Stadtbücherei Tuttlingen verzeichnet einen Anmeldezuwachs von 20 Prozent

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Bücher sind nach wie vor gefragt. Weniger nachgefragt werden in der Stadtbibliothek CDs und DVDs.
Bücher sind nach wie vor gefragt. Weniger nachgefragt werden in der Stadtbibliothek CDs und DVDs. (Foto: Uwe Anspach)

Bei der Stadtbücherei Tuttlingen ist man zufrieden mit dem Jahr 2018. Das sagte Einrichtungsleiterin Yvonne Grausam bei der Gemeinderatssitzung am Montagnachmittag. So wurden erstmals seit 2013 wieder mehr als 1000 Neuanmeldungen verzeichnet. Und auch die Zahl der aktiven Nutzer stieg im Vergleich zum Vorjahr an.

Die Stadtbibliothek Tuttlingen versteht sich als einen „Ort der Begegnung“, als einen Platz zum Aufenthalt ohne Konsumzwang, wo sich Menschen aller Altersgruppen zum gemeinsamen Lesen, Lernen und Spielen treffen können. Im vergangenen Jahr haben dieses Angebot über 70 000 Besucher wahrgenommen, wie Grausam schilderte. Allerdings seien die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig, was ihrer Meinung nach aber mit den außergewöhnlich heißen Sommermonaten zusammenhänge. Außerdem habe 2018 aufgrund des Zweijahresrhythmus keine Nachtkultur stattgefunden, die sonst auch immer für zahlreiche Besucher sorge. Dazu komme, so Grausam, dass viele Menschen ihre Medien inzwischen nur noch über Onleihe bezögen, was einen „physischen Besuch“ in der Bücherei unnötig mache.

Zuwachs von Prozent

Positiv sind laut Grausam aber vor allem die Zahl der Neuanmeldungen: 2018 haben sich mehr als 1000 neue Nutzer angemeldet, im Vergleich zu 2017 ein Zuwachs von 20 Prozent. Auffällig sei auch, dass rund 35 Prozent der 4443 aktiven Nutzer (mindestens eine Ausleihe pro Jahr) aus den angrenzenden Gemeinden kämen: sechs Prozent aus Wurmlingen, jeweils fünf Prozent aus Emmingen und Mühlheim, jeweils drei Prozent aus Immendingen und Neuhausen sowie 13 Prozent aus anderen Gemeinden.

Trotz der guten Zahlen bleibt ein Dauerthema bei der Bücherei das Platzproblem. Mit dem Sonderbudget aus 2018, das auf 2019 übertragen wurde, soll in diesem Frühjahr nun der Thekenbereich verkleinert und mit neuen Möbeln ausgestattet werden. Der dadurch gewonnene Raum soll mit Präsentationsflächen entsprechend gestaltet werden. Darüber hinaus will die Bibliothek im Herbst zwei Selbstverbuchungsgeräte anschaffen. Mit den neu ausgegebenen Mitgliedsausweisen im Scheckkartenformat können dann Medien eigenständig eingebucht werden. Dadurch sollen die Mitarbeiter an der Verbuchungstheke entlastet werden, sodass sie mehr Zeit für Auskunfts- und Informationsdienste haben. Denn gerade in diesem Punkt gebe es jede Menge Bedarf, so Grausam. „Die Vermittlung von Informations- und Recherchekompetenz ist wichtiger denn je.“ Vielen fehle die Kompetenz, sich in der unüberschaubaren Menge an Informationen im Internet zurechtfinden und diese dann auch entsprechend auszuwerten.

Hans-Peter Bensch (FDP) fragte, ob die elf neu angeschafften Tablets für interaktive Klassenfühurngen ausreichten und ob die Bücherei künftig auch das Thema Medienkompetenz verstärkt angehen wolle, was Grausam beides bejahte. Michael Seiberlich (CDU) entgegnete, dass es sinnvoll sei, vorher die Lehrpläne anzuschauen, da Medienbildung in den Klassen fünf bis zehn eine Rolle spiele. „Ich glaube nicht, dass das ein Feld für die Bibliothek wäre, das wird in den Schulen gemacht.“ Sein Parteikollege Hans Roll erkundigte sich nach der personellen Situation und ob es eine hohe Fluktuation gebe. Derzeit arbeiten in der Bücherei acht Mitarbeiter und eine Auszubildende. Eine nennenswerte Abwanderung gebe es nicht, so Grausam.

Ausleihen und Bestand:

Die Mediengruppe Kinder- und Jugendliteratur (19 Prozent) und Sachliteratur (20 Prozent) sowie E-Medien (33 Prozent) machen die größte Teile des Bestand aus. Dabei fällt der Anteil der E-Medien überproportional groß aus, da das Angebot aus einem Verbund aus 21 Bibliotheken gestellt wird. Insgesamt verfügt die Bücherei über einen Bestand von 82 488 Medieneinheiten, wovon 26 331 über die Onleihe ausleihbar sind. Im Vergleich zu 2017 gab es bei den Ausleihen ein leichtes Plus von 2400. Bei den Ausleihzahlen ist die Kinder- und Jugendliteratur ganz vorne (plus fünf Prozent). Ein rückläufiger Trend ist bei den Non-Book-Medien wie CD und Filmen zu erkennen. Bibliotheksleiterin Yvonne Grausam führt diesen Umstand auf das steigende Angebot an Streamingdiensten zurück. Daher werde überlegt, ob die Bücherei in dieses Feld ebenfalls einsteigen soll. Vorher wolle man aber beobachten, welche Erfahrungen diesbezüglich in Villingen-Schwenningen und Donaueschingen gemacht würden, die gerade in dieses Thema eingestiegen seien. Bei der Onleihe mit E-Medien ist seit 2014 eine Steigerung der Ausleihen von 52 Prozent zu verzeichnen. Dennoch: „Die digitalen Medien machen dem gedruckten Buch noch keine Konkurrenz.“

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