nicht nur Nabelschau betreiben – das sollten alle tun.

Offene Kirche

In der Gemeinde selbst war es Junginger und Martin Sturm ein Anliegen, die Kirche offener zu gestalten. Dekan Sebastian Berghaus attestierte ihnen „den richtigen Riecher für Themen und Veranstaltungen, da sind wir Ihnen immer gern gefolgt“. Unter anderem finden vermehrt Veranstaltungen in der Kirche statt, zum Reformationsjubiläum 2017 gab es eine ganze Reihe. Oder: Derzeit wird eine Ausstellung des Bildhauers Frank Teufel gezeigt.

Auch eine Idee des Architekten beim Umbau der Kirche 1977ist nun umgesetzt worden. Die Stühle sind für den Zeitraum von Mai bis September, fast parlamentarisch, im Halbrund angeordnet.

Den Platz vorne am Altar wird nun vermehrt Philine Blum übernehmen. Sie rückt auf den Posten als geschäftsführende Pfarrerin der Stadtkirche nach. Schon jetzt hätten sie „saugut zusammengearbeitet“, attestierte ihr Junginger, der sich am Sonntag „geehrt, aber auch verstanden“ fühlte. Sie gäben ihm Rückenwind für die neue Aufgabe in Sindelfingen. Und: „Die Autobahn kann man ja auch mal wieder in die andere Richtung fahren.“

Martin Sturm war seit 2010 Vorsitzender des Kirchengemeinderats der Stadtkirche. Der 50-Jährige ist Lehrer für Latein, Geschichte und Englisch am Otto-Hahn-Gymnasium. Gemeinsam mit seiner Frau Christiane zieht er nun nach Freiburg. Dort übernimmt sie eine Schulleiterstelle, er hat eine Stelle am Berthold-Gymnasium bekommen. Damit zieht das Ehepaar nach 20 Jahren aus Tuttlingen weg, beide Kinder studieren in anderen Städten. Sturm nimmt viele Erinnerungen und auch Wörter wie „Ständerling“ und „wüstgläubig“, die er in der Kirchengemeinde gelernt hat, mit. Projekte wie einen Kirchenführer und einen Gottesdienstbegleiter hat er mit umgesetzt. Andere Projekte wie den Umbau des Foyers übergibt er an seine Nachfolgerin Christine Heß. (dh)

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