Massenkeilerei führt zur Spielabbruch

Lesedauer: 6 Min

Das Blaulicht eines Polizei-Einsatzfahrzeuges leuchtet.
Das Blaulicht eines Polizei-Einsatzfahrzeuges leuchtet. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Zu einer heftigen körperlichen Auseinandersetzung ist es im Spiel der Fußball-KreisligaC zwischen dem SC 04 Tuttlingen III und dem FV Fatihspor Spaichingen II am Sonntagnachmittag im Tuttlinger Donaustadion gekommen. Dabei wurden laut Polizeibericht sechs Spaichinger verletzt.

Die Situation vor der Schlägerei ist wohl unstrittig: Ein Spieler des SC 04 III, die nur aus Flüchtlingen besteht, hatte einen Spaichinger Spieler übel gefoult. Daraufhin zog der Schiedsrichter sofort die Rote Karte. Im Anschluss daran gab der Tuttlinger Spieler einem anderen Gegenspieler eine Kopfstoß, nachdem sich dieser vor dem Rotsünder aufgebaut und gefragt hatte, was eine solche Aktion in der Nachspielzeit solle.

Es folgte eine handfeste Auseinandersetzung, bei der auch Anhänger beider Mannschaften mitmischten. Daraufhin brach der Schiedsrichter die Partie beim Stand von 4:3 für Fatihspor in der zweiten Minute der Nachspielzeit vorzeitig ab. Die Polizei rückt an und leitete Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzungen gegen mehrere Spieler des SC 04 ein.

Im Internet kursiert ein kurzes Video von den Vorkommnissen. Darin sagt ein Mann: „Die nehmen Flaschen, die wollen sie töten. Die Türken müssen jetzt weg, die Schwarzen gehören abgeschoben.“ Was genau passiert, ist auf dem Video, das von der anderen Seite des Spielfeldes aufgenommen worden ist, indes nicht genau zu erkennen.

Schulz überlegt, aufzuhören

Rainer Schulz, der die Flüchtlinge beim SC 04 trainiert, ist einen Tag nach dem Spielabbruch noch immer konsterniert: „Ich überlege mir ernsthaft, ob ich aufhöre. Das ist nicht meine Art, Fußball zu spielen“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung Er selbst kann nicht sagen, wie die Auseinandersetzung genau abgelaufen ist. Er sei im Pulk gewesen und habe versucht, die Gemüter zu beruhigen. Dabei habe er auch zwei Schläge abbekommen. Von wem, das kann er nicht sagen.

„Es hätte auch eskalieren können“, sagt Akibun Yelken, der für Fatihspor auf dem Platz gestanden hat. Er betont, dass zwei Spieler des SC 04 schon eine Flasche zerbrochen hätten, um auf die Spaichinger loszugehen. Doch sie seien von Mannschaftskollegen zurückgehalten worden. Auch Eckfahnen seien als Schlagwerkzeug von den Flüchtlingen verwendet worden „Es hätte Blut fließen können“, meint Yelken.

Mehrere Fatihspor-Spieler waren nach dem Spielabbruch im Krankenhaus zur Behandlung, einige sind laut Yelken krankgeschrieben worden. Einer, der sich im Krankenhaus behandeln lassen musste, ist der zweite Vorsitzende von Fatihspor, Mustafa Yildirim: „Ich habe auf Arme und Beine eine Eckfahne draufbekommen“, sagt er. Ein anderer Spieler habe etwa mit dem Fußballschuh einen Tritt in den Rücken bekommen.

Der Vorstand des SC 04 wird sich in einer Sitzung am Freitag mit dem Thema auseinandersetzen. Rainer Hohner, im Vorstand für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, betont, dass es jetzt zunächst darum gehen müsse, Rainer Schulz mental wieder aufzubauen: „Er hat ein unwahrscheinliches Engagement an den Tag gelegt“, sagt Hohner. Er selbst war beim Spiel nicht im Stadion. Hohner meint aber, dass es zu einer solchen Auseinandersetzung immer zwei Parteien bedürfe.

Schulz selbst betont, dass er zunächst für Trainingszwecke nicht zur Verfügung steht. In einer Mannschaftssitzung möchte er am Donnerstag mit seinen Spielern reden. Ob am Ende der Diskussion die Abmeldung der Flüchtlingsmannschaft vom Spielbetrieb steht, könne laut Hohner durchaus ein Thema sein.

Integration ja, Emotion nein

Willy Herzog, im württembergischen Fußballbezirk Schwarzwald für die Integration zuständig, findet es jedenfalls schade, dass die Emotionen beim Fußball immer wieder so hochkochen. Der Verband begrüße Mannschaften, in denen Integration vorgelebt werde, aber im persönlichen Bereich müssten die Spieler ihre Nerven im Griff behalten.

Dass es nicht immer nur um die Spieler auf dem Platz geht, die die verbale Keule in Richtung Flüchtlinge rausholen, deutet Schulz an: So würden seine Spieler immer wieder provoziert – und das durchaus von Vereinen, die selbst einen Migrationshintergrund haben. Auch daher kommt er regelmäßig ins Grübeln: „Ich möchte nicht, dass meine Enkel diese Sachen hören müssen“. Yelken sieht die Integration der Flüchtlinge ebenfalls in einer eigenen Mannschaft schwierig: „Es sollten besser zwei, drei Flüchtlinge in bestehende Mannschaften integriert werden.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen