Streik legt Station des Klinikums lahm

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Beschäftigte und Azubis des Klinikums Tuttlingen streikten am Dienstag.
Beschäftigte und Azubis des Klinikums Tuttlingen streikten am Dienstag. (Foto: Verdi)

Erstmals ist im Tuttlinger Krankenhaus im Rahmen eines Warnstreiks eine ganze Station bestreikt worden: 24 Stunden lang, bis Dienstagabend, 21.15 Uhr, musste die Station 32, eine operative Abteilung mit 30 Betten, geräumt werden. „Das ist schon eine neue Qualität an Maßnahmen“, sagt Krankenhaus-Geschäftsführer Peter Sartor zu dem Tarifstreit im öffentlichen Dienst.

Laut Susanne Lippert, Betriebsratsvorsitzende des Klinikums Landkreis Tuttlingen, haben sich rund 40 Mitarbeiter am Warnstreik im Tuttlinger Klinikum beteiligt: „Etwa hälftig Pfleger und Auszubildende und ein paar Versprengte“, so Lippert. Dazu aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi, Bezirk Schwarzwald-Bodensee, die die Landkreise Konstanz, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar und Rottweil abdeckt.

Der zuständige Verdi-Sekretär hat die Tuttlinger Klinik im Vorfeld zu einer Notdienstvereinbarung aufgefordert, erklärt Peter Sartor. Als die Streik-Pläne dann konkreter geworden seien, habe man sich „bilateral verständigt“, dass die Station 32 von Beginn der Nachtschicht am Montagabend, 20.45 Uhr, bis Dienstag, 21.15 Uhr, geschlossen bleibe. „Das war für uns das kleinere Übel und leichter von der Steuerung her“, zieht Sartor den Vergleich zu einem 24-Stunden-Streik, der um Mitternacht begonnen hätte.

Umverteilung vorgenommen

Dennoch habe der Warnstreik zu einer großen Belastung geführt, vor allem in den anderen Bereichen des Krankenhauses, in die die Patienten der Station 32 verlegt worden seien. Dort, wo es vertretbar gewesen sei, habe man versucht, anstehende Operationstermine zu verschieben und im ganzen Haus in medizinisch machbaren Fällen Patienten entlassen, um genügend Betten für eine Umverteilung zur Verfügung zu haben. In einem eher kleinen Krankenhaus wie Tuttlingen mit 230 Betten mache das Schließen einer Station Kapazitäten von 13 bis 14 Prozent zunichte. Sartor: „Das ist eine ganz andere Verhältnismäßigkeit als in einer großen Einrichtung wie in Villingen-Schwenningen.“

Die Geschäftsführung und die Mitarbeiter, die gearbeitet haben, hätten alles versucht, was machbar sei, um die Auswirkungen des Warnstreiks aufzufangen. „Doch man muss sich bewusst sein, dass ein solcher Streik im medizinischen Bereich andere Auswirkungen hat als im öffentlichen Nahverkehr“, so der Geschäftsführer: „Wenn keine Busse fahren, kann ich zur Not auf das Auto umsteigen.“ Ein medizinischer Notfall lasse sich aber nicht umgehen.

Auch Susanne Lippert zeigt sich dankbar, dass die Kollegen der anderen Stationen vieles aufgefangen hätten. Vor allem die Auszubildenden seien beim Warnstreik sehr aktiv gewesen. Bei ihnen gehe es schließlich auch um viel, sagt sie.

Verhandlungen abwarten

Nun steht die dritte Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebervertretungen an. Die will Lippert abwarten. „Wenn es keine Entscheidung gibt, dann schauen wir weiter“, sagt sie. Sartor ist optimistisch, dass beide Parteien einen tragfähigen Kompromiss aushandeln werden – und einen, der für die kommunalen Arbeitgeber zumutbar sei.

Stuttgarts Bürgermeister Werner Wölfle im Interview: Das sagt er zum Warnstreik im öffentlichen Dienst.
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