Ortssenioren finden kein Vorstandsteam

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 Mit Blumen bedankt sich Erster Bürgermeister Emil Buschle bei Waltraud Lange.
Mit Blumen bedankt sich Erster Bürgermeister Emil Buschle bei Waltraud Lange. (Foto: Simon Schneider)
Simon Schneider

Auf der Mitgliederversammlung des Ortsseniorenrats Tuttlingen hat sich am Mittwoch auch nach mehreren Aufforderungen und Versuchen niemand für die Ämter im Vorstand gefunden. Bis zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung innerhalb der nächsten vier Wochen soll aber ein neues Vorstandsteam gefunden werden.

Tuttlingens Erster Bürgermeister Emil Buschle bezeichnete die Ortssenioren als „großartige Einrichtung“, die „hervorragende Arbeit“ geleistet habe. Anhand der mittlerweile rund 300 Mitglieder zeige sich, wie gut die Arbeit der Verantwortlichen angenommen werde. Buschle sprach den demografischen Wandel und die Einsamkeit im Alter an. Die Betreuung der alten Menschen sei für die Stadt und den Gemeinderat wichtig.

Die weiteren Worte Buschles ließen erahnen, dass sich die Suche nach einem neuen Vorstand schwierig gestalten würde. Denn Buschle kündigte schon vor der Wahl seitens der Stadt Hilfe und Unterstützung an und sagte, er helfe auch persönlich bei der Suche. Buschle dankte der bisherigen Vorsitzenden Lange, die dieses Amt vier Jahre inne gehabt und zuvor schon als Stellvertreterin fungiert hatte. „Sie haben den Ortssenioren ein Stück weit ein Gesicht gegeben“, lobte er ihr Engagement und überreichte ihr ein Präsent.

„Ich muss mir das nicht antun“

Davon überzeugen, den Vorsitz weiterzuführen, konnte er Lange aber nicht. „Wir möchten die Senioren nicht im Stich lassen. Aber es ist im Hintergrund so viel Porzellan zerschlagen worden, dass ich für meinen Teil nicht mehr weitermachen möchte. Ich muss mir mit 70 Jahren nicht antun, dass ich mich in meiner Freizeit beleidigen lassen muss und dass ich kein Miteinander habe“, sprach sie auf der Versammlung Unstimmigkeiten mit ihren Vereinskollegen an und stellte unmissverständlich klar, dass sie keinen Kompromiss eingehen werde. „Ich habe meine Arbeit bei den Ortssenioren geliebt und jeder einzelne ist mir wichtig“, fügte Lange hinzu und überreichte ihren scheidenden Kollegen ein Präsent für ihr Engagement. Neben Lange legten auch der Kassierer und Stellvertreter Werner Feil, genauso wie Schriftführerin Renate Chwedczuk und die beiden Beisitzer Josef Reiser und Herbert Tiny ihr Amt nieder.

Der Vorsitzende des Kreisseniorenrats, Martin Stützler, lobte in seiner Ansprache den mitgliederstarken Ortsseniorenrat, dessen zahlreiche Aktivitäten sowie die Stadt: „Es gibt wenige Städte, die sich so um die Angelegenheiten der Senioren annehmen, wie die Stadt Tuttlingen.“ Ebenso sprach er Themen wie den Erhalt des Klinikstandorts Tuttlingen und Spaichingen an sowie die Wichtigkeit der Kurzzeitpflege.

Vergeblicher Appell

Mit Blick auf die Wahl des Vorstands appellierte er an die Senioren und nahm sie in die Pflicht – vergebens. Mehrere Minuten redete er, versuchte das Amt des Vorsitzenden den Anwesenden im Sankt Josef-Gemeindehaus schmackhaft zu machen. Das Ergebnis blieb das gleiche. Es fand sich niemand, der einen der freigewordenen Posten übernehmen wollte.

Somit werden die Ortssenioren nun intensiv auf die Suche gehen, um die Ämter des Vorsitzenden und des Stellvertreters sowie die Posten des Kassierers und des Schriftführers zu besetzen – und das möglichst schnell. Denn laut der Versammlung soll die dafür vorgesehene außerordentliche Mitgliederversammlung innerhalb der nächsten vier Wochen erfolgen.

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