„Nächstes Mal kotzt das Pferd“

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Erzählte von seinen intensiven Erlebnissen: Joey Kelly. (Foto: kah)
Schwäbische Zeitung
Kaan Heck

Wenn einer freiwillig durch die Wüste rennt – tagelang und mit zehn Kilogramm Gepäck auf dem Rücken – nur um bei gut 50 Grad im Schatten nach neuen Bestzeiten zu jagen, dann ist der Begriff „Ultrasport“ kein überzogener Superlativ. Joey Kelly ist einer von jenen Verrückten, die sich regelmäßig an den lebensfeindlichsten Orten dieser Welt versammeln und in immer noch schwierigeren Ausdauerwettbewerben ihre körperlichen und psychischen Grenzen austesten. Und wenn Kelly nicht gerade für einen Marathon trainiert, dann hält er Vorträge über seine Strapazen und Erfolge als bekanntester Ultrasportler Deutschlands mit seinem Programm „No Limits“. So auch am Mittwochabend im evangelischen Gemeindehaus an der Gartenstraße.

Kurioser Weg

Im Rahmen des Veranstaltungsprogramms von run & fun war es den Mitgliedern des Heimatforums gelungen, Kelly nach Tuttlingen zu holen. Die Vorstellung, die Kelly dort abgeliefert hat, war ebenso beeindruckend, wie unterhaltsam. Sein Weg vom gefeierten Popstar (als Mitglied der Kelly Family) zum durchtrainierten „Ironman“ nichts weniger als kurios. Nach Aussage des Sportlers begann alles vor bald 20Jahren. Kelly konnte damals nicht akzeptieren, dass seine Schwester im Begriff war, ihren ersten Triathlon anzugehen. „Was die kann, kann ich auch“, dachte der untrainierte Jungspund damals und hing bereits kurze Zeit später völlig entkräftet, an eine Boje geklammert im Wasser.

Wenn Kelly seine Geschichte erzählt, wenn er beschreibt, wie Disziplin und Ehrgeiz zur Sucht werden können, wie er nachts laufen geht, dann spricht der 40-Jährige wahrscheinlich genauso wie er auch rennt – in atemlosem Tempo. Durchmischt mit amüsanten Anekdoten aus der Vergangenheit wirkt Kellys Vortrag bisweilen ähnlich erheiternd wie eine Stand-Up-Veranstaltung. Und das Publikum beugt sich vor Lachen, wenn sich der Extremsportler selbst auf die Schippe nimmt.

Kelly ist überzeugt, dass sich im Ultrasport „der wahre Charakter“ eines Menschen offenbart. Die „Hysterie des Körpers“ zu ignorieren und das Jammern einzustellen, sind für ihn die Schlüssel zum Erfolg im Ausdauersport. Um in den Besitz dieser Schlüssel zu gelangen, braucht es ganz offensichtlich Disziplin und Ehrgeiz. Zwei Tugenden, die Kelly für sich verinnerlicht und zu seiner Maxime gemacht hat. „Ich arbeite nicht ohne Ziel“, sagt Kelly während er auf der Bühne steht. Außerdem erzählt er von der geplanten Revanche im „Man-Against-Horse“-Wettbewerb (Mann gegen Pferd), in dem er sich bei seiner ersten Teilnahme auf der 100 Kilometer langen Strecke erbrechen und daher am Ende dem Tier knapp geschlagen geben musste. Kelly: „Nächstes Mal kotzt das Pferd.“

Auftritt motiviert Hobbyläufer

Zum Vortrag im Gemeindehaus kamen am Mittwochabend vor allem ambitionierte Hobbyläufer aus Tuttlingen und der Region. Silvia Kramer beispielsweise wurde durch Kellys Auftritt zusätzlich motiviert und definierte im Anschluss einen Ultramarathon als „nächstes Ziel“. Andere waren bereits zum wiederholten Mal bei „No Limits“ zu Gast und beteuerten, die Show sei so unterhaltsam, „die hört man sich gerne ein zweites Mal an“.

Auch der Urheber dieses Artikels kann die ansteckende und grundsympathische Art des Ultrasportlers Kelly nur bestätigen. Oder warum sonst wäre er am nächsten Morgen um fünf Uhr aufgestanden, um zehn Kilometer zu laufen?

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