Volkshochschule wächst unaufhaltsam

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Auf den steigenden Bedarf nach Deutsch- und Integrationskursen reagiert die Volkshochschule in Stadt und Kreis Tuttlingen sowohl
Auf den steigenden Bedarf nach Deutsch- und Integrationskursen reagiert die Volkshochschule in Stadt und Kreis Tuttlingen sowohl personell wie räumlich. (Foto: Archiv: Ingeborg Wagner)
Dieter Kleibauer

1126 Veranstaltungen vom PC-Kurs bis zur Studienreise sieht das VHS-Programm fürs Frühjahr-/Sommersemester kreisweit vor, das heute der Wochenzeitung Südfinder beiliegt. Davon entfallen auf die Stadt Tuttlingen 586 Veranstaltungen. Semesterauftakt ist am 13. Februar.

Die VHS in Stadt und Kreis wächst unaufhaltsam. Mit knapp 43000 Unterrichtseinheiten im vergangenen Jahr hat sie einen neuen Rekord aufgestellt und liegt in der Liste der 172 Volkshochschulen im Land auf dem 17. Platz und ist damit eine der größten weit und breit. Zu verdanken hat sie diesen Anstieg vor allem den Migranten, erklärt VHS-Leiter Hans-Peter Jahnel bei der Vorstellung des Programms. Es sind die Deutsch-Kurse für Asylbewerber, die Integrationskurse wie auch die Allgemeinen Deutschkurse, die seit einigen Jahren kräftig zugelegt haben. Unterm Strich macht dieser Fachbereich damit mehr als 40 Prozent des VHS-Angebots aus.

VHS stockt Personal auf

Die VHS reagiert auf diesen steigenden Bedarf, personell wie räumlich. In der Verwaltung und im Dozentenstab sind mehr Fachkräfte beschäftigt – in der Verwaltung fünf, die Zahl der Fachbereichsleiter liegt rechnerisch bei sieben, wobei sich diese sieben Stellen auf mehr Personen verteilen, die nicht alle Vollzeit arbeiten. Außerdem hat man im ehemaligen Gästehaus des Hotels Stadt Tuttlingen an der Donaustraße, als Nachbar der Stiftung Liebenau, zwei weitere Kursräume und einen Büroraum angemietet; hier sollen vor allem Integrationskurse stattfinden und organisiert werden.

Im Mittelpunkt stehen dabei anerkannte Flüchtlinge mit priorisiertem Status, also aus Syrien, Irak, Iran, Eritrea und Somalia, die teilweise als Grundlage alphabetisiert werden müssen. Es kommen aber auch andere Flüchtlinge in solche Kurse, und nicht zuletzt gibt es auch einen Bedarf für EU-Bürger, die nach Deutschland ziehen und hier arbeiten wollen, sowie für Nicht-EU-Bürger, die über das Bleiberecht verfügen.

Zudem sind die offiziellen Prüfungen am Ende der Integrationskurse auch Grundlage für eventuelle Einbürgerungsverfahren – und in der Tat registriert die VHS vermehrt Einbürgerungswünsche von englischen Staatsbürgern als Reaktion auf den Brexit. Hans-Peter Jahnel kann sich auch vorstellen, dass, wenn die Verfassungsreform in der Türkei vollzogen wird, auch von dort mehr Einbürgerungsanträge nach Deutschland gestellt werden.

Die Deutsch-Kurse sind der größte Fachbereich der Tuttlinger VHS, vor dem Bereich Fitness/Gesundheit/Ernährung. Man kann in Tuttlingen lernen, Hula zu tanzen, im Vortrag hören, dass Mathematik angeblich glücklich macht, oder aber lernen, wie man mit dem Thermomix kocht.

Gebühren bleiben konstant

Die Gebühren bleiben nach der Anhebung im Vorjahr konstant, die Klassiker wie Sprachen und Berufliche Bildung bleiben tragende Säulen – wobei tatsächlich Dozenten fehlen, nicht nur für Norwegisch (siehe Kasten links unten).

Das Schwerpunktthema im Vortragsbereich lautet diesmal „Zukunft.Leben“ und beschäftigt sich im weitesten Sinne mit der fortschreitenden Digitalisierung in Beruf und Alltag – aber auch mit möglichen Gegenbewegungen: Im Oktober spricht ein ehemaliger Mitarbeiter eines Weltkonzerns, wie man aus dem Hamsterrad aussteigt und ein nachhaltiges Leben als bäuerlicher Selbstversorger führt.

Das VHS-Programm (112 Seiten) liegt der heutigen Gesamtauflage des Südfinders bei. Zudem steht das Programm auch online unter www.vhs-tuttlingen und liegt in den Rathäusern und städtischen Geschäftsstellen aus.

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