Mandelring-Quartett lässt Zuhörer staunen

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Das Mandelring Quartett mit Katarzyna Mycka (rechts an der Marimba) erhielt zum Abschluss viel Beifall.
Das Mandelring Quartett mit Katarzyna Mycka (rechts an der Marimba) erhielt zum Abschluss viel Beifall. (Foto: Siegrid Bruch)

Ein hochkarätiges Konzert haben die Zuhörer am Donnerstagabend in der Stadthalle erlebt. Das Mandelring-Quartett, das vor vielen Jahren schon einmal in Tuttlingen konzertierte, ist inzwischen zu einem der führenden Quartette weltweit geworden.

Dies zeigten die Geschwister Sebastian, Nanette und Bernhard Schmidt mit Bratscher Roland Grassl, die sich nach einer Straße in ihrem Wohnort benannt haben, gleich bei Felix Mendelssohns Streichquartett Nr. 3 in D-Dur. Brillantes, homogenes Spiel mit weitgespannter Dynamik und edle Klangkultur ließ die Zuhörer staunen. Der mit Molto allegro vivace – also sehr fröhlich und lebhaft – überschriebene erste Satz war der glänzende Anfang des Konzerts. Das Menuetto hatte nur die Form eines Menuetts, war voll strömender Melodik. Es folgte das Andante espressivo und dann das Presto con brio – also schnell, mit Feuer. Es gibt wohl kaum etwas brillanteres in Komposition und Darbietung.

Beim Konzert für Marimba und Streicher von Emmanuel Sejourne, derzeit Direktor des Straßburger Konservatoriums, agierte die Solistin, die polnische, in Stuttgart lebende Marimbaphonistin Katarzyna Mycka, genauso hochkarätig wie das Quartett. Das Instrument war quasi ihre eigene Person. Sie strömt darüber ihr heiteres Lebensempfinden aus. Für die virtuosen Passagen benützte sie weiche Schlägel und erzeugte damit samtweiche Klänge. Zu melodischen Passagen nützte sie hartköpfige Schlägel und ließ diese mit dem Quartett elegant korrespondieren. Ihre unwahrscheinliche Virtuosität auf dem großen Instrument war kaum fasslich und ihr Vergnügen am Spiel konnten die Zuhörer an ihrem Gesicht ablesen. Die oben genannte, schwärmerische, romantische Musik bot sie leidenschaftlich.

Pure Leidenschaft

Das nächste Werk war Debussys einziges Streichquartett in g-moll, also purem Spaß. Mit Chromatik und Ganztönen schilderte der Komponist das Pariser Leben aufs Vielfältigste in jugendlichem Übermut. Und dies konnten die Mandelringer hervorragend rüberbringen. Auf den zweiten Satz mit viel Pizzicati folgte mit sordinierten Instrumenten und geheimnisvollem Klangsinn Nachtatmosphäre, das Cello sang die Sehnsucht des Manns (Debussys eigene?) und die erste Violine die lockende Frau. Der vierte Satz war pure Leidenschaft. Mit grandioser Überlegenheit wurde dies von den vier Virtuosen geboten.

Zum Schluss dann ein weiteres Konzert für Marimba und Streicher des Brasilianers Ney Rosauro. Er schrieb dieses Stück für seinen Sohn und dessen Freunde. Die Sätze bezeichnete er mit Saudaçao (Gruß), Lamento (Klage), Dança (Tanz) und Despendida (Abschied). Wieder hatte man die Gelegenheit, Katarzyna Mycka zu bestaunen und zu genießen. Auf großen Beifall hin folgte als Zugabe noch ein südamerikanischer Tango mit dem Titel „mi-mi-fa-fa- mi-mi“, den Anfangstönen der Musik.

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