Nendingen wird zum Fasnet-Mekka

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Auch Nendingens Narrenfiguren werden beim Umzug zu sehen sein.
Auch Nendingens Narrenfiguren werden beim Umzug zu sehen sein. (Foto: Fotos: Wu)
Schwäbische Zeitung

Rund 4000 Narren aus 32 Zünften werden am Sonntag, 9. Februar, beim Umzug im Rahmen des 51. Ringtreffens des Narrenfreundschaftsrings Schwarzwald-Baar-Heuberg in Nendingen erwartet. Beim Umzug werden sie begleitet von 23 Musikkapellen und Guggenmusiken. Die Zuschauer entlang der närrisch geschmückten Straßen des Stadtteils dürfen sich auf einen farbenfrohen Umzug freuen. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Wolfgang Wuchner berichtet Zunftmeister Stefan Lehrmayer, was am Wochenende zu erwarten ist.

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren finden der Umzug und zwei Brauchtumsabende wieder an einem Ort – nämlich in Nendingen – statt. Was war der Grund zur Aufteilung und zur Rückkehr an einen Veranstaltungsort?

2015 und in den folgenden Jahre ließ sich keine Narrenzunft finden, die das komplette Treffen ausrichten wollte. Wir haben uns für das gesamte Ringtreffen entschieden und wollen es erfolgreich ausrichten. Am Freitag und am Samstag gibt es jeweils um 19.30 Uhr im Festzelt einen Brauchtumsabend.

Was dürfen die Gäste bei diesen beiden Veranstaltungen erwarten? Was ist am Freitag und am Samstag geboten?

Am Freitag stellen sich die Zünfte des Narrenrings vor und erläutern unterhaltsam Brauchtum und Narrenhäs. Anschließend spielt die in Nendingen bekannte Band Prof. Alban & die Heimleuchter. Am Samstagabend stellen sich dann weitere Gastzünfte vor. Auch hier gibt es musikalische Unterhaltung durch verschiedene Guggenmusiken, bis dann um 23 Uhr eine Partynacht mit DJ und Entertainer Matze Ihring beginnt. Von Nicht-Hästrägern werden fünf Euro als Eintritt erhoben.

Am Sonntag, 9. Februar, beginnt das närrische Geschehen um 9 Uhr mit einer Narrenmesse in der katholischen Kirche St. Petrus und Jakobus. Dann folgt um 10 Uhr im Festzelt der Zunftmeisterempfang für geladene Gäste, bei dem die Schirmherren der Veranstaltung, Oberbürgermeister Michael Beck und Ortsvorsteher Franz Schilling sowie der Präsident des Narrenrings, Kurt Szofer, Justizminister Guido Wolf und Landrat Stefan Bär dabei sein werden. Danach beginnt um 13.30 Uhr der traditionelle Ringumzug des 51.Ringtreffens.

Wo wird die Umzugsstrecke verlaufen?

Die Umzugsteilnehmer stellen sich im Bereich der Altental-, Jakob-, Gerold-, und Antoniustraße auf. Der Umzug beginnt beim früheren Gasthaus Anker in der Mühlheimer Straße, Einmündung Halldorfer Straße. Er zieht, angeführt von der Narrenzunft Nendingen, auf der Ortsdurchfahrt bis zur Einmündung Donautalstraße beim Gasthaus Adler entlang. Etwas später biegt er auf die Kirchstraße ein, zieht bis zur Pfarrkirche und von dort zur Schule. Dann kommt die letzte Etappe, die auf dem Abschnitt „Am Sträßle“ zum Festzelt führt. Entlang der Aufstellungs- und Umzugsstrecke sind 30 Besenwirtschaften eingerichtet, an denen Gäste und Zuschauer bewirtet werden. Das Festzelt ist für alle, ob Narren oder Zuschauer, geöffnet. Ein Eintritt wird am Sonntag nicht erhoben.

Auf was müssen sich die Verkehrsteilnehmer am Sonntag einstellen?

Die Verkehrsteilnehmer müssen sich am Sonntag darauf einrichten, dass die L 277 Ortsdurchfahrt Nendingen aus beiden Richtungen für den Verkehr von 11.30 bis 18 Uhr vollständig gesperrt ist. Die Umleitung für den überörtlichen Verkehr erfolgt über Neuhausen und ab Bergsteig. Die Busse der Zünfte parken im Industriegebiet. Die Autos aus Richtung Tuttlingen werden bis 11.30 Uhr in Parkbereiche, zum Beispiel Fronhof und Bahnhof, sowie auf den Parkplatz Donau-Hallen geleitet. Jene, die aus dem Donautal kommen, parken in westlichen Bereichen.

Ein Blick zurück: 50 Jahre Narrenzunft Nendingen

Die Narrenzunft Nendingen feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass richtet sie das dreitägige Ringtreffen des Narrenfreundschaftsrings Schwarzwald-Baar-Heuberg aus. Ein Blick auf die vergangenen fünf Jahrzehnte:

Gründung

Gegründet wurde die Zunft 1970. Sie hat sich der Pflege und Wahrung des örtlichen Brauchtums verschrieben. Nagelschmiede, Narrenmarkt und Strohbär sind die grundlegenden Elemente der Zunft. Hinzu kommen die Narrenfiguren Hansele, Grasweible und seit 2001 die Einzelfigur „Schoregoast“.

Hauptaufgabe ist es, den Stellenwert der für Nendingen typischen Straßenfasnet zu erhalten. Der Zunftrat symbolisiert einen alten Handwerksberuf: den Nagelschmied. Diesen gab es im Ort vielfach. Der traditionelle Festwagen mit Amboss und Esse fehlt bei keinem Umzug der Nendinger Ortsfasnet. Brauchtums-Zeugen für die Narretei in Nendingen sind der Strohbär, im Heimatarchiv erwähnt 1800, der Narrenmarkt, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und das historisch ebenfalls belegte Fasnet-Theater in den närrischen Tagen jener Zeit.

1969 wurde zunächst ein Elferrat gebildet und 1970 die Narrenzunft als Verein gegründet. Schon ein Jahr später hatten die Nendinger dank Arnold Huber und Hubert Schilling einen eigenen Narrenmarsch. Zwei Jahre nach der Gründung gab es bereits 34 Hansele.

Am 11.11.1977 wurde von der Gemeinde der ehemalige Dreschschuppen am Ortseingang Richtung Tuttlingen gekauft. Durch Eigenleistungen wurden Lager, Werkstatt und eine Zunftstube eingerichtet. 1984 erfolgte die Einweihung des ehemaligen Schuppens und war fortan die Heimat der Narrenzunft.

1980 wurde die Schar der Hästräger durch das Grasweible ergänzt. 1987 erfolgte die Aufnahme in den Narrenfreundschaftsring Schwarzwald-Baar-Heuberg. Dies wurde im Jahr darauf durch ein Narrentreffen mit den befreundeten Zünften gefeiert.

Auch außerhalb der närrischen Tage trat und tritt die Narrenzunft seit 1976 regelmäßig in die Öffentlichkeit. In Abständen von vier Jahren wird gemeinsam mit der Musikkapelle ein vielbeachtetes Wasserfest an der Donau veranstaltet.

Neuer Narrenschopf

2012 brannte der Dreschschuppen völlig ab. Die Zunfträte und Mitglieder packten ein weiteres Mal tatkräftig zu und bauten in Eigenregie neben den Donau-Hallen einen neuen Narrenschopf. Dieser wurde 2015 eingeweiht. Im gleichen Jahr wurde der 46. Ringumzug des Narrenfreundschaftsrings ausgerichtet. Heute hat die Narrenzunft 641 Vereinsmitglieder. Die Zahl der Hästräger ist in den fünf Jahrzehnten ständig angestiegen. Die Grasweible haben die Zahl der Hansele im Laufe der Jahre überholt. Aktuell gibt es 231 Hansele und 373 Grasweible.

Die Zunftmeister

In diesen 50 Jahren leiteten mehrere Zunftmeister die Geschicke der Narrenzunft. Dies waren: Gründungs-Zunftmeister Günter Schwarz (1970 bis 1974 und von 1981 bis 1982), Karl Schwarz, der die längste Amtsdauer von insgesamt 16 Jahren hatte (1975 bis 1980 und 1987 bis 1996). Weitere Zunftmeister waren Hubert Schilling, Markus Schilling, Arno Kleiser und seit 2010 Stefan Lehrmayer.

Pendelverkehr beim Ringtreffen

Es fahren ab Mühlheim-Bahnhof und in Tuttlingen in der Carl-Zeiss-Straße bei den Firmen KLS Martin und Sport Butsch ab 11.30 Uhr Pendelbusse im 15-Minuten-Takt nach Nendingen und nach dem Umzug von 15.30 Uhr bis 18 Uhr im gleichen Takt zurück.

Das Programm auf einen Blick

Freitag, 7. Februar, 19.30 Uhr, Festzelt: Brauchtumsabend der Zünfte aus dem Narrenfreundschaftsring Schwarzwald-Baar-Heuberg und musikalische Unterhaltung mit Prof. Alban & den Heimleuchtern.

Samstag, 8. Februar, 13 Uhr, Festzelt: Kindernachmittag, 19.30 Uhr, Brauchtumsabend, 23 Uhr, Partynacht mit Matze Ihring.

Sonntag, 9. Februar, 9 Uhr, Narrenmesse in St.Petrus und Jakobus, Zunftmeiserempfang im Festzelt, 13.30 Uhr, 51. Ringumzug der Ring-Zünfte.

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