Polizei, Stadt und Vereine weisen Rocker zurück

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Das Clublokal der Red Devils, kaum zu übersehen, in der Tuttlinger Donaustraße.
Das Clublokal der Red Devils, kaum zu übersehen, in der Tuttlinger Donaustraße. (Foto: Dorothea Hecht)

Polizei, Stadt und Landkreis, aber auch Opfer- und Frauenhilfsorganisationen reagieren auf den Aufruf der Red Devils mit Unverständnis. Die Tuttlinger Rockergruppe hatte am Montag per Facebook angekündigt, verstärkt in Tuttlingen unterwegs zu sein, um Belästigungen von Frauen zu verhindern. Das trage weder zum Frieden bei noch sei solcher Schutz nötig, heißt es nun von mehreren Seiten.

Es handle sich nicht um ein gut gemeintes Angebot, stellt Markus Walter, Leiter der Polizeidirektion Tuttlingen, klar. „Diese Gruppe nutzt die Situation aus, um sich in ein positives Licht zu rücken.“ Die Aufforderung, sich an die Rocker zu wenden, und deren Präsenz in der Stadt trage „negativ zum subjektiven Sicherheitsgefühl“ bei, so Walter. „Wir werden konsequent Platzverweise verteilen, sollte es dazu kommen.“ Die Polizei habe der Gruppe das auch schon angekündigt. Platzverweise seien dann möglich, wenn die Rocker „Sicherheit und Ordnung“ stören.

Keine Häufung

Eine Häufung von Straftaten von Flüchtlingen gebe es nicht, sagt Walter. Vermehrte Belästigungen von Frauen seien nicht angezeigt worden. Auch Streifen, die seit den Kölner Ereignissen häufiger unterwegs seien, registrierten keinen Anstieg.

Nach Informationen der Polizei hat es in den vergangenen sechs Monaten nur eine Anzeige wegen sexueller Belästigung durch Flüchtlinge in Tuttlingen gegeben. Die stammt vom September 2015. Eine Schülerin wurde auf dem Schulweg von einem Schwarzafrikaner angesprochen, der sie auch berühren wollte. Der Täter konnte bislang nicht ermittelt werden.

Auf Facebook werden zahlreiche solcher Geschichten verbreitet. Nur die wenigsten entsprächen aber der Wahrheit, weiß Walter: „Gerüchten gehen wir nach, aber bisher haben die sich meistens als Gerüchte erwiesen.“ Für ihn ist klar: „Es gibt keinen Grund zur Sorge in Tuttlingen.“ Sollte sich eine Frau belästigt fühlen, „soll sie sich an die Polizei wenden“, bittet Walter. Nur wenn sie informiert werde, könne die Polizei der Sache nachgehen.

Weißer Ring: Nur subjektiv

Das rät auch Wolfgang Schoch vom Opferhilfeverein Weißer Ring. „Das subjektive Angstgefühl ist nach den Ereignissen in Köln tatsächlich höher“, weiß er. Objektiv gesehen passiere im Kreis Tuttlingen aber nicht mehr als bisher. Vermehrte Hilfsanfragen erreichten ihn nicht. „Die Red Devils springen auf einen Zug auf, den es gar nicht gibt“, meint er.

Auch beim Frauenhaus in Tuttlingen klingelt das Telefon nicht öfter als sonst. Mitarbeiterin Juliane Schmieder ist überrascht davon, wie viele Leute dem Angebot der Rocker positiv gegenüber stehen. „In dieser Form schlägt das bei uns definitv nicht auf.“ Dass Frauen von den größeren Gruppen von Männern, die im Stadtbild zu sehen sind, verunsichert sind, kann sie jedoch nachvollziehen. Sie rät dazu, „entschieden aufzutreten und laut nein zu sagen“, sollten Frauen angesprochen werden.

Viele Mitglieder der Red Devils sind laut Polizei in der Vergangenheit durch Ordnungswidrigkeiten aufgefallen, zum Teil verurteilt worden. Gemeinsam mit der Stadt Tuttlingen will die Polizei weiter konsequent gegen Rocker vorgehen und „alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, die wir haben“, so Walter.

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