Rock-Legenden bringen Hauch von Woodstock mit

Lesedauer: 4 Min
Die Musikerlegenden Steve Earle (links) und Graham Nash konnten auf dem Honberg das Publikum für sich gewinnen.
Die Musikerlegenden Steve Earle (links) und Graham Nash konnten auf dem Honberg das Publikum für sich gewinnen. (Foto: Fotos: V.Gerards/ S. Schwörer)
Manuel Schust

Freunde handgemachter Musik haben auf dem Honberg-Sommer-Festival am Sonntagabend ein ganz besonderes Highlight bestaunt. Mit Graham Nash und Steve Earle spielten zwei echte Legenden in der Tuttlinger Burgruine, die mit einer Mischung aus neuen Songs und Klassikern das Publikum schnell für sich gewinnen konnten.

Bereits um 19 Uhr betreten zunächst Steve Earle und seine Band „The Dukes“ die Bühne. Der 63-jährige Amerikaner und seine Mitstreiter lassen bei den Zuschauern im Festzelt schnell ein echtes Nashville-Gefühl aufkommen. Wer die Augen schließt, wähnt sich in der berühmten „Music City“ in den USA und spürt den Geist der Countrymusik auflodern. Doch Earle und seine Band lassen mit zwei Gitarren, Schlagzeug, Bass und Geige mühelos auch andere Stile in ihren Songs hervorscheinen. Unüberhörbar lassen sich auch Spuren aus Rock- und Folkmusik finden.

Nachdem Earle zunächst einige Songs von seinem jüngsten Album „So You Wanna Be An Outlaw“ präsentiert, folgen im weiteren Verlauf des Abends auch Klassiker wie „Copperhead Road“ oder „Johnny Come Lately“ aus seiner erfolgreichsten Zeit Ende der 1980er-Jahre. Nach Millionen verkaufter Tonträger folgte für Earle Anfang der 1990er der Karriereknick durch seine schwere Alkohol- und Heroinsucht. Doch dem, für sein soziales und politisches Engagement bekannten, Sänger, Songwriter, Autor und Schauspieler gelingt das Comeback: 2005 erhält er in der Kategorie „Bestes Folk-Album“ eine Grammy-Auszeichnung.

Wie in Woodstock

Das Publikum im Festzelt quittiert den Auftritt des großen Songwriters mit tosendem Applaus, und es wird das ganze Set durchgehend rhythmisch mitgeklatscht. Seinen Auftritt beendet Earle mit dem Jimi Hendrix-Cover „Hey Joe“. Alleine die Erwähung des Namens Woodstock genügt, um vor dem inneren Auge einen Film abspielen zu lassen. Das im August 1969 veranstaltete Festival steht für einen heftigen kulturellen Bruch und den Höhepunkt der US-Hippiebewegung. Als Mittzwanziger ist Graham Nash auf dem Kult-Festival mit seiner Supergruppe „Crosby, Stills and Nash“ aufgetreten. Schon seit den späten 1960er-Jahren feiert er weltweit erfolgreiche Hits.

Seinen Auftritt in Tuttlingen eröffnet Nash gleich zu Beginn mit den zeitlosen Evergreens „Busstop“, „Marrakesh“ und „I Used To Be A King“.

Dem aus dem Publikum gerufenen „You are terrific“ kann man sich vorbehaltslos anschließen. Auch mit 76 Jahren klingt Nashs helle, leicht rauschende Stimme unvergleichlich gut. Das Lob gibt er indes an den Soundmaster Kevin weiter und verkündet augenzwinkernd, dass eigentlich das Playback laufe. Über den gesamten Abend wird frenetisch mitgeklatscht und mitgesungen. Der eigentlich aus dem englischen Blackpool stammende Nash, der seit einigen Jahren US-Staatsbürger ist, wirkt noch immer so fit und tatkräftig wie ein 30-jähriger Mann. Für die Älteren im Publikum gleicht der Auftritt einer Zeitreise. Und einige jüngere Zuhörer bekommen ein Gespür dafür, wie es wohl damals in Woodstock gewesen sein muss.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen