Pfarrer Jens Junginger verlässt Tuttlingen

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Jens Junginger wirs im August die Pfarrstelle in der Stadtkirche verlassen.
Jens Junginger wirs im August die Pfarrstelle in der Stadtkirche verlassen. (Foto: Sebastian Heilemann:)

Dieser Schritt kommt überraschend: Stadtkirchenpfarrer Jens Junginger verlässt Tuttlingen. Wie er unserer Zeitung mitteilte, wird er voraussichtlich Mitte August nach Sindelfingen wechseln. Dort übernimmt er die Stelle des geschäftsführenden Pfarrers an der Martins- und Gesamtkirchengemeinde.

Seit Ende April steht die Entscheidung fest, Junginger hielt öffentlich aber noch hinterm Berg – wohl auch angesichts der Diskussionen um den Pfarrplan in der evangelischen Kirche. Ab dem Jahr 2024 muss Tuttlingen 1,25 Pfarrstellen einsparen. Das sei aber nicht der Grund für seinen Weggang, sagt Junginger. Vielmehr habe er schon länger seine berufliche Zukunft sondiert. „In Anbetracht der Berufsjahre, die ich noch vor mir habe, habe ich eine neue Herausforderung gesucht“, so Junginger.

Der 58-Jährige hat noch acht Jahre im Kirchendienst vor sich. „Viel mehr Zeit hätte ich mir mit einem Wechsel auch nicht mehr lassen können“, meint er. Die verbleibenden Jahre bis zum Ruhestand darf er sich nun um eine Gesamtkirchengemeinde kümmern – was mehr Verantwortung bedeutet als seine bisherige Tätigkeit als geschäftsführender Pfarrer in der Stadtkirche. „Ich freue mich darauf, meine Erfahrungen in einer größeren Einheit zum Tragen zu bringen“, sagt er.

Engagement für Flüchtlingsarbeit

Wobei: Langweilig war Junginger in Tuttlingen bisher sicher nicht. Er betreut neben der Stadtkirche auch die Diakonie, die vier evangelischen Kindergärten und die Pressearbeit der Kirche. Zudem engagiert er sich im Integrationsbeirat, im Arbeitskreis Fairtrade und im Leitungskreis der Ini Asyl, die sich für Flüchtlinge einsetzt. Gerade die Flüchtlingsarbeit hat Junginger in den vergangenen drei Jahren ganz oben auf seine Prioritätenliste gesetzt, auch wenn das oft Streit mit Behörden bedeutete. Ein Flüchtling bekam sogar Kirchenasyl. Für ihr Engagement erhielt die Ini Asyl im April 2015 den Sozialpreis der Stadt Tuttlingen.

Das Netzwerk und all die persönlichen und beruflichen Kontakte jetzt zurückzulassen, sei schmerzhaft, sagt Junginger. „Aber dass das hier weitergeht, davon gehe ich aus.“

Zumindest für die Stadtkirche bestätigt das Dekan Sebastian Berghaus: Philine Blum, bisher zweite Pfarrerin an der Stadtkirche, wird Jungingers Posten übernehmen. Allerdings wird es dann nur mehr diese eine Stelle an der Stadtkirche geben. Die andere hätte ohnehin bereits eingespart werden müssen.

Ämter werden verteilt

Der Wechsel wird sicherlich nicht einfach, das weiß auch Berghaus: „Jens Junginger hat der Kirchengemeinde ein großartiges Profil mitgegeben“, sagt der Dekan. Dennoch ist er überzeugt: „Frau Blum hat in der Gemeinde ein hohes Ansehen und wird sehr ernst genommen. Ich bin mir sicher, dass es inhaltlich eine schöne Kontinuität geben wird.“ Die anderen Ämter von Junginger würden auf die anderen Köpfe in der Gesamtkirchengemeinde verteilt, sagt Berghaus. Persönlich könne er den Schritt von Junginger nachvollziehen. „Wir sind schon eine Weile im Gespräch. Ich wusste, dass er den Wunsch hat, mehr Verantwortung zu übernehmen.“

Junginger geht gemeinsam mit seiner Frau, Heidi Hafner, die ebenfalls Pfarrerin ist, nach Sindelfingen. Sie unterrichtet derzeit Religion an den beruflichen Schulen und ist ebenfalls in der Ini Asyl aktiv. Sie werde einen neuen Dienstauftrag von der Kirche erhalten, sagt Junginger. Der Zuschnitt sei noch offen.

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