Peter Öhler erringt Freispruch vor Gericht

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 Ringer auf der Anklagebank: Peter Öhler musste sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Tuttlingen wegen des Vorwurfs verantworten,
Ringer auf der Anklagebank: Peter Öhler musste sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Tuttlingen wegen des Vorwurfs verantworten, gegen das Anti-Doping-Gesetzt verstoßen zu haben. Der Athlet wurde freigesprochen. (Foto: Regio TV)

Der Ringer Peter Öhler ist am Dienstag vor dem Amtsgericht Tuttlingen freigesprochen worden. Dem ehemaligen Athleten des ASV Nendingen war vorgeworfen worden, 2016 vor einem internationalen Wettkampf in Dänemark gegen das Anti-Doping-Gesetz verstoßen zu haben. Die Vorsitzende, Richterin Larissa Terlecki, sah allerdings keine Beweise dafür, dass sich Öhler tatsächlich des sogenannten Selbstdopings strafbar gemacht hatte.

Um 12.46 Uhr am Dienstag brandet im großen Sitzungssaal des Amtsgerichts Tuttlingen Jubel unter den Prozessbeobachtern auf, unter denen sich zahlreiche Ringer, Sympathisanten und Funktionäre des ASV Nendingen befinden. Freispruch für Peter Öhler, die „Maschine aus Mühlenbach“, der deutsche Halbschwergewichts-Spezialist, der mit Nendingen dreimal deutscher Mannschaftsmeister wurde. Richterin Terlecki quittierte den Siegesjubel von Öhlers Anhängerschaft scharf: „Was glauben Sie eigentlich, wo Sie hier sind – im Fernsehen?“

Keine Beweise, dünne Indizien

In der Urteilsbegründung führte die Vorsitzende aus, dass im Prozess der Nachweis nicht gelungen sei, ob der Angeklagte mehr als die von der NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur) erlaubte Menge an 100 Millilitern Infusion zu sich genommen habe oder nicht. Vielmehr sei überhaupt nicht zu belegen gewesen, dass der Angeklagte auch tatsächlich Infusionen bekommen habe.

Dafür sprächen einerseits zwar Indizien, wie beispielsweise Chatverläufe („Die Infusion pusht mich so was von auf!“ oder „Hast du Zeit, mir eine Powermischung zu verabreichen. Gruß Peter“) bei Whatsapp, die aber seien andererseits nicht ausreichend und eindeutig genug, um darauf eine Verurteilung des Angeklagten zu gründen, erklärte die Vorsitzende. Zuletzt sei die Frage nach dem Sinn der Infusion bei Peter Öhler fraglich gewesen, da dieser als Ringer in seiner Gewichtsklasse von 98 kg kein Gewicht habe abkochen müssen, um seine Gewichtsklasse zu halten.

Das bestätigte auch Ringer-Weltmeister Frank Stäbler im Zeugenstand, der mit Peter Öhler nach eigenen Aussagen seit der gemeinsamen Jugend und Zeit im nationalen Ringerkader ein freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis pflegt. „Peter Öhler hat nie abkochen müssen, er war für seine Gewichtsklasse sogar eher zu schmächtig“, bestätigte Zeuge und Ringerkollege Frank Stäbler. Eine Infusion mache wenn überhaupt nur nach dem Wiegen Sinn, da auf der Waage jedes Gramm zähle, so Stäbler. Das sogenannte „Abkochen“ oder „Gewichtmachen“ wird von Kampfsportlern praktiziert, um das Kampfgewicht kurz vor Wettkämpfen zu reduzieren, um so ihre Gewichtsklasse zu halten. Dabei wird tagelang gehungert und gedurstet, bis es auf die Waage vor dem Kampf geht. Durch Infusionen soll der Flüssigkeitsverlust im Körper des Sportlers schnell ausgeglichen werden.

Verteidiger: „Nur Spekulationen“

Die Staatsanwaltschaft Freiburg als Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung von Dopingstraftaten hatte es als erwiesen angesehen, dass der Profisportler 2016 eine Infusion von mindestens 100 Milliliter Flüssigkeit zu sich genommen hatte. Zum damaligen Zeitpunkt waren nach Ordnungsnummer 2 des internationalen Übereinkommens gegen Doping Infusionen von mehr als 50 Milliliter innerhalb eines Zeitraums von sechs Stunden verboten.

Staatsanwalt Stefan Fuchs hatte eine Geldstrafe von 600 Euro gefordert. Er sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte die Infusion entgegen der geltenden Statuten der NADA genommen habe – zum Zweck der Regeneration vor dem Wettkampf in Dänemark. „Wir haben zwar keine Zeugen oder Kameras dabei gehabt“, sagte Fuchs, allerdings könne man auf eindeutige Indizien zurückgreifen.

Das sah Öhlers Verteidiger Ferdinand Gillmeister aus Freiburg jedoch komplett anders. „Es gibt hier nur viele Spekulationen, aber bewiesen ist hier nichts! Und die Indizien, die hier vorliegen, sind geradezu abenteuerlich!“ Er hatte einen Freispruch für seinen Mandanten gefordert.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Peter Öhler (Foto: archiv)
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