Muslime treffen sich zum Fastenbrechen

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Fast wie beim Nikolaus: Der Gelehrte Nasreddin Hoca vermittelt der Jugend seine Weisheiten.
Fast wie beim Nikolaus: Der Gelehrte Nasreddin Hoca vermittelt der Jugend seine Weisheiten. (Foto: ClaudiA Steckeler)
Schwäbische Zeitung
Claudia Steckeler

„Davatlímízsíníz – Ihr seid unser Gast“, mit diesem Willkommensgruß haben die Mitglieder des Tuttlinger Feza-Kulturzentrums die Gäste am Freitagabend in der Angerhalle in Tuttlingen-Möhringen begrüßt. Anlass war das gemeinsame Fastenbrechen während des Fastenmonats Ramadan.

„Wir öffnen unsere Türen, orientieren uns an der Kultur in der Türkei, wollen diese auch unseren Kindern und Jugendlichen nahe bringen“, erklärt Fadime Yelmen, die Öffentlichkeitsbeauftragte des Tuttlinger Vereins, denn in der Türkei werde das Fastenbrechen mit viel mehr Angeboten und Feiern gemeinsam begangen. So nun auch zum ersten Mal in Tuttlingen, wozu alle muslimischen Mitbürger, aber auch Mitglieder anderer Konfessionen eingeladen waren.

Erst nach Sonnenuntergang

Normalerweise sei es Brauch, so Fadime Yelmen, dass die Familien sich zuhause treffen, um zusammen, oftmals mit Freunden und Bekannten, das Fastenbrechen zu begehen. Während des Ramadans essen und trinken Muslime nur nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang. Am Freitag war das zwischen 21.35 bis 3.55 Uhr der Fall. Auch gemeinsam gebetet wurde am Freitagabend in der Angerhalle: Ein Gast aus Istanbul trug unter anderem eine Sure aus dem Koran vor.

Während des ganzen übrigen Tages wird auf sämtliche Speisen und Getränke verzichtet. Ausgenommen sind Diabetiker, Schwangere und Kinder. „Die Kinder“, erzählt Fadime Yelmen, „werden langsam an das Fasten herangeführt.“ Jugendliche in der Pubertät sollten bereits aktiv am Fasten teilnehmen. „Es wird aber kein Zwang ausgeübt“, betont Yelmen. „Jeder Jugendliche kann für sich selbst entscheiden, ob er mitmachen möchte oder nicht.“

Am Freitagabend gab es für die zahlreichen Besucher ein buntes Programm, das traditionelle türkische Elemente in die Angerhalle brachte: Der Abend wurde mit einem Quiz zu Fragen aus dem Koran eröffnet, bei denen nicht nur die Erwachsenen sondern auch die Kleinsten begeistert mitmachten. Zu gewinnen gab es hauptsächlich Bücher, denn der Ramadan dient in erster Linie der Besinnung, dem zur Ruhe kommen und dem In-sich gehen. Es wird mehr gebetet, „und die Gedanken gehen auch zu Nachbarn, zu anderen, vor allem ärmeren Menschen. Es ist für uns eine Zeit des Teilens und der allgemeinen Hilfe für andere Menschen.“, berichtet Fadime Yelmen.

Ein Prozent spenden

Spenden sind ein wichtiger Bestandteil des Ramadan, sowie auch der Zekat. „Das Gehalt, oder Ersparte wird durch 40 geteilt, davon sollte dann ein Prozent gespendet werden“, klärt sie auf. „Wer will, kann selbstverständlich mehr geben.“ Diese gesammelten Spenden für Waisenkinder und Witwen werden über entsprechende Hilfsorganisationen mit Begleitpersonen an die bedürftigsten (ärmsten) Länder, zum Beispiel nach Niger, übergeben.

In der Angerhalle ging es unterdessen weiter mit einem „Puppentheater, dem Hacivat Karagöz, gespielt von zwei lebenden Puppen, dem faszinierend tanzenden Semazen, dem Derwisch, sowie den Trommlern, den Ramazan Davulcusu. „In der Türkei ist dies während des Ramadans eine Tradition. Sie gehen nachts durch die Straßen, trommeln und erzählen Gedichte und Geschichten“, berichtet Fadime Yelmen. „Dafür bekommen sie von den Menschen Geld, mit dem sie wiederum ihre Familien ernähren“.

„Jetzt kommt ein ganz lustiger Mann“, hieß es plötzlich. Aufgeregt setzten sich die jungen Gäste vor der Bühne nieder, um dem Gelehrten Nasreddin Hoca (er ähnelt ein wenig dem Heiligen Nikolaus, der ja in der Türkei in Myra lebte) zuzuhören. Mit viel Witz und stets augenzwinkernd vermittelte er seinem Mitspieler, einem dummen, einfältigen Jungen, so manche Weisheit, die auch die erwachsenen Gäste begeisterte.

Was ist Ramadan?

Der Begriff Ramadan gehört zu den fünf Säulen des Islam und hat zwei Bedeutungen: Es ist der neunte Monat im islamischen Kalender, allgemein bekannt ist er jedoch als Fastenmonat. Er richtet sich nach der Stellung des Mondes und dauert je nach Jahr 29 oder 30 Tage. In diesem Jahr findet der Ramadan beispielsweise vom 18. Juni bis zum 16. Juli statt. Zu Ende ist der Monat am sogenannten „Eid al-Fitr“, dem ersten Tag des neuen Monats, was am 17. Juli mit dem „Ramadan bayrami“, dem Zuckerfest, mit vielen Geschenken – vor allem für die Kinder - fröhlich gefeiert wird.

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