Verkehrsminister setzt auf Alternativen

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Erklärte seine Ideen für neue Mobiliätskonzepte: Winfried Hermann in der Tuttlinger S4-Lounge.
Erklärte seine Ideen für neue Mobiliätskonzepte: Winfried Hermann in der Tuttlinger S4-Lounge. (Foto: Dorothea hEcht)

20 Prozent der Pendler sollen das Rad nehmen. Und wenn’s geht, noch viele weitere Menschen vom Auto als Hauptverkehrsmittel wegkommen. Das wünscht sich Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und das machte er bei einer Veranstaltung am Dienstagabend in der Tuttlinger S4-Lounge vor 50 Zuhörern deutlich. Nur wie kommt man da hin?

Wenn es nach Hermann geht: öffentlichen Nahverkehr ausbauen, Lücken der Radwege schließen, alternative Mobilitätskonzepte umsetzen. Zu letzterem gehören etwa ein autonom fahrender elektrischer Bus, der derzeit auf dem Landesgartenschaugelände in Lahr getestet wird. In der Praxis soll er bedarfsorientiert funktionieren: Wer ihn braucht, kann einsteigen. Oder eine neue Smartphone-App: Sie berechnet für eine bestimmte Fahrtstrecke Stau und Wartezeiten und zeigt dann die beste Wahl der Verkehrsmittel an – ob das jetzt Bus, Bahn, Fahrrad oder Auto ist.

Auto darf nicht besser sein

Grundsätzlich glaubt Hermann: „Wenn die Leute besser und billiger mit dem Auto hinkommen, steigen sie nicht um.“ Diese Erfahrung hat auch Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck gemacht, der Hermann am Dienstagabend einen Brief mit Wünschen und Anregungen überreichte. „Es muss sich in der Stadt etwas ändern“, sagte Beck. „Wir haben 17 000 Pendler und die kommen überwiegend mit dem Auto.“

Der Gemeinderat Tuttlingen hat kürzlich beschlossen, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen zu werden. Beck hat noch eine andere Idee: einen Radschnellweg zwischen Tuttlingen und Neuhausen, „um den interkommunalen Gewerbepark anzubinden“. Auf eine Förderung machte Hermann ihm da allerdings wenig Hoffnung. „Das Land fördert so einen Weg nur, wenn er mindestens vier Meter breit und mindestens fünf Kilometer lang ist und mindestens 2000 Räder am Tag dort verkehren.“ Auch dann werde es aber noch teuer, ein solcher Weg werde gebaut wie eine Straße für Autos.

Was die Pendlerströme angeht, setzt Hermann darauf, die Unternehmen noch stärker in die Verantwortung zu nehmen. „Die Firmen haben sich zu sehr darauf verlassen, dass der Staat die öffentliche Vorsorge übernimmt. Damit ist jetzt Schluss“, so Hermann. Unternehmen müssten Jobtickets und andere Modelle finanzieren, um ihre Mitarbeiter dazu zu bewegen, aufs Fahrrad, Bus oder Bahn umzusteigen.

Nachholbedarf Elektrifizierung

Apropos Bahn: Auch da sieht Hermann noch Nachholbedarf im Landkreis. Die Strecke zwischen Tuttlingen und Fridingen und Tuttlingen und Immendingen müsse für den Ringzug elektrifiziert werden. Schrittweise würden die Lücken auch elektrifiziert, versprach er. Im Raum steht auch die gesamte Strecke der Donaubahn zwischen Donaueschingen und Ulm. Aber Elektrifizierung ist teuer, das Land müsse sich deshalb am Bedarf orientieren, sagte Hermann. „Auf der Donautalbahn haben wir im Moment noch zu wenig Fahrgäste.“ Er hofft aber, dass sich das mit dem geplanten Stundentakt ab Dezember 2019 ändert.

Selbst fährt Hermann übrigens gerne E-Auto, wenn es denn geht – das kam in der Fragerunde zutage. Für längere Strecken wie nach Tuttlingen greifen die Landesminister allerdings auf Benziner zurück. Für Hermann aus Mangel an Alternativen: „Ich hätte mir längst einen Tesla gekauft, aber die Landesregierung setzt – verständlicherweise – auf baden-württembergische Hersteller.“

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