Tuttlinger zittern sich zum 1:0-Sieg gegen Seedorf

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Freuen sich über den Tuttlinger 1:0-Siegtreffer gegen Seedorf (von links): Joshua Woelke, Lamin Manjang, Torschütze Marcel John
Freuen sich über den Tuttlinger 1:0-Siegtreffer gegen Seedorf (von links): Joshua Woelke, Lamin Manjang, Torschütze Marcel John und Vorlagengeber Florin Tirca. (Foto: hkb)
Sportredakteur

Der SC 04 Tuttlingen schiebt sich auf den zweiten Platz vor, ein Wehinger Torhüter hat auch im Alter nichts verlernt und ein Gechinger Fußballer ist frustriert und sieht die rote Karte – darüber und über den noch ohne Heimsieg dastehenden SV Zimmern lesen Sie heute in der Nachspielzeit.

Gut angefangen, mäßig weiter gespielt und zum Schluss gezittert: Der SC 04 Tuttlingen hat am Ende mit etwas Glück das Spitzenspiel der Fußball-Bezirksliga Schwarzwald gegen den SV Seedorf 1:0 gewonnen und sich damit auf den zweiten Platz, punktgleich hinter dem SV Villingendorf, verbessert. „Die erste Hälfte war so, dass wir höher hätten führen müssen. Valerij Bogdanov hätte kurz vor der Pause das 2:0 machen müssen“, bedauerte Ertan Tasdemirci die vergebene Chance. Der Tuttlinger Trainer hatte am Defensivverhalten seiner Elf aber nichts auszusetzen. „Der Gegner hatte in der ersten Hälfte kaum Tormöglichkeiten, war lediglich zu Standardsituationen gekommen. Das haben wir gut gemacht.“

Die Tuttlinger erwischten einen guten Start und krönten ihre starke Anfangsphase in der 17. Minute mit dem 1:0. Nach einem Zuspiel von Florin Tirca nahe der Eckfahne ging Marcel John dem Ball entgegen und hämmerte ihn von der Strafraumgrenze ins lange Eck. Dies war die mit Abstand beste Szene des Tuttlinger Mittelfeldspielers, dem in den zweiten 45 Minuten unverständlich viele Abspielfehler unterliefen.

Nach dem Wechsel ließen die Gastgeber stark nach und stellten sich bei den Kontern schlecht an. Tasdemirci: „Wir haben die ganzen Situationen vorne schlecht ausgespielt und immer die falsche Entscheidung getroffen. Wenn man mit dem Ball hätte gehen sollen, wurde gespielt, und wenn man hätte spielen sollen, wurde mit dem Ball gelaufen. So haben wir vergessen, den zweiten Treffer zu erzielen. Hätten wir das 2:0 nachgelegt, wäre das Spiel entschieden gewesen und man hätte sich die Spannung bis zum Schluss ersparen können.“ So aber mussten sich die Donaustädter über die Runden zittern.

„Es ist klar, dass es dann am Ende durch Freistöße und Eckbälle gefährlich werden kann“, so der SC-Coach und dachte dabei wohl an den Freistoß von Seedorfs Kapitän Christoph Müller aus 17 Metern, der nur um Zentimeter das Tor verfehlte. SC-Keeper Alex Burdun wäre machtlos gewesen.

Beim gestürzten Tabellenführer SV Seedorf haderte man nach dem Schlusspfiff, nicht einen Punkt mitgenommen zu haben. Tobias Heizmann, neben Tobias Bea Spielertrainer des SVS: „Es war für uns unglücklich. Wir haben durch eine Unachtsamkeit das Spiel verloren.“ Heizmann, der neben Bea überraschend in der Abwehr spielte, schied in der Halbzeit verletzt aus. Er verschwieg die Schwierigkeiten in der Anfangsphase nicht. „In den ersten 20 Minuten hatten wir Probleme, ins Spiel zu finden. In der zweiten Hälfte, die uns gehört hat, haben wir eine super Leistung geboten. Sicher hat uns das Quäntchen Glück gefehlt und die Erfahrung, um letztendlich das 1:1 zu machen“, so Heizmann, der aber schnell nach vorne blickte: „Die Niederlage ist ärgerlich, wirft uns aber nicht um. Die Saison ist noch lang. Aber im nächsten Spiel gegen Trossingen am Donnerstag wird es sicher nicht einfacher als gegen die Tuttlinger, die eine gewisse Qualität haben.“

Für die Tuttlinger geht es am Donnerstag auf dem Heuberg beim Aufsteiger SV Bubsheim weiter.

Heyer hat nichts verlernt

Manche verlernen ihre Fähigkeiten nie. Das gilt besonders für den momentanen Wehinger Torwart Mathias Heyer. Der 41-Jährige, der derzeit Tobias Vogel wegen einer roten Karte im TVW-Tor vertreten muss, war am Sonntag auf dem Kolbinger Rotlaub-Sportplatz „der Akteur“ des Kreisliga A-Spiels. Heyer brachte die Kolbinger Angreifer fast zur Verzweiflung. „Der hielt mehr, als überhaupt möglich war“, bekam der Wehinger Torhüter nach dem Spiel von allen Seiten Lob und Anerkennung. Mit dieser Super-Leistung vertrat Heyer den halb so alten Torwart Tobias Vogel bestens und tat seinem Verein TV Wehingen mehr als nur einen Gefallen. Heyer ist in der Fußballszene kein Unbekannter. In früheren Jahren war er Stammtorhüter beim damaligen Regionalligisten SSV Reutlingen. Dort gehörte der Wehinger zu seiner Aktiven-Zeit zu einem der besten Torhüter der Liga. Er hat bis heute nichts verlernt und zeigte sich auch am Sonntag in Kolbingen sportlich fit. Die 2:4-Niederlage seines TV Wehingen konnte er aber nicht verhindern.

Spieler stänkert gegen Schiri

Einen Bärendienst hat Alexander Pretsch, Abwehrspieler von den Sportfreunden Gechingen, am Samstagnachmittag im Landesliga-Spiel gegen den Aufsteiger VfL Mühlheim (1:2) seiner Mannschaft erwiesen. Als die Partie fast vorbei war, man war in der dritten Minute der Nachspielzeit, stänkerte der ausgewechselte Spieler (er war nach einer Stunde ausgewechselt worden) gegen das Schiedsrichtergespann, vor allem gegen den jungen Schiri Johannes Röhrig aus Lorch.

Einer der beiden Assistenten zeigte dies dem Schiedsrichter an. Der unterbrach und zeigte dem ausgewechselten Gechinger die rote Karte. Der wird seinem Team in den nächsten Wochen nun fehlen. War’s Frust wegen der Auswechslung oder wegen der Heimniederlage?

Zimmern wartet auf Heimsieg

Zwei Heimspiele, ein Punkt, dabei noch keinen Treffer erzielt: Eigentlich eine ernüchternde Bilanz für den Fußball-Landesligisten SV Zimmern nach den ersten beiden Partien vor eigenem Publikum gegen den FC Gärtringen (0:0) und zuletzt gegen die SV Böblingen (0:2). Dazwischen lag der Auswärtserfolg (2:1) im Derby beim VfB Bösingen.

Bei genauerer Betrachtung hat sich der SVZ aber in beiden Heimspielen gut geschlagen. Kleinigkeiten gaben den Ausschlag, dass in diesen Spielen nicht mehr heraussprang. Beim Stand von 0:0 gegen Gärtringen hatte Harut Arutunjan eine Riesenchance, als er freistehend vor dem gegnerischen Torhüter die Führung vergab. Im Spiel gegen den SV Böblingen unterlief dem aus Immendingen kommenden Lars Czerwonka, ebenfalls in der Anfangsphase, ein ähnliches Mißgeschick. Beide SVZ-Spieler gehörten in der vergangenen Saison zu den beiden besten Torjägern in der A-Junioren-Verbandsstaffel. Jetzt, bei den Aktiven in der Landesliga, bekommen diese Nachwuchsspieler schon genügend Spielzeit. „Und diese wird ihnen auch in Zukunft helfen“, ist sich SVZ-Spartenleiter Erwin Beck sicher. Auch deren ehemaliger A-Juniorentrainer Gunter Welzer bläst ins ähnliche Horn; „Es ist eben schon ein Unterschied, ob du in der Jugend oder bei den Aktiven auf Torejagd gehst. Dann kommt noch die Aufregung hinzu. In der Jugend haben die Spieler weniger Druck verspürt und die Tore gemacht, jetzt denken sie vor dem gegnerischen Tor vielleicht noch zu viel nach. Aber mit der Zeit kommt die Erfahrung, und dann werden sie auch in der Landesliga treffen.“

Korb für FC Holzhausen

Einen gänzlich anderen Weg schlägt seit Jahren Ligakonkurrent FC Holzhausen ein, der höherklassige Spieler verpflichtet und unbedingt nach Höherem strebt. Der neue Holzhausener Manager Peter Kreth, der früher auch schon beim FC 08 Villingen und danach beim VfR Sulz „Großes“ vor hatte, will nun, wie er selbst sagt, Talente aus der Region verpflichten, um mehr Zuschauer ins heimische Panoramastadion zu locken. Als eine seiner ersten Amtshandlungen wollte er den Torhüter Allan Jasiak vom SV Zimmern verpflichten, der ebenfalls aus der A-Jugend des SVZ in diesem Jahr zu den Aktiven wechselte. Bis zum letzten Tag eines möglichen Wechsels, nämlich am 31. August, buhlte Kreth um das Talent, holte sich letztendlich aber einen Korb.

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