TUTicket steht mächtig in der Kritik

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Sowohl Podium, als auch Gäste sparten nicht mit ihrer Kritik an der derzeitigen Situation.
Sowohl Podium, als auch Gäste sparten nicht mit ihrer Kritik an der derzeitigen Situation. (Foto: Simon Schneider)
Simon Schneider

Bei der Veranstaltung „Wohin geht die Reise – Öffentlicher Nahverkehr im Kreis Tuttlingen“, die am Mittwoch von den Fraktionen der LBU des Gemeinderats und der OGL im Kreistag sowie des grünen Kreisverbands organisiert worden ist, sollte die Zukunft des ÖPNV in der Region diskutiert werden. Doch zahlreiche Bürger nutzten den Termin vor allem für eins: Sie machten ihrem Ärger Luft. Rund 50 Interessierte waren der Einladung ins Tuttlinger Rathaus gefolgt.

Die Verbindung von Kolbingen nach Tuttlingen sei früher besser gewesen, jetzt eine Katastrophe. Eine Fahrplanänderung im Dezember 2019 sei hierbei viel zu spät. Bei TUTicket sei kaum jemand an das Telefon zu bekommen. Genauso schlecht sei die Verbindung von Geisingen-Kirchen-Hausen nach Tuttlingen, die lange Wartezeiten beim Umsteigen nach sich ziehen würde. Ein weiterer Bürger beschwerte sich über die schlechte Anbindung von Nendingen zum Tuttlinger Hauptbahnhof, um am Morgen von dort weiter bis nach Stuttgart zu gelangen. Das gleiche Problem bestehe am Abend auf dem Rückweg.

Bitte um Geduld

Diese und viele weitere Kritikpunkte äußerten die teilnehmenden Bürger in der Fragerunde. Gabriele Zimmer erhielt dementsprechend sehr viel Kritik am Mittwochabend und betonte abschließend. „Wir wissen, dass wir Hausaufgaben zu machen haben, und wir wissen, dass es nicht an allen Stellen rund läuft im Landkreis. Wir wissen auch, dass der Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember eine Katastrophe war“, gibt die Geschäftsführerin von TUTicket unmissverständlich zu. Der Verkehrsverbund im Landkreis Tuttlingen hätte das umgesetzt, was im Nahverkehrsplan als Konzept vorgegeben worden sei. In der Praxis habe sich herausgestellt, dass es nicht funktioniere. „Es tut uns leid, dass es gerade so ist. Uns gefällt es auch nicht, dass jeden Tag Hunderte Leute sich am Telefon darüber beschweren, dass der ÖPNV im Landkreis nicht funktioniert“. Sie versicherte, dass viele Probleme im Dezember 2019 wegfallen würden, für diesen Dezember gab sie keine Garantie. Sie bat alle Verärgerten um Geduld.

Aber auch auf dem Podium wurde nicht mit Ktitik am öffentlichen Nahverkehr gespart. Andreas Frankenhauser, ÖPNV-Kenner aus Rottweil, betonte, dass die Ringzugeinführung im Jahr 2003 für den Landkreis Tuttlingen ein „großer Sprung nach vorne“ gewesen sei. „In den vergangenen 15 Jahren ist aber nicht mehr viel passiert, obwohl viele Impulse kamen. Es hat sich leider nichts daraus entwickelt“, gibt er zu bedenken. Im Gegenteil: Laut Frankenhauser hätte es sogar Verschlechterungen gegeben. Ideen seien da, aber man stoße in Tuttlingen immer auf Blockaden. Auch bei kreisübergreifenden Busverbindungen „ist nichts passiert“, mahnte er an. Gabriele Zimmer bevorzugt ein bedarfsorientiertes Angebot zu den Hauptverkehrszeiten. Kreisübergreifende Buslinien gebe es – wie zum Beispiel in den Landkreis Sigmaringen oder den Landkreis Konstanz.

Thomas Mager, Referatsleiter für den ÖPNV im Landesverkehrsministeriums, betonte etwa, dass das Land den Kreisen Geld zur Verfügung stelle, um Dinge vor Ort umzusetzen, wie die Verbundförderung, die seinen Worten nach aufgestockt werde. So könnte die Einbeziehung des Landkreises Konstanz im bisherigen 3er-Ringzug unterstützt werden.

Gute Vernetzung fehlt

Der Tuttlinger Student Jan Christoph Schrott, sagte, dass die Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel optimiert werden könnte, wie die Gäubahn in Richtung Stuttgart und zurück. Hierbei wünsche er sich eine bessere Vernetzung mit dem Ringzug bis nach Rottweil.

„Der aktuelle Ringzug wird hauptsächlich für den Schülerverkehr genutzt, für den normalen Verkehr ist er allerdings nicht attraktiv“, findet Schrott in Bezug auf die Fahrzeiten. Obendrauf müssten Schüler entweder teilweise den Unterricht früher verlassen, um den Ringzug zu bekommen, oder auf den Bus ausweichen.

„Von Haustür zur Haustür“ sei man mit dem Auto oft schneller, findet der der Tuttlinger Kreis- und Stadtrat Hans-Martin Schwarz. Sorgen bereite ihm die ausbleibenden Zuwächse. Die Schüler-Abos würden laut ihm stark zurückgehen. Mit einem regionalen Abo könne man am Wochenende kostenlos mit Ehepartner und Kindern in die Landkreise Rottweil und den Schwarzwald-Baar fahren. Es sei sinnvoll, auch den Landkreis Konstanz einzubeziehen.

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