Schüler lernen, Bedrohungen zu erkennen

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In zweier-Teams üben die Kinder der zweiten Klasse, sich ohne Gewalt zu wehren
In zweier-Teams üben die Kinder der zweiten Klasse, sich ohne Gewalt zu wehren (Foto: Christina Schnell)
Schwäbische Zeitung
Christina Schnell

An drei Tagen dieser Woche findet an der Wilhelmschule ein besonderes Training für die Grundschüler statt. Ein Expertenteam der „Sicher-Stark“-Initiative schult die etwa 180 Kinder der Klassen 1 bis 4 an diesen Tagen.

„Der Fokus der Veranstaltung liegt vor allem darauf, Kinder zu sensibilisieren und ihnen beizubringen, wie sie sich selbst vor verschiedensten Gefahren schützen können“, sagt Ralf Schmitz, Experte für Gewaltprävention.

Kinder sollen sicher und stark aufwachsen – das ist das Ziel der sozialen Initiative „Sicher-Stark“. Um gefährliche Situationen auch im Alltag zu erkennen sei es daher wichtig, Kinder auf potentielle Gefahren hinzuweisen und sie darauf vorzubereiten, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen, so Schmitz. Dazu gehöre vor allem, dass Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt werden.

Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler mit den Spielregeln und Inhalten des Schnupperkurses durch Plakate vertraut gemacht haben, lernen sie in einem Lehrvideo kennen, wie potentielle Gefahrensituationen aussehen können und wie sie damit umgehen sollten. Doch da vor allem Praxisnähe einen hohen Lernerfolg bringt, sind Rollenspiele ein wichtiger Bestandteil der „Sicher-Stark“-Tage. Bei nachgestellten Situationen, auf die die Kinder vorab nicht näher vorbereitet sind, versuchen „Täter“, einige Schüler zu „entführen“.

„Es ist wichtig, dass unsere Experten, die die Täter darstellen, pädagogisch und polizeilich gut ausgebildet sind“, erklärt Ralf Schmitz. „Man muss genau wissen, wie weit man gehen kann, ansonsten könnte es beim Nachstellen dieser Situationen zu Traumata führen, anstatt den Kindern ein Lernerlebnis zu geben“, sagt er.

Während zwei bis drei Kinder im Rollenspiel involviert sind, beobachten die anderen Schüler die Situationen genau. Danach berichten die Kinder, welche Gefahren sie in den jeweiligen Situationen erkennen konnten. Ralf Schmitz und sein Kollege Wolfgang Overkamp weisen die Kinder auf alle möglichen Bedrohungen der Situationen hin.

Daraufhin lernen die Kinder, auf welche Weisen sie sich wehren können. Bei den Rollenspielen können die Jungen und Mädchen nicht nur selbst entdecken, wie Bedrohungen aussehen können. Sie erfahren auch, wie man sich in Gefahrensituationen fühlt, und wie sie sich selbst im bedrohlichen Ernstfall wehren können.

Doch nicht nur die Gefahren durch Fremde werden angesprochen. Die Kinder haben ebenfalls die Möglichkeit, das richtige Verhalten bei Mobbing und Gefahrensituationen in der Schule und auf Spielplätzen zu trainieren.

Situationen, die die beiden Experten zunächst vorführen, stellen die Kinder in Paaren nach und üben so den Umgang mit möglichen Gewalttätern. Das genaue Besprechen der angewandten Maßnahmen zeigt den Schülern, welches Verhalten in welcher Situation angemessen ist.

Bei spielerischen Techniken wie einem Schreitraining sind die Kinder mit großer Freude dabei. „Ich mag, dass wir so viel selbst ausprobieren dürfen“, sagt eine Schülerin. Der Spaß am Lernen steht trotz des ernsten Themas an diesen Tagen im Vordergrund.

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