So wars bei Bodo Wartke in der Stadthalle

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Pianist, Kabarretist und Reimkünstler: Bodo Wartke stellte in Tuttlingen sein neues Programm vor.
Pianist, Kabarretist und Reimkünstler: Bodo Wartke stellte in Tuttlingen sein neues Programm vor. (Foto: Siegrid Bruch)
Siegrid Bruch

Mit seinem fünften Solo-Programm „Was, wenn doch?“ begeisterte Multi-Talent Bodo Wartke sein Publikum am Samstagabend in der Tuttlinger Stadthalle.

Der Musik-Kabarettist beweist damit erneut, dass er über flinke Finger, viel Humor und ein hervorragendes Gefühl für Sprache verfügt. Egal, ob er über unerfüllte Liebe singt, seine herrlichen Reime vorträgt, auf der Bühne rappt oder nachdenkliche Lieder anstimmt, seine Besucher sind begeistert. Die Bühne ist sein Wohnzimmer, in dem er seinen musikalischen Bilderbogen entfaltet.

Ganz ruhig und mit viel Gefühl beginnt der „Gentleman-Entertainer“ (unter anderem Publikumsliebling der „Tuttlinger Krähe“) sein neues Programm. Er scherzt über die Liebe zu dritt, lässt sich über seine ehemalige Lebensgefährtin mit einem autobiographischen Stück im Stil eines Bach-Präludiums aus – das Werk treibe hier besondere Blüten, Bachblüten sozusagen. Er sinniert über Love Songs im Allgemeinen und meint: „Gefühle lassen sich nicht erzwingen. Auch wenn die Liebe geht, die Liebeslieder bleiben.

Verliebt in Eva

Auch hat er ein Lied übers Tanzen im Programm: das nonverbale Bluestanzen, die Erotik zu zweit, sei doch der vertikale Ausdruck eines horizontalen Verlangens, meint Wartke. So erzählt über seine Zeit auf dem Gymnasium, wo er in Eva verliebt war. Doch die liebt Thorben – wäre er doch verstorben.

Seine Reimlust lebt er so aus, dass er einmal sogar den Faden verliert, was weder er noch seine Zuhörer mit Humor nehmen. Er lässt sich aus über Opern („Wenn dicke Leute schreien und die Leute nichts verstehen“), zitiert köstlich den Text der Arie aus der „Königin der Nacht“ und erntet riesigen Beifall. Er macht das Publikum mit seinem brandneuen Stück bekannt, das nachdenklich stimmt: „Das Land, in dem ich leben will“. Dort herrscht Demokratie, statt skrupellosem Kapitalismus, Vernunft und Meinungsfreiheit statt Hass und Gewalt.

Neben Witz auch Denkanstöße

Mal melancholisch, mal ausgelassen, bietet das Multitalent Bodo Wartke verblüffende Denkanstöße, redet über Liebe und Angst und stellt schließlich die Frage: „Wie wäre es, wenn wir mehr aus Liebe handeln würden und nicht aus Angst, nur dem Herzen folgend? Wir trauen uns nicht, denken, das kann nicht klappen. Und was, wenn doch?“ Nach stürmischem Schlussapplaus gibt der Künstler noch drei Zugaben: zwei Gangster-Raps, in denen er dem Publikum noch eine Einführung in die Jugendsprache gibt, und abschließend – hochaktuell und kämpferisch - das Lied über den Erhalt des Hambacher Waldes.

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