Tabellenführer Mühlheim mit der Bilanz eines Absteigers

Lesedauer: 12 Min
Schwäbische Zeitung
Reiner Neff

Tore sind im Fußball entscheidend: Dem VfL Mühlheim gelingt es momentan gar nicht zu treffen. Der SV Wurmlingen tat sich auch lange schwer, kam aber wenigstens zu einem Erfolgserlebnis. Wie es geht, weiß ein alter Bekannter in der Landesliga. Die Nachspielzeit:

„Wir hätten noch drei Stunden spielen können.“ Nach dem 0:2 beim SC Wellendingen wunderte sich Andreas Probst, Trainer des VfL Mühlheim, schon. Der Spitzenreiter der Bezirksliga zeigte eine gute Leistung, schaffte es aber nicht, den gefühlten Ballbesitz von „80 bis 90 Prozent“ in Zählbares umzusetzen. „Das war verrückt. Das Wellendinger Tor war wie vernagelt. Und unser Torwart Oliver Becker hatte nach 45 Minuten keinen Ball in der Hand“, meinte Probst, dessen Team beste Chancen – darunter einen Elfmeter – ausließ. „Zur Pause muss es 4:0, 5:0 stehen“, sagte der VfL-Coach. Zusätzlich zum Pech, was die Mühlheimer am Fuß hatten, erwischte Wellendingens Schlussmann Heiko Angst einen „super Tag.“ Der SCW hätte „hart gekämpft“ und sich den Sieg verdient. „Die sind mit allem in die Bälle gesprungen, was sie hatten.“

Sorgen wegen der zweiten Saisonniederlage macht sich Andreas Probst noch nicht. Das 0:2 bei Aufsteiger SC Wellendingen sei wegen einer guten spielerischen Leistung und bei 13 Punkten Vorsprung in der Bezirksliga auf den Zweiten SC 04 Tuttlingen noch „kein Beinbruch“ für den VfL Mühlheim. Dennoch macht sich der Trainer der Donautäler seine Gedanken. In den vergangenen drei Meisterschaftspartien schoss Mühlheim kein Tor und holte nur einen Punkt. Mit dieser Bilanz liegt der VfL auf dem drittletzten Platz in der Rückrundenstatistik. „Die Jungs sollten mal wieder 100 Prozent erreichen. Das ist die Lässigkeit. Man merkt, es sind ein paar Spieler dabei, die denken, es geht ganz locker und wir gewinnen schon irgendwie“, ärgerte sich Probst. „Sonst ist das Polster bald weg.“

Mit dem Toreschießen wollte es für den SV Wurmlingen im Spitzenspiel der Kreisliga A2 gegen den SV Bubsheim einfach nicht klappen. Sechs, sieben Chancen ließen die Gastgeber aus, trafen durch Kenny Heindel, Marius Schätzle und Ümit Cakici dreimal das Bubsheimer Gebälk. „Man hat gemerkt, dass wir im Winter zu wenig Schusstraining gemacht haben“, meinte SVW-Spielertrainer Benjamin Raidt, der seiner Mannschaft im Vergleich des Ersten mit dem Zweiten sonst wenig Vorwürfe machen konnte. „Das war eine starke Leistung“, urteilte der Offensivspieler. Sein Team sei engagiert und gut in den Zweikämpfen gewesen, habe den Favoriten aus Bubsheim, der mit einem Punkt Rückstand und drei Spielen in der Hinterhand eigentlicher Tabellenführer sei, gut im Griff gehabt.

Trotzdem ging der SV Bubsheim im Spitzenspiel in Wurmlingen in Führung. Andreas Messmer erzielte in der 85. Minute das 1:0. „Wenn du selbst die Bude nicht machst, kommt so etwas zu Stande. Das ist Fußball“, hatte SVW-Spielertrainer Benjamin Raidt das Unheil kommen sehen. Zumal ihm sein Bubsheimer Pendant Paul Ratke kurz vor dem Wiederbeginn gewarnt hatte. „Ich habe Benjamin gesagt, dass sich die vergebenen Chancen rächen“, erklärte der SVB-Spielertrainer. Dass Messmer, der für den SVB im Angriff auflief, für das Tor verantwortlich zeichnete, war durchaus zufällig. Zwar hat Messmer schon sechs Treffer in dieser Saison erzielt. „Seine Lieblingsposition ist das aber nicht“, erklärte Ratke. Der Bubsheimer Kapitän fühlt sich eigentlich im zentralen Mittelfeld wohler. Weil aber Ionut Matei und Nuridin Gashi krank und verletzt ausfielen, musste Messmer vorne ran. „Mit seiner Technik kann er die Bälle gut behaupten und ist torgefährlich“, lobte Ratke. Den Beweis gab es nach 85 Minuten.

Das goldene Tor wurde es nicht. Den Treffer von Andreas Messmer glich Kenny Heindel in der Nachspielzeit noch aus und rettete dem SV Wurmlingen das 1:1 gegen den SV Bubsheim. Für den jungen Offensivspieler war es eine gelungene Rückkehr. Heindel hatte sich am ersten Spieltag gegen den TV Wehingen (2:0) nach einer Minute nach einem Zweikampf verletzt und war kurz darauf ausgewechselt worden. Gegen Bubsheim stand er wieder auf dem Platz und „hat ein super Spiel gemacht“, fand sein Trainer Benjamin Raidt. Weil er selbst einige Chancen ausließ, gab er Heindel in der Nachspielzeit den Vorzug. „Normalerweise ist das mein Freistoß. Aber ich hatte nicht das Schussglück, dass ich dem Jungen den Ball überlasse“, meinte Raidt. Den Freistoß zirkelte Heindel von der linken Strafraumkante in den entfernteren Torwinkel. Nicht nur wegen des herrlichen Treffers war sich Raidt sicher: „Mit Kenny hätten wir manch Spiel nicht verloren oder Unentschieden gespielt.“

Die Gäste vom SV Bubsheim beendeten die Partie beim SV Wurmlingen zwar in kompletter Mannschaftsstärke. Mark Grimm erhielt dennoch von Schiedsrichter Thomas Glantz (Göllsdorf) die Gelb-Rote-Karte unter die Nase gehalten. Eine Beleidigung des ausgewechselten Mittelfeldspielers schloss sein Spielertrainer Paul Ratke aus. „Gehört habe ich nichts.“ Der SVB-Coach mutmaßte, dass Grimm den Ball am Seitenrand hinter seinem Rücken versteckt und damit die schnelle Fortführung des Spieles verhindert habe. Diese Aktion sei „symptomatisch“ für das gesamte Spiel der Bubsheimer gewesen. „Das war die schlechteste Leistung in dieser Saison. Bei den Jungs ist es Kopfsache. Sie glauben wohl, dass alles von allein geht“, ärgerte sich Ratke.

Eine gute Schusstechnik, etwas Luftunterstützung und schon führte der SV Gosheim gegen die SpVgg Trossingen. Mit einem direkt verwandelten Eckstoß sorgte Sebastian Nann für das 1:0 beim 2:1-Sieg der Hausherren. „Ein super Tor“, sagte Trainer Markus Federle, der Trossingens Schlussmann Marc Hauser in Schutz nahm. „Man kann sagen, den muss er halten. Aber unser Kunstrasenplatz ist auch windanfällig und der Ball war mit Zug zum Tor gezogen“, meinte der SVG-Coach. Geübt habe Nann seinen spektakulären Schuss nicht. „Man muss ehrlich sein: Das war auch Glück.“

Mit dem 2:1-Sieg gegen die SpVgg Trossingen kam der SV Gosheim gut aus der Winterpause. „Für uns war es wichtig, dass wir punkten. Ein Sieg ist optimal“, meinte Gosheims Trainer Markus Federle. Mit dem Erfolg setzten die Heuberger den Trend vom Ende der ersten Saisonhälfte fort. Insgesamt ist der SVG nun schon vier Spiele unbesiegt, holte dabei zehn Punkte. Ob der Sieg gegen Trossingen nun verdient war, wollte Federle nicht bewerten. Nach einem guten Start mit Treffern von Sebastian Nann und Andreas Leibinger habe Gosheim gegen die „individuell super besetzte“ Trossinger Mannschaft defensiv gut gestanden und aus dem Spiel wenig zugelassen, sagte der Gosheimer Trainer. Bei den „extrem vielen“ Standardsituationen sei Trossingen aber gefährlich gewesen. Dimitri Stroh verpasste mit einem Freistoß an die Latte das mögliche 2:2.

Janik Michel hat sich nach vier Spielzeiten in der Landesliga, Staffel 3, wieder zurückgemeldet. Der einstige Torjäger des FC Gärtringen erzielte beim 3:1 seines neuen Vereins FC Holzhausen gegen die Sportfreunde Gechingen innerhalb von vier Minuten einen Hattrick. Wenige Tage vor Transferschluss am 31. Januar hatte der ambitionierte, aber inzwischen vom Abstieg bedrohte FCH den 25-Jährigen vom SSV Ulm verpflichtet. Der Stürmer hatte Gärtringen in der Spielzeit 2013/14 mit 40 Toren in die Verbandsliga geschossen. Nach dem Abstieg des FCG aus der Verbandsliga wechselte Michel zur Saison 2015/2016 zum Regionalligisten SV Elversberg. Wegen eines Bänderrisses zu Saisonbeginn fiel er längere Zeit aus und fand bei Ex-Profi Michael Wiesinger (FC Bayern München/1. FC Nürnberg) keine Berücksichtigung mehr. Auch in der Oberliga-Mannschaft der SVE erwies sich Michel als treffsicher und steuerte 17 Treffer bei. Eine Chance in der Regionalliga zu spielen, bekam er bei den Saarländern nicht mehr. Beim SSV Ulm erzielte er danach in 52 Regionalliga-Spielen zwölf Tore für die „Spatzen“. In der Winterpause kamen für Michel Anfragen vom VfL Nagold und aus Holzhausen. Bei der vom SSV geforderten Ablösesumme winkte Nagold ab. Michel wechselte nach Holzhausen und erhielt dort einen Ausbildungsplatz. Bekannt war Michel 2014 in Gärtringer Diensten geworden. Weil dessen Vertragsspielervertrag nicht rechtzeitig innerhalb von drei Monaten beim Verband vorgelegen und der Nachweis der Abgabe der Sozialversicherung gefehlt haben sollen, waren neun Spiele des FCG wegen Einsetzen des nichtspielberechtigen Michel 0:3 gegen Gärtringen gewertet worden. Dem bis dahin souveränen Landesliga-Tabellenführer wurden 25 Punkte abgezogen. Der FCG rutschte auf einen Abstiegsplatz ab. Das Urteil wurde einen Monat später revidiert. Das Gericht urteilte, dass die erste Spielerlaubnis für Michel als Amateur solange bestanden habe, bis der FCG eine Spielerlaubnis als Vertragsamateur beantragt hatte.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen