Mattsteig bekommt schnelles Internet

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Ab sofort wird gebuddelt: Die Stadt Tuttlingen und die Stadtwerke haben mit einem Spatenstich ihr gemeinsames Projekt gestartet.
Ab sofort wird gebuddelt: Die Stadt Tuttlingen und die Stadtwerke haben mit einem Spatenstich ihr gemeinsames Projekt gestartet. Das Wohngebiet Mattsteig erhält Glasfaserkabel. (Foto: S. Krauss)
Sabine Krauss
Redakteurin

Gebaut wird das Glasfasernetz in Mattsteig von der Firma Kellner Telecom aus Korntal-Münchingen nach Plänen der CEC-Ingenieure aus Feldkirchen. Betrieben wird das Netz dann von der EnBW-Tochter NetCom. Den Kunden steht es jedoch frei, auch andere Anbieter zu wählen. „Wir haben uns“, so OB Beck, „bewusst für eine Open Acces-Lösung entschieden.“

Zum Ende des Jahres könnten die ersten Haushalte Mattsteigs an schnelles Internet via Glasfaserkabel angeschlossen werden. Am Freitag war Spatenstich für die gemeinsame Glasfaser-Verlegung der Stadt und der Stadtwerke Tuttlingen (SWT). Als „mehr als ärgerlich“ bezeichnete Oberbürgermeister Michael Beck, dass vor einigen Monaten auch die Telekom in Mattsteig aktiv geworden ist.

Lange Zeit hatte sich kein Anbieter für Mattsteig interessiert. „Alle privaten haben abgewunken“, sagte Beck bei seiner Ansprache vor etlichen Anwohnern des Wohngebiets. Zu ungünstig sei in dem weitläufigen Wohngebiet das Verhältnis zwischen Aufwand und Zahl der rund 110 betroffenen Haushalte gewesen. Auch erste Pläne der SWT, in eigener Regie tätig zu werden, scheiterten an den Kosten.

Dass es nun klappt, liegt an einem Landeszuschuss. 266 000 Euro schießt das Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration im Rahmen seines Schwerpunktthemas Breitbandausbau zu. Die Gesamtkosten liegen bei rund 500 000 Euro.

Kabel ins Grundstück hinein

2,5 Kilometer Kabel werden in Mattsteig in den kommenden Wochen verlegt. Wer seine Einwilligung gegeben hat, bekommt das Glasfaserkabel von der Straße bis einen Meter weit in sein Grundstück hinein gelegt. Bis auf drei oder vier Haushalte hätten diese alle erteilt, sagt Stadtkämmerer Uwe Keller. Um den Anschluss bis ins Haus hinein müssen sich die Anwohner dann selbst kümmern. Laut Keller amortisiere sich die Investition der Stadt innerhalb von 16 Jahren, wenn von rund 50 Prozent der Mattsteig-Bewohner Pachteinnahmen kämen.

110 Haushalte sind es, die durch das städtische Glasfaserkabel versorgt werden könnten. Bislang sind es jedoch erst 30 Haushalte, die bereits einen Vertrag abgeschlossen haben – aus Sicht der Stadt angesichts der hohen Baukosten zu wenig. Ärger herrscht deshalb über das Vorgehen der Telekom, die seit einigen Wochen ebenfalls schnelleres Internet in Mattsteig anbietet. Just in dem Moment, in dem Stadt und SWT ihr Vorhaben in Mattsteig verkündet hatten, war auch die Telekom aktiv geworden. „Das ist wirklich mehr als ärgerlich“, sagte OB Beck.

Allerdings unterscheidet sich das Vorgehen von Telekom und Stadt/SWT in einem Punkt: Die Telekom verlegt Glasfaser nur von der Vermittlungsstelle bis zum jeweiligen Verteilerkasten – von dort führten Kupferkabel ins Haus. Das sogenannte Verfahren des Vectorings hat zur Folge, dass die Verbindung umso schwächer wird, je weiter der Verbraucher vom Verteilerkasten entfernt wohnt. „Ich bin überzeugt, dass in fünf Jahren mindestens die Hälfte der Haushalte bei uns ist“, sagt Stadtkämmerer Keller über diejenigen Haushalte, die sich in Mattsteig für das neue Angebot der Telekom entschieden haben.

800 Kilobits pro Sekunde

Familie Weisser aus dem Max-Beckmann-Weg jedenfalls freut sich auf das kommende Glasfasernetz. Fotobücher hochladen, Youtube-Filme anschauen – all das ging bislang entweder gar nicht oder mit langen Wartezeiten. „Manchmal muss ich eine ganze Minute lang warten, bis sich eine einzelne Seite aufgebaut hat“, erzählt Sohn Sven Weisser. Eine Datenübertragungsrate von 800 Kilobits pro Sekunde sei bislang keine Seltenheit gewesen, sagt Vater Dietmar Weisser.

Und etliche der Anwesenden sind es, die dem OB in seiner Einschätzung zustimmen: „Schnelles Internet ist heutzutage kein Spaß mehr, sondern blanke Notwendigkeit.“

Gebaut wird das Glasfasernetz in Mattsteig von der Firma Kellner Telecom aus Korntal-Münchingen nach Plänen der CEC-Ingenieure aus Feldkirchen. Betrieben wird das Netz dann von der EnBW-Tochter NetCom. Den Kunden steht es jedoch frei, auch andere Anbieter zu wählen. „Wir haben uns“, so OB Beck, „bewusst für eine Open Acces-Lösung entschieden.“

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