Nendinger Finalträume platzen mit Verletzungen

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 Valentin Lupu stand gegen Javier Dumingo kurz vor einem Schultersieg, ehe er wegen einer Rippenprellung aufgeben musste.
Valentin Lupu stand gegen Javier Dumingo kurz vor einem Schultersieg, ehe er wegen einer Rippenprellung aufgeben musste. (Foto: hkb)
Manuel Schust

Der ASV Nendingen hat im Halbfinal-Hinkampf der Deutschen Ringerliga (DRL) eine enttäuschende 8:21-Niederlage gegen Germania Weingarten hinnehmen müssen. Nach einem Kampftag, an dem vor mehr als 600 Zuschauern in der Tuttlinger Mühlauhalle so ziemlich alles schief gegangen ist, rückt der Traum vom Finale in weite Ferne.

Noch unmittelbar vor dem Kampf verbreiteten die Verantwortlichen des ASV Nendingen Optimismus. Zwar musste man die Absagen von Siegringer Zurabi Kobiashvili und Gadzhimurad Omarov hinnehmen, brachte dafür aber nach längerer Abstinenz wieder den amtierenden Welt- und Europameister Zhan Belenyuk (87 kg, G) auf die Matte.

Gleich im ersten Kampf des Abends folgte der erste große Schockmoment. Lokalmatador Valentin Lupu (60 kg, G) begann stark gegen den favorisierten Kubaner Javier Dumenigo. Es wurde richtig laut in der Halle, als der Außenseiter den mehrfachen Panamerikameister nach nur einer Minute in eine bedrohliche Lage brachte. Der 36-Jährige war drauf und dran, Dumenigo per Schultersieg zu besiegen. Doch statt die Schultern des Kontrahenten auf die Matte zu drücken, stieß Lupu plötzlich einen Schrei aus, hielt sich seinen rechten Brustkorb und sackte nach Luft japsend zusammen. Eine schwere Rippenprellung, die sich Lupu bei einem Sturz zuvor zugezogen hatte, hinderte Nendingens Greco-Ringer daran, den möglichen Schultersieg klarzumachen. Statt eines überraschenden 4:0-Sieges stand so ein 0:4-Rückstand auf der Anzeigetafel.

Nachdem im folgenden Kampf der Schwergewichte Weingartens Etienne Wyrich kurz vor Ende des ersten Durchgangs in eine Werbebande krachte und nicht mehr weiterkämpfen konnte, verloren auch die Germanen einen Kampf verletzungsbedingt mit vier Punkten. Es folgte die Auseinandersetzung, die ASV-Geschäftsführer Markus Scheu vor dem Kampf als das Schlüssel-Duell bezeichnet hatte. Yowlys Bonne Rodriguez (63 kg, F) hatte bereits in der Hauptrunde schlecht gegen Weingartens U23-Europameister Abasgadzhi Magomedov ausgesehen – und fand auch diesmal keinen Zugriff auf den geschickt agierenden Russen. „Da waren ein paar Sachen dabei, die der Kampfrichter auch anders sehen hätte können“, ärgerte sich Scheu im Anschluss. „Aber damit müssen wir leben.“

Nach der Niederlage Bonnes war die Stimmung auf den Rängen der Mühlauhalle endgültig getrübt. Die weiteren Niederlagen von Oleksandr Shyshman (97 kg, G) und Serghei Baumann (67 kg, G) ließen den Rückstand weiter anwachsen. Mit der zweiten Kampfhälfte sollte eigentlich die große Aufholjagd gestartet werden. Doch ausgerechnet Nendingens Siegringer Yabrail Hasanov (87 kg, F) kassierte in seinem zwölften Kampf in der DRL die erste Niederlage. Die folgenden Siege von Zhan Belenyuk (87 kg, G) und Daniel Cataraga (77 kg, G) fielen zu knapp aus, um den Rückstand noch einigermaßen erträglich zu gestalten. Die vier Punkte, die Nendingen dank der Siege gutmachte, wurden durch die Niederlage von Evgheni Nedealco (77 kg, F) egalisiert. Der erst am Vortag von Nendingen gemeldete Rückkehrer kugelte sich nach knapp dreieinhalb Minuten Kampfzeit den Ellbogen aus und musste verletzungsbedingt aufgeben. Unter großen Schmerzen wurde Nedealco unmittelbar nach dem Kampf ins Krankenhaus gebracht. Damit endete ein völlig verkorkster Kampfabend so wie er begonnen hatte: mit einem verletzten ASV-Ringer.

„Wir haben Pech gehabt, dass sich zwei unserer Ringer, die richtig gut drauf waren, verletzt haben. Wenn Lupu den Überraschungssieg zum Auftakt holt, ist auch eine ganz andere Stimmung in der Halle“, haderte Markus Scheu mit dem Verletzungspech seiner Athleten. „Uns hat außerdem wehgetan, dass unsere Sieggaranten nur knapp gewonnen oder mit Hasanov sogar verloren haben. Es ist wirklich ärgerlich, vor heimischem Publikum so hoch zu verlieren.“

Im Rückkampf will der ASV am Samstag noch einmal alles geben. Doch um den 13-Punkte-Rückstand bei den heimstarken Ringern aus Weingarten aufholen zu können, müssen die Nendinger schon auf ein mittelgroßes Ringerwunder hoffen.

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