Ur-schwäbische Lebensfreude bei „skrupelloser Hausmusik“

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 Ur-schwäbisch: (von links) Manne, Benny und Flex (mit Fluppe) in verr(a)uchtem schwäbisch-französischem Etablissement.
Ur-schwäbisch: (von links) Manne, Benny und Flex (mit Fluppe) in verr(a)uchtem schwäbisch-französischem Etablissement. (Foto: Kornelia Hörburger)
Kornelia Hörburger

Ihren Kultstatus hat Herrn Stumpfes Zieh und Zupfkapelle am Sonntagabend in der Stadthalle live unter Beweis gestellt: Die vier musikalischen Tausendsassas von der Ostalb sind eine putzmuntere, rasante Mischung aus Musik-Comedians und schwäbischer Coverband.

Ihren Kultstatus hat Herrn Stumpfes Zieh und Zupfkapelle nicht nur den Fernsehauftritten in der „Mäulesmühle“ oder bei „Hannes und der Bürgermeister“ zu verdanken. Live spielen und singen „Benny“, „Flex“, „Manne“ und „Selle“ querbeet, was das Zeug hält – mit vollem Einsatz zeigen Manne und Flex gar zu Angelo Branduardis „Wasserfloh“, was sie gerade im Tanzkurs gelernt haben. Thematisch reicht ihre „skrupellose Hausmusik“ vom musikalischen Rezept für ur-schwäbische „Linsen mit Spätzle“ (geschabt, nicht durchgedrückt) bis zum Kinderlieder-Medley zur Melodie von „Girl of Ipanema“.

Für „J’aime les Filles“ verwandelt Flex mit einer Gauloise die Bühne (in Rotlicht getaucht) in ein schwäbisch-französisches, verr(a)uchtes Etablissement – in Erinnerung an die Zeiten, als alle „hinne“ noch rauchen durften.

Wenn Sades „Smooth Operator“ lautmalerisch zum „Coolen Trompeter“ mutiert, wird sogar „brettlesbroites“ Ostalb-Schwäbisch zum Ohrenschmeichler. Und selbst für lateinamerikanische Rhythmen finden die Stumpfes eine klanglich perfekte regionale Adaption: „Guantanamera“ wird zu „I koh’s nemma heara“ – und Benny nimmt dabei gar seinen Kontrabass als überdimensionale Gitarre her. Aznavours „Du lässt dich geh’n“ erfährt dagegen eine inhaltlich korrekte Nachdichtung in unverblümtem Schwäbisch: „Du gohsch mer so auf da Sack“.

Jeder der vier Stumpfes scheint instrumentaler Zehnkämpfer zu sein. In rasantem Tempo tauschen sie untereinander und auch einfach mal im fliegenden Wechsel mitten im Stück ihre Instrumente aus einem beachtlichen Fundus. Zum Equipment zählt eine ganze Batterie verschiedener Gitarren, Banjos und Ukulelen, dazu „Quetschkommoden“, Schlagzeug, Klavier, Posaune und eine Tuba. Ein Plastikspielzeug fürs Saxophon-Solo ist genauso ein Hingucker fürs Publikum wie „Selles“ hawaiianische Lap-Steel-Gitarre (die auf dem Schoß liegend gespielt wird). Oder ein von „Benny“ eindrucksvoll mit strahlendem Ton gespieltes Kuhlohorn (ein dem Flügelhorn ähnliches Instrument aus der Familie der Trompeten).

Die Stimmung kocht vor der Pause nochmal so richtig hoch, wenn Flex die obligatorischen Pausen-„Wurscht“-Brote in den Saal wirft. Und genauso kurz vor Konzertende, wenn Flex mit seiner blonden Löwenmähne hinter den drei anderen auftaucht, um a cappella zu „Lion Sleeps Tonight“ „Mei Bembele“ zu intonieren.

Dabei bewahren die Stumpfes nicht nur die Mundart – sie sprühen auch nach einem Vierteljahrhundert auf der Bühne immer noch vor ur-schwäbischer Lebensfreude.

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