Sieger wird Vize-Weltmeister

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Holger Nikelis (links) und Marcus Sieger (rechts) freuen sich über ihre Silbermedaillen.
Holger Nikelis (links) und Marcus Sieger (rechts) freuen sich über ihre Silbermedaillen. (Foto: Sieger)
Schwäbische Zeitung

Bei der Tischtennis-Weltmeisterschaft für Menschen mit Behinderung, die jetzt in Peking (China) ausgetragen wurden, hat Rollstuhlsportler Marcus Sieger aus Denkingen gemeinsam mit seinem Partner Holger Nikelis im Doppel die Silbermedaille geholt. Nur den Koreanern mussten sich die beiden geschlagen geben.

Bei den Weltmeisterschaften zeigte das gesamte deutsche Nationalteam eine beeindruckende Leistung. Die Mannschaft konnte die Medaillenausbeute von der WM 2010 in Korea sogar noch toppen: Gewannen die Deutschen damals vier Medaillen, so nehmen sie dieses Mal das doppelte, nämlich acht Medaillen, mit nach Hause.

Ein klein wenig ärgert sich Marcus Sieger aber dann doch über die verpasste Gold-Medaille: „Wir waren nur einen einzigen Ball vom Weltmeister-Titel entfernt“, sagt der Denkinger, der beim VFL Sindelfingen trainiert.

Zusammen mit Holger Nikelis vom RSC Köln konnte Marcus Sieger alle anderen Gegner souverän in Schach halten. Weder gegen Kuwait noch Brasilien oder Italien mussten die Deutschen über die volle Distanz gehen und siegten mit 3:0, 3:1 und 3:1. Gegen die favorisierten Koreaner kam es dann zu einem dramatischen Finale. Während ein überragender Nikelis gleich beide Koreaner im Einzel besiegen konnte, lag im Doppel die Sensation in der Luft.

Dank der kurzen Aufschläge von Sieger und den vielseitigen Schnittvariationen von Nikelis kamen die Koreaner mächtig ins Schwitzen. Dennoch drehten sie einen 2:1-Vorsprung des deutschen Duos noch zu ihren Gunsten, sodass das so wichtige Doppel mit 3:2 an die Asiaten ging. Das deutsche Team vergab im entscheidenden Satz beim Stand von 13:12 noch einen Matchball, ehe die Koreaner das Finale für sich entschieden. Insgesamt dauerte das nervenaufreibende Match mehr als drei Stunden. „Wir freuen uns riesig über die Silber-Medaille, ich bin sehr zufrieden mit der WM“, war Sieger sichtlich erfreut über sein Abschneiden bei seiner ersten Tischtennis-WM.

Auch im Einzel ging Marcus Sieger an den Start und gewann in der Gruppe ein Spiel. Mit dem dritten Gruppenplatz reichte es jedoch nicht zum Einzug in die Hauptrunde.

Auch bei Curling-WM erfolgreich

In den vergangenen vier Jahren hat Sieger eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen. So begann der Quereinsteiger erst 2010 mit systematischem Tischtennistraining. Mittlerweile ist er die Nummer 23 der Weltrangliste. „Marcus ist ein Vorbild, was Einsatz, Teamwork und Wettkampfhärte anbelangt. Er gibt stets 120 Prozent und geht keiner Herausforderung aus dem Weg. Sein Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Unser nächstes Ziel ist nun, unter die Top 20 der Welt zu kommen“, sagt Baden-Württemberg Trainer Andreas Escher über Siegers rasante Entwicklung.

Das Besondere: Nicht nur im Tischtennis ist Sieger erfolgreich. Bereits bei der Curling-WM in Vancouver (Kanada) sicherte er sich 2009 den dritten Platz. Damit hat der Rollstuhlsportler nun in zwei verschiedenen paralympischen Sportarten eine WM-Medaille gewonnen.

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