„Mit Begeisterung und Fleiß!“

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Freude über die Auszeichnung mit dem Gründerpreis der Sparkassen in Baden-Württemberg: Vorstandsmitglied Markus Waizenegger von (Foto: Patrick Seeger)
Schwäbische Zeitung
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„Ich will mich Schritt für Schritt zurückziehen und dann das Karl-Storz-Museum einrichten.“ Dort, wo jetzt noch an der Mittelstraße die Storz-Hauptverwaltung untergebracht ist, soll nach deren Umzug in neue Gebäude das Museum entstehen, das an die fast 70-jährige Erfolgsstory erinnert. Im Filmbeitrag verrät Sybill Storz ihre Pläne für die nächsten Jahre: In einem Alter, in dem ihre Jahrgänger längst den Ruhestand genießen, ist die Fast-75-Jährige immer noch jeden Tag in ihrem Unternehmen oder weltweit für ihre Firma unterwegs. Die Karl Storz GmbH & CO. KG ist Weltmarktführer und gilt schlechthin als „der“ Hersteller von Endoskopen. Unter der Führung von Sybill Storz hat sich der weltweite Umsatz um etwa 15 bis 20 Prozent jährlich gesteigert und liegt nun bei 1,3 Milliarden Euro pro Jahr. 5800 Mitarbeiter, davon knapp 2000 in Tuttlingen und über 100 Auszubildende, sind bei Storz beschäftigt. 1500 Patente wurden seit 1996 angemeldet.

Doch die Zahlen sind es nicht allein, die die baden-württembergischen Sparkassen dazu veranlasst haben, an diesem Dienstagabend in der Stuttgarter LBS-Zentrale den Gründerpreis in der Kategorie Lebenswerk an Sybill Storz zu verleihen. Peter Schneider, der Sparkassen-Präsident, würdigt vor allem das soziale Engagement der Unternehmerin. Er nennt beispielsweise die sechs Trainingszentren in Indien, in denen Ärzte in der Endoskopie ausgebildet werden, um besonders Frauen besser helfen zu können. Der Präsident nennt Engagements in Tuttlingen wie den Hochschulcampus.

Auch der stellvertretende Ministerpräsident, Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) und Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) sind gekommen, um die Preisträger zu ehren. Schmid spricht von einer neuen Gründerkultur in Baden-Württemberg, die die Landesregierung anregen werde. Dass das Land erfolgreiche Gründer hat, beweisen Artur Fischer, der Erfinder des Dübels, Wohnmobil-Pionier Erwin Hymer oder Hans Eberspächer, dessen Firma fürs gute Klima in Autos sorgt. In ihrer Reihe steht nun auch Sybill Storz.

„Sybill Storz ist das perfekte Vorbild für die Gründer von heute“, sagt Schneider. „Sie sind eine der Unternehmerpersönlichkeiten, die ganz entscheidenden Anteil daran haben, dass sich Tuttlingen heute als ,Welthauptstadt der Medizintechnik‘ versteht. Ihr unternehmerischer Erfolg verdeutlicht auch eindrucksvoll, dass Deutschland durch Innovation und Forschung auch im globalen Wettbewerb ein wettbewerbsfähiger Standort bleiben kann.“ Dies sei umso beachtlicher, als das Unternehmen sich als einziges Familienunternehmen seiner Branche in dieser Größenordnung erfolgreich in einem Markt behaupte, in dem große Konzerne eine immer wichtigere Rolle spielten. „Sie leben die Solidarität mit Kunden und Mitarbeitern.“

Im Gespräch betont Sybill Storz, dass sie diese Unternehmenspolitik fortsetzen wird. Vom Moderator des Abends gefragt, was sie antreibe, antwortet sie kurz und knapp: „Begeisterung und Fleiß.“ Ihr Sohn Karl-Christian, der im Unternehmen die dritte Generation verkörpert, habe in seiner Kindheit öfter im Büro seiner Mutter spielen müssen. Heute ist er als Stellvertreter von Sybill Storz Mitglied der Geschäftsleitung und für die beiden Bereiche Forschung/Technologie und Produktentwicklung/Innovation sowie die Sparte Industrial Group weltweit verantwortlich. Auch diese Entscheidung lobt die Jury: „Die Weichen bei Karl Storz sind schon gestellt – und dies nicht nur bezogen auf zukunftsweisende Innovation, sondern auch in organisatorischer Hinsicht.“

Dass Sybill Storz dann nur noch im Museum anzutreffen sein wird, ist nicht anzunehmen: Begeisterung und Fleiß werden sie weiterhin für ihr Unternehmen antreiben.

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