Theaterfreunde erwartet Vielfalt

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 Den Saisonabschluss bildet die Komödie von Molière„Die Streiche des Scapin“.
Den Saisonabschluss bildet die Komödie von Molière„Die Streiche des Scapin“. (Foto: Presse)
Schwäbische Zeitung

Sechs Theaterabende umfasst das Abo für die Saison 2019/20. Auf die Bretter bringen die Tuttlinger Hallen spannende Stoffe, renommierte Bühnen und bekannte Schauspielstars. Vom Saisonauftakt mit der Bühnenversion des Kinohits „Aus dem Nichts“ über die preisgekrönte Produktion „Hildegard von Bingen – Die Visionärin“ bis hin zur Premiere des Berliner Kriminaltheaters spannt sich der Bogen in der neuen Spielzeit.

Los geht es am Mittwoch, 16. Oktober, mit dem Politthriller „Aus dem Nichts“ nach dem gleichnamigen Film von Fatih Akin. Das EuroStudio Landgraf wagt sich an die Bühnenadaption eines Kinohits (der Film erhielt 2018 den Golden Globe 2018 als bester nicht-englischsprachiger Film, Prädikat „besonders wertvoll“). Opulent besetzt mit elf Mitwirkende wird eine Geschichte mit Parallelen zum NSU-Mordprozess erzählt, ein emotionales Drama über Verlust und Trauer, das noch lange beschäftigt.

Am Dienstag, 10. Dezember, kommt mit „Hildegard von Bingen – Die Visionärin“ großes Theater auf die Bühne: Das Schauspiel von Susanne Felicitas Wolf, inszeniert von Theaterlust München, zeichnet das Portrait einer großen Frauengestalt. Hildegard von Bingen war eine der bedeutendsten Frauen der Weltgeschichte und eine der größten geistlichen Autoritäten des mittelalterlichen Europas. Das Theaterstück zeichnet den Lebensweg dieser außergewöhnlichen Frau nach und verspricht einen Abend mit Schauspiel, Gesang und Livemusik und einem Stück über Liebe, Glauben, Wahrheit und beeindruckende Menschlichkeit.

Am Sonntag, 26. Januar, folgt das Theaterstück „Der rechte Auserwählte“: Die Hamburger Kammerspiele bringen Inszenierung des sarkastischen und hochpolitischen Stück von Eric Assous ein Werk von einem der bekanntesten Dramatiker unserer Zeit auf die Bühne, das in einem luxuriösen Loft im Pariser Bastille-Viertel spielt. Dort empfangen Melanie und Greg (seit zwölf Jahren verheiratet, zwei Kinder) Gregs alten Freund Jeff zum Abendessen (steinreich, überreizt, deprimiert, ein ewiger Einzelgänger). Überraschend kommen auch Charline, eine alte Freundin Melanies, und ihr neuer Verlobter Noel aus New York dazu. Und schnell zeigt sich, dass mit dem unbekannten Verlobten irgendetwas nicht stimmt.

Mit „Passagier 23“ hat Christian Scholze einen Krimi von Bestsellerautor Fitzek fürs Berliner Kriminal Theater für die Bühne bearbeitet: der Psychothriller kommt am Donnerstag, 5. März, nach Tuttlingen. Auf einem Kreuzfahrtschiff taucht ein Mädchen auf, das vor einem halben Jahr mit seiner Mutter verschwand. In ihrem Arm hält sie einen Teddybären. Er gehörte dem Sohn des Polizeipsychologen Martin Schwartz, dessen Sohn mit seiner Frau auf eben diesem Kreuzfahrtschiff fünf Jahre zuvor verschwand.

2008 meldete die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an. Der größte Unternehmenscrash in der US-Geschichte erschütterte weltweit die Finanzmärkte. Der Name Lehman wurde zum Symbol eines ungezügelten, dem Untergang geweihten Kapitalismus. Am Mittwoch, 25. März, erobert die Thematik die Theaterbühne: mit Stefano Massinis „Lehmann Brothers - Aufstieg und Fall einer Dynastie“ gastiert das a.gon Theater aus München, das ein eindringliches Theaterepos inszeniert hat, das in einer Mischung aus Erzählung und szenischem Spiel temporeich und mit subtilem Humor durch eineinhalb Jahrhunderte Zeitgeschichte führt. Eine Familiensaga und gleichzeitig ein Stück Wirtschaftsgeschichte im Zeitraffer.

Den Saisonabschluss bildet am Mittwoch, 22. April, eine Komödie von Molière: Das Neue Globe Theater, Potsdam, bringt „Die Streiche des Scapin“ und damit Commedia dell’arte in Reinkultur und ein höchst amüsantes Theaterspektakel voller Spielwitz, geistreicher Seitenhiebe und Ironie. Seinen „Scapin“ führt das Neue Globe Theater nicht einfach nur im klassischen Gewand auf, sondern als Theater im Theater, das sich mit der „geforderten Unterhaltung um jeden Preis“, einer gerade auch in der heutigen Zeit gültige Unsitte des Kulturbetriebs, auseinandersetzt. Ein Stück also auch über die Pannen und Anekdötchen der Theaterschaffenden zu allen Zeiten, ein augenzwinkernder Blick hinter die Kulissen eines fahrenden Theaters.

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