Musiker bekommen langanhaltenden Applaus

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Der erst 23-jährige Ausnahmeposaunist Alexander Steixner aus Tirol.
Der erst 23-jährige Ausnahmeposaunist Alexander Steixner aus Tirol. (Foto: Cornelia Addicks)

Das Münchner Bläserquintett „Harmonic Brass“ hat am Sonntagabend den rund 375 Gästen in der Tuttlinger Stadthalle „Delicatessen zum Fest“ serviert: Von Bach bis Sinatra, von der Zauberflöte über den Polar Express bis zum Weihnachts-Ohrwurm reichte das musikalische Menü.

Fünf hochkarätige Bläser, 16 glänzende Instrumente, aufmerksame Zuhörer: Tuttlingen war die dritte von 15 Stationen der Adventstournee mit dem kulinarischen Titel. Schon in der Einführung vor dem Konzert plauderte Hornist und Conférencier Andreas Binder aus dem Nähkästchen des 1991 gegründeten Ensembles.

Der Rosenheimer stieß ein Jahr nach der Gründung zu Harmonic Brass; einziges verbleibendes Gründungsmitglied ist Tubist Manfred Häberlein aus Nürnberg. Trompeter Hans Zellner, der auch für fast alle Arrangements des Programms zeichnet, gehört seit 1997 dazu. Die aus Ravensburg stammende Trompeterin Elisabeth Fessler schloss sich dem Quintett vor vier Jahren an, seit knapp einem Jahr ist sie Lehrbeauftragte an der der Trossinger Musikhochschule. In der Rekordzeit von drei Monaten hat sich das jüngste Mitglied in das durchgehend ohne Noten gespielte Repertoire eingearbeitet: der erst 23-jährige Ausnahmeposaunist Alexander Steixner aus Tirol.

Mit drei Sätzen aus J.S. Bachs Orchestersuite zogen die Bläser ihr Klassik-Publikum in den Bann: tonstark die Ouvertüre, lieblich das bekannte „Air“ und prächtig die Gigue. Wer glaubte, die Arie der Königin der Nacht aus Mozarts „Zauberflöte“ könne nur von einer Koloratursopranistin interpretiert werden, wurde von Fessler eines Besseren belehrt: Ihre Trompete „sang“ überzeugend von „der Hölle Rache“. Der Beifall ließ nicht auf sich warten.

Steigendes Drama bei Toccata

Don Giovannis überschwängliche „Gesangsstimme“ in der folgenden „Champagner-Arie“ übernahm der junge Posaunist. Ins 19. Jahrhundert führte das Quintett mit der „Suite Gothique“ des französischen Komponisten Léon Boëllmann. Auf den gravitätischen Choral und das dominant wirkende Menuett folgte das wehmütige „Gebet in Notre Dame“. Bei der bekannten Toccata sorgte das Quintett für steigendes Drama bis hin zu den genüsslichen letzten vier Noten.

Kein Harmonic Brass-Konzert ohne ein Stück von Händel: Am Sonntag war es Almirenas Klagelied „Lasst mich doch weinen“ aus der Kreuzzugs-Oper „Rinaldo“. Während Bizets provenzalischer Volkstanz in raschen 6/8-Takt und das festliche „Gloria“ das Ensemble noch fest im 19. Jahrhundert verankerte, zeigte sich das Quintett bei der Suite aus dem nordamerikanischen Kinderfilm „Polar Express“ als durchaus tauglich für Musik der Gegenwart.

Das bewies sich auch bei dem Medley aus Frank Sinatras Weihnachtsklassiker. Auch ein eher trauriges Weihnachtslied stand auf dem Programm: „Have Yourself a Merry Little Christmas“ von Hugh Martin aus dem Kriegsjahr 1943.

Dass eine kurze kulinarisch-musikalische Europareise auch Großbritannien einschloss, könnte als Statement gegen den Brexit gesehen werden. Als Zugaben für den langanhaltenden Applaus spielte das Quintett noch eine schräge Version von „Rudolph“ und einen innigen Abendsegen.

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