Studenten sind in Tuttlingen beliebte Mieter

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WG-Gesuche sind angepinnt
Immer mehr Studenten in Tuttlingen kommen von weiter weg und brauchen daher ein Zimmer. (Foto: Felix Kästle)

Der Druck auf den Tuttlinger Wohnungsmarkt ist groß. Zu Semesterbeginn im Oktober werden an der Hochschule Furtwangen, Außenstelle Tuttlingen, zudem rund 200 neue Studenten erwartet. Vor allem auswärtige Studierende – und deren Anteil wächst – müssen schauen, wo sie unterkommen.

Die Wohnbau hat insgesamt 74 Zimmer in 18 Wohngemeinschaften im Angebot, zudem gibt es viele private Anbieter von Unterkünften. Wen man hört und mit wem man spricht: Die Studenten gehören zum überwiegenden Teil zu den angenehmen Mietern.

„Zimmer frei“ – dieser Zustand hält bei den WG-Zimmern der Wohnbau selten lange an. „Die sind in der Regel immer vermietet“, sagt Rita Hilzinger, Prokuristin der Wohnbau. In den Anfängen des Hochschulbetriebs in Tuttlingen habe es eine sehr starke Nachfrage nach Zimmern gegeben. Das hat sich etwas beruhigt, auch wenn die Zahl der Studierenden stetig steigt. Die Erklärung dafür ist simpel: Mittlerweile vermieten auch sehr viele Privatleute Zimmer und Unterkünfte an die Studenten.

Das Haus in der Jahnstraße 16 gegenüber der Hermann-Hesse-Realschule sollte eigentlich abgerissen werden. Doch Hilzinger hat das Gebäude schon immer gut gefallen. Und da sie aus den Erfahrungen anderer Vermietungen wusste, dass vor allem kleine Zimmer wegen des günstigen Preises bei jungen Leuten beliebt sind, hat sie es zu Studenten-WGs umbauen lassen: sechs Wohnungen à drei Zimmer. Auch Praktikanten oder Azubis können Zimmer mieten, kündbar ist der Vertrag aber nur zweimal im Jahr, jeweils zu Semesterende.

„Das sind nette, junge Leute“, sagt Hilzinger über ihre Mieter. Hin und wieder sei ein Ausreißer dabei, aber sonst kommt von ihr und Rainer Schmid, der die technische Mietwohnungsverwaltung samt der WGs bei der Wohnbau unter sich hat, nur Lob für die Bewohner.

Die Küche ist möbliert, inklusive Mikrowelle. Und in den Bädern stellt die Wohnbau für jeden Mieter einen eigenen Spind bereit. Um den Rest kümmern sich die Studenten und Azubis selbst. 210 Euro warm kostet das kleinste Zimmer mit knapp neun Quadratmetern, plus Anteil an der Gemeinschaftsfläche. 435 Euro das 28-Quadratmeter-Zimmer im Paul-Anger-Haus, das gerne auch von jungen Paaren bewohnt wird.

Die Eltern bürgen, eine Kaution wird nicht verlangt. Dafür aber jede Menge Flexibilität, vor allem von den Vermietern, erklärt Schmid: „Das WLan-Passwort wechselt jedes halbe Jahr. Da brauchen die Studenten zum Semesterbeginn am Sonntagabend um 21.30 Uhr noch schnell den Zugang.“ Denn der Stundenplan wird übers Internet eingesehen. Nicht nur deshalb bezeichnet sich der Wohnbau-Mitarbeiter als „Ersatz-Papa“. Auch sonst ist er Ansprechpartner, wenn es irgendwo harkt.

Eines hat Rita Hilzinger auch festgestellt: Noch vor zehn Jahren sind viele der Studenten in den WGs aus der Gegend gekommen, vor allem vom Heuberg. Hilzinger: „Mittlerweile sind etliche aus Norddeutschland dabei, und die weiblichen Studenten holen zahlenmäßig stark auf.“

In der Villa Birk, oberhalb des Café „Dream“ (ehemals Café „Ribler“), im Paul-Anger-Haus und über der Reinigung in der Königstraße hat die Wohnbau Studenten-WGs eingerichtet. Weitere sind erst einmal nicht geplant. „Das kann sich aber schnell ändern, wenn ein passendes Objekt in den Verkauf kommt“, sagt die Prokuristin.

Aus den letzten Löchern Kapital schlagen

Der Bedarf für mehr studentischen Wohnraum wäre durchaus vorhanden, findet der Tuttlinger Michael Beer. „Es ist eine Katastrophe“, sagt er. „Zu wenig Wohnraum und völlig überzogene Preise.“ Er und seine Frau haben 2015 ein Haus in der Möhringer Straße gekauft und kernsaniert. Im Erdgeschoss ist eine Zwei-Zimmer-WG, im Dach eine Fünf-Zimmer-Wohnung entstanden. Er sagt: „Wir hätten diese Zimmer dreimal vermieten können.“ Vor allem zum Start des Wintersemesters sei die Nachfrage hoch. Im März vermischten sich die Anfragen von Studenten mit denen von Azubis und Praktikanten.

Beer ärgert, dass etliche Privatleute die Not der jungen Leute ausnützen und selbst aus den miesesten Löchern möglichst viel Kapital schlagen wollen. Es sei unglaublich, was für Fotos er von Wohnungssuchenden schon gezeigt bekommen habe – von vorhergehenden Besichtigungen. Für Gottes Lohn vermiete er auch nicht. Aber: „Wir wollen das so machen, dass es sich rechnet. Millionäre werden wir davon nicht.“ Wenn er die Möglichkeit dazu hätte, würde er gerne ein weiteres Haus zu Studenten-WGs umbauen. Doch das Immobilienangebot sei bescheiden, sagt Beer.

Nie bereut hat auch Gerda Kittler, dass sie in ihrem Mehrfamilienhaus in der Oberen Hauptstraße Studentenzimmer eingebaut hat. Kittler: „Wir haben uns gleich dazu entschlossen, als wir gehört haben, dass Tuttlingen eine Hochschule bekommt.“ Doch die Umbauarbeiten seien erst im Oktober beendet worden, da hatte das Semester bereits begonnen. Also gehörten zunächst Praktikanten und Schüler zu den Mietern. Gerda Kittler schüttelt den Kopf: „Mit denen haben wir keine guten Erfahrungen gemacht.“ Jetzt, mit reinen Studenten-WGs, klappe das aber bestens. „Ich kann nichts Negatives sagen.“ Wenn jemand auszieht, kümmert sich die anderen Bewohner um den Nachmieter. Das habe den Vorteil, dass sich alle gut verstehen.

Trotz aller Harmonie: Eine Herausforderung sei es, die Bäder sauber zu halten. Das liegt laut der Vermieterin an dem hohen Härtegrad des Wassers, der Armaturen und Fliesen nicht gut bekomme. Aber da können ja die Studenten nichts dafür.

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