Staufermedaille für Ulrike Martin: Eine, die auch mal Klartext redet

Lesedauer: 4 Min
Oberbürgermeister Michael Beck, Ulrike Martin und Helmut Martin sowie Justizminister Guido Wolf, der die Medaille im Namen des L
Oberbürgermeister Michael Beck, Ulrike Martin und Helmut Martin sowie Justizminister Guido Wolf, der die Medaille im Namen des Landes überreichte. (Foto: Dorothea Hecht)

Viel Applaus bekam das dreiköpfige Ensemble der Musikschule, das die Ehrung musikalisch umrahmte: Myriam Hipp an der Querflöte, Magdalena Renner an der Violine und Johanna Renner am Violincello. Die drei Musikerinnen machten auch eine kleine Verspätung des Justizministers wett und füllten die Lücke spontan mit einem Zusatzstück.

Was vielleicht nicht alle über Ulrike Martin wissen: Wäre vor einigen Jahrzehnten nicht die Zulassungsordnung geändert worden, hätte sie jetzt wohl eine Hausarztpraxis in Tuttlingen. „Dann hätte ich aber heute nicht die Staufer-Medaille bekommen“, resümierte sie am Dienstagabend bei der Verleihung der Medaille im Tuttlinger Rathaus mit einem Augenzwinkern – Ulrike Martin hat ihren Weg auch so gefunden.

Der Weg führte die Ärztin 1987 von Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz zu ihrem Mann Helmut Martin, ebenfalls Arzt, nach Tuttlingen. Die beiden bekamen zwei Kinder, „inzwischen ist Tuttlingen meine Heimat“, bekannte die heute 60-Jährige. 2000 übernahm sie den Posten, für den sie am Dienstag maßgeblich geehrt wurde: den Verwaltungsratsvorsitz bei der Diakonischen Jugendhilfe Mutpol.

Die erste weltliche Vorsitzende

„Das war damals ein absolutes Novum“, erläuterte Mutpol-Geschäftsführer Dieter Meyer. „Eigentlich hatte den Posten immer der Dekan inne.“ Der wollte das Ehrenamt damals aber nicht mehr. So rückte Martin auf, die schon Mitglied im Verwaltungsrat war.

In den vergangenen 18 Jahren habe sie Mutpol bei zahlreichen Projekten begleitet, führten Meyer, Oberbürgermeister Michael Beck und der Laudator, Justizminister Gudio Wolf (CDU), aus: beim Bauen und Sanieren von Gebäuden oder bei neuen pädagogischen Schritten. Mutpol ist seitdem enorm gewachsen. Um Zahlen zu nennen: 2000 lag der Umsatz bei zwölf Millionen D-Mark, heute liegt er bei 21 Millionen Euro. Mutpol hat inzwischen mehr als 400 Mitarbeiter und betreut 700 Kinder, Jugendliche und Familien.

Das sind vor allem Jugendliche, „die es nicht so gut haben im Leben“, wie OB Beck es nannte. Sie müssten „das Leben lernen“ und dabei helfe Ulrike Martin. Sie habe Mutpol „auf ein schönes Hochplateau geführt“, verglich Wolf ihre Arbeit mit einer Wanderung – weil die Adresse von Mutpol „Im Steinigen Tal“ lautet. Und das wisse er als Wanderer: „Nach besonders steinigen Tälern kommen oft die schönsten Gipfel und Ausblicke.“

Warmherzig, sachlich, interessiert

Wie Martin in der Jugendhilfeeinrichtung wirkt, das beschrieben Mitarbeiter von Mutpol laut Geschäftsführer Meyer mit den Worten „intelligent, warmherzig, sachlich, interessiert, korrekt und humorvoll“.

Eigenschaften, die auch in ihrem anderen großen Ehrenamt, dem Fraktionsvorsitz der LBU-Fraktion im Tuttlinger Gemeinderat, nicht fehl am Platz sind. Das machte Gemeinderatskollege Uwe Schwartzkopf deutlich: „Lösungen zu finden, ob mit oder gegen den Wind, ist dein oberstes Ziel.“

Seit 2004 ist Martin Mitglied im Gemeinderat, eine Wahlperiode zuvor hatte sie die Kandidatur noch abgelehnt. 2017 übernahm sie dann sogar das Amt der Fraktionsvorsitzenden von Petra Schmidt-Böhme. Manchmal müsse man dabei Klartext reden, und davor scheue sich Martin nicht, sagte Schwartzkopf. Er erinnerte an die jüngste Diskussion um eine Fahrradroute im Gemeinderat, als sie der CDU-Frakion entgegenschleuderte: „Seien Sie doch einfach ehrlich und sagen Sie: Sie wollen das nicht!“

Die Staufermedaille von einem CDU-Minister zu erhalten, damit hatte sie kein Problem – verbarg aber auch nicht die Freude über die Unterschrift des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.

Viel Applaus bekam das dreiköpfige Ensemble der Musikschule, das die Ehrung musikalisch umrahmte: Myriam Hipp an der Querflöte, Magdalena Renner an der Violine und Johanna Renner am Violincello. Die drei Musikerinnen machten auch eine kleine Verspätung des Justizministers wett und füllten die Lücke spontan mit einem Zusatzstück.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen