Senioren entdecken die digitale Welt

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 Gudrun Schickhaus (Mitte) zeigt Margit Hirth aus Kolbingen und Bruder Siegfried Studer vom Kloster Beuron, wie sie sich mit dem
Gudrun Schickhaus (Mitte) zeigt Margit Hirth aus Kolbingen und Bruder Siegfried Studer vom Kloster Beuron, wie sie sich mit dem Smartphone zurechtfinden. (Foto: Anja Schuster)

Siegfried Studer ist 77 Jahre alt. Auf Tablet, Smartphone und Co. will er aber trotzdem nicht verzichten. Daher geht er regelmäßig in die Kurse von Gudrun Schickhaus. Sie unterrichtet seit 19 Jahren ältere Menschen an der Volkshochschule. Daher weiß sie: Für die Generation 65 plus sind die digitalen Medien oft ein „Tor zur Welt“.

„Ich habe das Smartphone erst ganz neu geschenkt bekommen. Alleine brauche ich viel zu lange, um mich damit zurechtzufinden. Man braucht einfach länger, wenn man älter ist“, sagt Bruder Siegfried Studer, der im Kloster Beuron lebt. Natürlich könnte er auch jemanden aus seinem Umfeld fragen, doch ihm ist es lieber, das in kleinem Rahmen zu tun, mit einer geschulten Pädagogin. „Sie kann sich auf mich einstellen und man braucht keine Angst davor haben, ausgelacht zu werden“, sagt Bruder Siegfried.

Ähnlich sieht das auch Margit Hirth, 71 Jahre, aus Kolbingen: „Das Smartphone ist ein neues Medium für mich, der Kurs hilft mir, mich in die Funktionen hineinzuversetzen.“ Dabei profitiere sie von dem „breiten Wissen“ von Gudrun Schickhaus, die „sich gut auf diese Zielgruppe einstellen kann“. Seit zehn Jahren besucht sie Kurse, in denen es sich um Google, E-Mail, Whats app und Windows dreht. „Man schämt sich nicht“, sagt Hirth.

„Ältere Menschen lernen anders“, sagt Schickhaus. Aufgrund ihrer Lebenserfahrung seien sie vorsichtiger und „klicken nicht einfach drauflos wie junge Leute“. Zudem müsse man ganz am Anfang anfangen. „Das geht mit dem Einschaltknopf los“, sagt Schickhaus, „und geht mit dem Begriff ,Klicken’ weiter“.

Sie findet es gut, wenn sich ältere Menschen für die digitale Welt interessieren. „Ganz oft höre ich den Satz ,Ach, hätte ich das schon früher gemacht’“. Doch bei vielen fehle die Einsicht zur Notwendigkeit, sich auch mit diesen Dingen zu beschäftigen. Doch gerade ältere Menschen, deren Partner vielleicht schon verstorben ist und deren Kinder weiter weg wohnen, könnten sich so vor Einsamkeit schützen und mit ihren Lieben in Kontakt bleiben. Daher sei auch Whatsapp in den Kursen immer sehr gefragt. „Mir tun ältere Menschen leid, die nicht bereit sind, mitzuhalten mit den sozialen Medien“, sagt Hirth.

Auch Spiele vielfach nachgefragt

Ansonsten sind Themen wie E-Mails, die Suche im Internet, Google Maps, Nachrichten aber auch Spiele vielfach nachgefragt in den Kursen. Auch profane Dinge wie der Wecker am Smartphone werden von Schickhaus erklärt. „Und wie bekomme eine App jetzt auf die Startseite“, fragt Bruder Siegfried, der durch die Teilnahme an den Kursen auch seinen Kopf up to date halten will. „Man muss aufpassen, dass der Geist nicht zu bequem wird.“

Dieser Meinung sind auch viele andere. In der Regel kommen Menschen ab 60 Jahren in ihre Kurse, erzählt Schickhaus. Der älteste Teilnehmer war 91 Jahre alt. Sie alle wollen lernen, was für die Jungen so selbstverständlich ist und denen es – so die Erfahrung von Schickhaus – daher auch oft schwerfällt, ihr Wissen weiterzugeben. „Das ist doch ganz einfach...“, „Das hab ich dir doch schon mal gezeigt...“, „Du musst einfach hier klicken, dann hier, hier und fertig...“, solche Sätze hat Schickhaus von ihren Kursteilnehmern schon häufig gehört. „Sie können sich nicht hineinversetzen, wie es sich für einen Anfänger anfühlt.“ Oft fehle die entsprechende Fachkenntnis. „Viele glauben, sie kennen sich mit Computern aus, aber das ist ein Trugschluss. Sie können ihn lediglich für ihre Zwecke benutzen.“

Alleine ist es schwieriger

Damit ihre Teilnehmer irgendwann sicher mit PC, Laptop und Handy umgehen könnten, rät Schickhaus, diese mindestens vier Stunden pro Woche zu nutzen. Weil: „So lange ich im Kurs etwas zeige, ist alles einfach, wenn man alleine vor dem Bildschirm sitzt, dann oft nicht mehr.“

Daher können alle ihre Teilnehmer sie auch außerhalb der Kurse anrufen, wenn sie eine Frage haben.

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