Schluss ist, wenn der Schiri pfeift. Nur nicht in der Halbzeit

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Schiedsrichter Guido Winkmann (Mitte) erklärt den Freiburger Spieler seinen kuriosen Elfmeterpfiff. Laut Verbandslehrwart Horst
Schiedsrichter Guido Winkmann (Mitte) erklärt den Freiburger Spieler seinen kuriosen Elfmeterpfiff. Laut Verbandslehrwart Horst Ebel war die Regelauslegung und die Entscheidung nach dem Halbzeitpfiff korrekt. (Foto: Arne Dedert/DPA)

Ein Spiel dauert 90 Minuten und Schluss ist, wenn der Schiri pfeift. Aber gilt das auch für die erste Hälfte? Seit dem Bundesliga-Spiel zwischen dem FSV Mainz 05 und dem SC Freiburg (2:0) diskutiert die Fußball-Öffentlichkeit, ob die Elfmeter-Entscheidung vor dem 1:0 korrekt war. „Regeltechnisch ist das in Ordnung“, sagt Horst Ebel, Verbandslehrwart des Württembergischen Fußballverbandes aus Tuttlingen.

Was war passiert? Eine Flanke des Mainzer Rechtsverteidigers Daniel Brosinski landete am ausgestreckten Arm des Freiburgers Marc Oliver Kempf. Schiedsrichter Guido Winkmann ließ weiterspielen und beendete kurz danach mit einem Pfiff die erste Halbzeit. Erst auf Hinweis der Videoassistentin Bibiana Steinhaus entschied er auf Handelfmeter und holte die Akteure Minuten später zur Ausführung aus der Kabine auf den Rasen zurück. „Das ist eine Frechheit“, wettert Andreas Probst, Trainer von Bezirksliga-Spitzenreiter VfL Mühlheim.

Probst: Nachträglicher Videobeweis macht Sport kaputt

Wobei er zunächst einmal anzweifelt, dass es ein absichtliches Handspiel von Kempf gewesen ist. „Wo soll er denn mit der Hand hin? Er kann sich die ja nicht an der Hüfte festklemmen“, sagt Probst, der keine aktive Bewegung des Freiburgers zum Ball gesehen hat. Außerdem sei Brosinskis halbhohe Hereingabe kein Torschuss gewesen. Schiedsrichter Winkmann habe, indem er weiterlaufen ließ, aus Sicht des Mühlheimer Trainers richtig entschieden.

Deutlicher wird Probst, als es um die Elfmeter-Entscheidung geht. Dass es lange Minuten gedauert habe, ehe Winkmann auf den Punkt zeigte, „geht mal gar nicht. Das macht den Sport kaputt“, sagt Probst. „Die Aktion war beendet, und dann gibt es den Halbzeitpfiff. Dann muss man aber auch nicht Minuten später, weil man meint, da könnte etwas gewesen sein, noch die Szene vor- und zurückspulen“, sagt er. Ein Plädoyer für die Tatsachenentscheidung.

Halbzeit gehört zum Spiel, ist nur eine Unterbrechung

Auch Markus Kiekbusch, Vorsitzender des Fußballbezirks Schwarzwald, gibt zu, kein Freund von nachträglichen Entscheidungen durch den Videobeweis zu sein. Die Entscheidung von Winkmann sei regeltechnisch aber richtig. „Das nach außen zu vertreten, ist aber ein schwieriger Schritt. Er pfeift zur Halbzeit, wird nach seiner Entscheidung eines Besseren belehrt und gibt dann Elfmeter. Darstellen kann man das nicht“, sagt Kiekbusch. Besser sei es gewesen, sofort auf Elfmeter zu entscheiden. Letztlich könne eine Entscheidung aber auch nach dem Halbzeitpfiff getroffen werden. „Die Halbzeit gehört zum Spiel. Das Spiel ist dann nicht beendet“, sagt er.

„Der Halbzeitpfiff ist nur eine Unterbrechung“, stellt Ebel klar und gibt ein Beispiel: Ein Unparteiischer könne, wenn er die erste Hälfte zehn Minuten zu früh abgepfiffen habe, die Spieler wieder auf den Platz zurückholen. „Dann lässt er die zehn Minuten in die gleiche Richtung spielen und pfeift dann noch einmal zur Halbzeit.“ Somit sei es in Ordnung gewesen, dass Winkmann nach dem Hinweis des Videoassistenten auf Strafstoß entschied und diesen ausführen ließ.

Aus Sicht von Ebel war es fast vorherzusehen, dass es zu so einem kuriosen Fall kommen würde. „Das ist unglücklich gelaufen“, meint der Verbandslehrwart. Aber Fälle von nachträglichen Korrekturen durch den Videobeweis müsse man dem Profi-Fußball nun einmal zubilligen. Weil viele Vereine aufgeschrien hätten, dass sie nicht mit den Fehlentscheidungen des Schiedsrichters leben wollten, sei die vorher maßgebliche Tatsachenentscheidung des Unparteiischen aufgeweicht und für mehr Gerechtigkeit der Videobeweis eingeführt worden, sagt Ebel. Dadurch würden krasse Fehlentscheidungen überprüft und korrigiert. „Wenn man den Videobeweis nach der Saison überprüft, wird man feststellen, dass mehrere Fehlentscheidungen korrigiert werden. 100 Prozent richtige Entscheidungen werden wir nie erreichen.“

Ein Szenario, dass ein Finale bereits abgepfiffen ist und die jubelnden Spieler zur Fortsetzung zurück auf den Rasen geholt werden, wird es laut Ebel nicht geben. „Wenn das Spiel abgepfiffen ist, ist es auch zu Ende“, erläutert der Lehrwart. Schluss ist also, wenn der Schiri pfeift. Aber eben nicht in der Halbzeit eines Spieles.

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