„Lustige Rentnergruppe“ tüftelt seit zwei Jahren

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Eckart Stoll (links) und Wolfgang Welte tüfteln an einem Staubsauger.
Eckart Stoll (links) und Wolfgang Welte tüfteln an einem Staubsauger. (Foto: Anja Schuster)

Seit zwei Jahren gibt es das Reparaturcafé des Lebenswerks. In dieser Zeit hat das Team insgesamt 429 Reparaturen vorgenommen – mit einer Erfolgsquote von 66 Prozent. Diese beiden erfolgreichen Jahre sollen am Samstag, 13. April, gefeiert werden.

Die Idee des Reparaturcafés ist simpel: Dinge, die zu alt oder zu kaputt sind, als dass sich eine teure Reparatur lohnen würde, können vorbeigebracht werden und die derzeit zwölf ehrenamtlichen Reparateure versuchen, sie mit Tüfteln, Geschick und ein bisschen Glück wieder auf Vordermann zu bringen. „Oft haben die Dinge einen hohen Erinnerungswert“, sagt Bruno Stetter, der von Anfang an dabei ist. So sei einmal ein Mann mit einer Schreibtischlampe zu ihnen gekommen, „die hätte ich auf den Müll geworfen“. Doch die Lampe habe seiner verstorbenen Frau gehört, daher der Wunsch nach Reparatur. Ein Wunsch, den das Team gerne erfüllt hatte. „Er hat dann 50 Euro in die Spendenbox geworfen. Für das Geld hätte er zwei neue Lampen bekommen“, sagt Stetter.

„Wir haben alle geschwitzt“

Erlebnisse, Begegnungen wie diese sind es, die die Arbeit der Freiwilligen so bereichernd machen. Und natürlich der Spaß am Tüfteln, am Ausprobieren – am besten mit Erfolgserlebnis am Schluss, da sind sich alle einig. An eines kann sich Rudi Klumpp noch gut erinnern. „Unser Jung-Ingenieur hat einmal das Objekt einer Digitalkamera bis auf das letzte Schräuble auseinandergenommen.“ Völlig unsortiert hätten die Teile auf dem Tisch gelegen. „Wir haben alle geschwitzt“, sagt Klumpp und lacht. Schließlich sei so ein Objektiv ja auch teuer. Doch am Ende sei alles wieder an Ort und Stelle gewesen und das Objekt habe funktioniert.

Immer am zweiten Samstag im Monat hat das Reparaturcafé geöffnet. Zwischen 9 und 12 Uhr kommen so zwischen 30 und 40 Besucher. Viele davon sind inzwischen Stammkunden. „Wichtig ist, dass es nicht immer nach Reihenfolge geht, sondern nach Kapazität“, sagt Eckart Stoll. Doch auch in der Wartezeit wird man in den Räumen an der Föhrenstraße gut versorgt: mit Brezeln, Kaffee und selbstgebackenem Kuchen von Doris Eberhardt, die auch die Statistik führt.

Dinge, die häufig auf dem Tisch der Reparateure – derzeit übrigens nur Männer – kommen sind Näh- und Kaffeemaschinen, Staubsauger oder Handmixer oder alte Radios. Seltener hat es die „richtig lustige Rentnergruppe“, wie sie Wolfgang Welte nennt, mit Kettensägen, Han-dys oder Kameras zu tun. Denn für manche Dinge brauche man einfach länger als für andere, sagt Dieter Störk, Leiter Soziale Projekte bei der Kreisdiakoniestelle. Daher sei man auch immer auf der Suche nach neuen Ehrenamtlichen, die die Truppe verstärken. Handwerklich begabt müsse man sein und gesellig. Wer sich unverbindlich informieren wolle, der sei am 13. April genau richtig, so Störk.

Weitere Angebote der Diakonie

Doch das Reparaturcafé ist nur eines von vielen Angeboten des Lebenswerks, dessen Träger die Diakonie ist. So gibt es im Lebensgarten noch freie Hochbeete, die bewirtschaftet werden können. Wer möchte, kann sich laut Störk dort auch einfach mal ausruhen. Daneben gibt es eine monatliche Fahrradwerkstatt und einen wöchentlichen Handarbeitstreff. „Wir wollen ein offenes Zentrum“, sagt Jürgen Hau, Geschäftsführer Kreisdiakoniestelle. Und das Ende der Möglichkeiten sei noch nicht erreicht. „Es gibt die Möglichkeit, etwas Neues anzufangen, wenn sich ein paar Menschen zusammentun. Wir haben noch Kapazitäten.

Statistik und Team

Reparaturen 2017 insgesamt: 131; davon repariert wurden: 77; nicht repariert: 54

Reparaturen 2018 insgesamt: 298; davon repariert wurden: 199; nicht repariert: 99. Die Erfolgsquote liegt derzeit bei 66 Prozent.

Das Team: Eckart Stoll, Friedhelm Behrendt, Klaus Gerach, Gisela Wiser, Doris Eberhardt, Inge Mahler, Bruno Stetter, Wolfgang Welte, Rudi Klumpp, Horst Bohnsack, Andreas Weber, Hazem Sulyman, Fabian Setz, Dieter Barth und Waldemar Finsterle. Unterstützt wird das Team von Jürgen Hau, Geschäftsführer Kreisdiakoniestelle, und Dieter Störk, Leiter Soziale Projekte bei der Kreisdiakoniestelle.

Jubiläumstag

Das Reparaturcafé findet immer am zweiten Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr in den Räumen an der Föhrenstraße 3 statt. Anlässlich des zweijährigen Bestehens wird es am Samstag, 13. April, Sonderöffnungszeiten geben – und zwar von 9 bis 14 Uhr. Dazu soll an diesem Tag der offenen Tür neben den Reparaturen Zeit bleiben, um ins Gespräch zu kommen. Dazu gibt es Partybrezeln, Kaffee und Kuchen.

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