Tropen-Zecke in Tuttlingen noch nicht gesichtet

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Ein Schild, das vor Zwecken warnt
Mancherorts wird vor Zecken direkt gewarnt: Grundsätzlich wird geraten, beim Wandern durch den Wald und hohes Gras lange Keidung getragen. (Foto: Frank Rumpenhorst)
Jan Scheibe

Im vergangenen Jahr hat es im Landkreis Tuttlingen einen Fall einer FSME-Erkrankung gegeben. Dies ist ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Jahr 2017. Denn vor zwei Jahren wurden fünf Fälle gemeldet. Allerdings handelte es sich dabei um einen deutlich erhöhten Wert im Vergleich zu den Jahren davor. In den Jahren 2014 und 2016 gab es jeweils zwei Meldungen von FSME, im Jahr 2015 sogar keinen einzigen.

Im Landesvergleich sind die Zahlen dennoch gering. So wurden 2018 in Baden-Württemberg insgesamt 272 Fälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Bundesweit gab es 584 Meldungen. Im Jahr 2017 waren es landesweit 181 Fälle, bundesweit 486. Da die FSME-Erkrankung meldepflichtig ist, veröffentlicht das Robert-Koch-Institut in Berlin dazu genaue Zahlen nach Region.

FSME wird von Zecken übertragen, wobei der Gemeine Holzbock mit über 90 Prozent die häufigste Zeckenart ist und damit Hauptüberträger auf den Menschen. Allerdings tragen in FSME-Risikogebieten, wozu der Landkreis Tuttlingen zählt, lediglich rund 0,1 bis fünf Prozent der Zecken FSME-Viren in sich.

Der Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis befindet sich dabei im Speichel der Zecken. Eine Übertragung des Virus auf den Menschen erfolgt damit schnell. Jedoch führt auch nicht jede Infektion zu einer schwerwiegenden Erkrankung wie Hirnhautentzündungen.

Dennoch sollte das Virus nicht unterschätzt werden. Die FSME-Impfung umfasst drei Impfungen, die dann erst alle drei, später dann alle fünf Jahre aufgefrischt wird. Erfolgt die Auffrischung nicht, geht der Impfschutz verloren.

Die zweite Infektionskrankheit, die Zecken übertragen, ist Borreliose. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung. Das Bakterium befindet sich im Darm der Zecke und wird normalerweise erst nach rund zwölf Stunden übertragen. Jedoch kann dies auch schon früher passieren, insbesondere durch eine unsachgemäße Entfernung der Zecke.

Dennoch ist es wichtig , eine Zecke sobald wie möglich zu entfernen. Das Robert-Koch-Institut rät, mit einer Pinzette oder ähnlichem Instrumentarium die Zecke möglichst nahe am Mundwerkzeug zu greifen und gerade rauszuziehen. Auf keinen Fall die Zecke mit Klebstoff oder Öl traktieren, sondern einfach möglichst gleichmäßig und ohne zu drehen herausziehen. Wenn Reste der Zecke in der Haut stecken bleibe, ist dies nicht schlimm. Die Bakterien befinden sich schließlich im Darm der Zecke und das Infektionsrisiko ist gebannt.

In den folgenden Tagen und Wochen muss dennoch nach Symptomen der Borreliose geschaut werden, da es noch immer keinen Infektionsschutz gegen die Krankheit gibt. Häufigstes Merkmal ist die sogenannte Wanderröte. Dies ist eine kreisförmige Infektion, die bis zu fünf Zentimeter breit wird und in der Mitte leicht verblasst. Jedoch muss klar von der nach einem Zeckenstich üblichen Rötung unterschieden werden. Diese verschwindet nach einigen Tagen und bedeutet keinen Anlass zur Sorge.

Auch hier gilt, dass nicht automatisch jeder Zeckenbiss eine Infektion mit Borreliose bedeutet. Nicht jede Zecke trägt das Bakterium in sich und bei einem schnellen Entfernen besteht meist keine Gefahr. Die meisten Infektionen mit Borreliose laufen ohnehin ohne Wissen und Kenntnisnahme der betroffenen Personen ab, da meist keine oder nur schwache Symptome erkennbar sind.

Wichtig ist, nach jedem Naturbesuch den Körper nach Zecken abzusuchen. Zecken halten sich vorwiegend in Gräsern und Hecken auf. Also auch in Gärten und Parkanlagen sind sie zu finden. Wer weiße, lange Kleidung trägt, erkennt die Zecken am besten. Auch wenn es optisch kurz hinter dem Vokuhila liegen mag, hilft es, die Socken über die Hosenbeine zu ziehen. Damit muss die Zecke die ganze Hose hochkrabbeln und ist leichter zu erkennen.

Angst vor der tropishcen Hyalomma-Zecke, die deutlich größer als die heimischen Arten ist, muss man zumindest im Landkreis Tuttlingen noch nicht haben. Nachdem bundesweit die erste Infektion mit Fleckfieber bekannt wurde, gilt die in den Tropen Afrikas und Asiens aber auch in der Mittelmeerregion verbreitete Zecke als neues Schreckgespenst.

Wie Siegfried Eichin, der Leiter des Tuttlinger Gesundheitsamtes, unserer Zeitung mitteilt, ist dem Amt jedoch noch keine Sichtung der Zecke im Landkreis bekannt.

Die Zecken sind rund zwei Zentimeter breiter als der Gemeine Holzbock und damit doppelt so groß. Außerdem sind die Beine auffällig gestreift.

Die Zeckenart kann das äußerst gefährliche Krim-Kongo-Virus in sich tragen. Jedoch trug keines der neunzehn Exemplare, die 2018 in Deutschland gefunden wurden, das Virus in sich. Das Gleiche trifft auch auf die fünf gefundenen Tiere im Jahr 2019 zu.

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