Referent Jens Weidner.
Referent Jens Weidner. (Foto: hör)
Kornelia Hörburger

„Infotainment“ haben sich „Die Erfolgsmacher“ auf die Fahnen geschrieben. Bei Professor Dr. Jens Weidners Vortrag über den Zusammenhang zwischen Erfolg und Optimismus lag der Schwerpunkt am Donnerstag auf „Entertainment“.

Der Hamburger Professor für Kriminologie und Managercoach vermittelte sein Thema implizit in Form skurriler und heiterer Geschichten. „Ich habe mich heute Abend gegen die trockene wissenschaftliche Version meines Vortrags entschieden“, erklärte er eingangs. „Wenn Sie kein Problem mit schwarzem Humor haben, werden Sie einen unterhaltsamen Abend verbringen“.

Weidners Ansage trat ein. Ob er nun Einblicke in die dunklen Seiten seiner unglücklich agierenden kriminellen Klientel gab, ob er in harmlosem Plauderton vom heftigen Schlagabtausch mit den Professorenkollegen erzählte oder ob er mit seinem Faible für flotte Sportwagen und für lukrative Einkünfte kokettierte – er hatte die Lacher auf seiner Seite.

„Von insgesamt fünf Optimismus Typen fördern vier die Gemütlichkeit, aber nur einer ist ideal für die Karriere“, erklärte Weidner. Diesem, dem „Best-of-Optimist“, widmete er seinen Vortrag. Und dass der nicht zur Sorte „everybody’s darling“ zählt, wurde schnell klar.

„Best-of-Optimisten“ bewerten die Realität laut Weidner stets positiv – darüber hinaus zeichne sie ihr Glaube an den „Above-Average-Effekt“ aus: der Glaube, besser zu sein als alle anderen. Wie jener Bankräuber, der beim fünften Überfall schließlich erwischt worden war. Und die Frage nach dem „Warum haben Sie‘s denn gemacht“ mit einem: „Weil ich’s kann“ beantwortet hatte.

Hieraus folgt die nächste Maxime: „Am Erfolg habe ich Schuld, am Misserfolg die anderen.“ Als „positiven Selbstbetrug“ nimmt Weidner den „Above-Average-Effekt“ auch für sich in Anspruch. Beim Nachdenken über die eigenen Vorzüge kämen die meisten Menschen auf etwa acht Punkte. „Ich habe 33“, erklärte er. Ein solides Polster für Krisen. Etwa, als er nach dem gescheiterten Versuch, alles auf Kollegen abzuwälzen - beim Chef für gleich drei Fehler geradestehen musste: „Ich musste schon zerknirscht schauen. Aber ich sagte mir: Es steht immer noch drei zu 33. Und ich habe danach abends immer noch wie ein Bärchen geschlafen.“ Der Above-Average-Effekt mache ein dickes Fell. „Best-of-Optimisten hören sich Kritik an, aber sie kriegen keine Schlafstörungen davon.“ Und blieben schon allein deshalb gesünder, seien leistungsfähiger und lebten länger.

„Optimisten sind gut drauf, aber sie lassen sich auch nicht über den Tisch ziehen“, umriss Weidner die richtige Haltung, sobald Hindernisse auftauchen, etwa in Gestalt von „Unternehmensmuffeln“, die stets lamentierten und Entscheidungsschwäche durch Reflektiertsein überdeckten. Zur praktischen Anschauung mussten die Zuhörer ihren Sitznachbarn im Saal mit einer „Pessimismus-Übung“ durch „Aber…“-Einwände deren Lebensträume madig machen – um in einer darauffolgenden „Optimismus-Übung“ nach Gemeinsamkeiten zu suchen. „“Aber...“ führt in eine Sackgasse. Gemeinsamkeiten öffnen Türen“, erklärte Weidner. Doch um zum Ziel zu kommen, legitimiert Weidner durchaus auch weniger feine Methoden: „Ich google mein Gegenüber erstmal und wenn ich keine Gemeinsamkeiten finde, lüge ich.“

Wie „eine angezogene Handbremse“ wirke der in Deutschland weit verbreitete „sekundäre Optimismus. „Bei uns denkt man sehr lange nach, bevor man Entscheidungen trifft – doch dann werden sie mit langem Atem durchgezogen – dank des Above-Average-Effekts. Weidner warnte allerdings vor der „Innovationsfalle“: „Alles Neue riecht nach Ärger, weil es alte Traditionen zerstört“. Deshalb solle man Gegenwind dafür mit einkalkulieren.

Zudem sei Besitzstandwahrung als optimistisches Minimalziel in Deutschland weit verbreitet: „Kinder gesund, Ehe hält, Kohle rollt“ – und wirke sich als Euphoriebremse aus.

Kurz streifte Weidner noch weitere Optimisten-Typen. Als Zweck-Optimist würde er etwa, um Rückfall-Quoten statistisch zu senken, „Mutter-Mörder anfordern“: „Die tun das nie mehr.“ Und Weidner ging zudem noch auf die „hoffnungsvoll-naiven Optimisten ein“. Zu denen etwa jener Nachwuchsterrorist zählte, der seine nicht ausreichend frankierte Briefbombe wieder im eigenen Briefkasten fand – und öffnete.

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