Luchs im nördlichen Hegau gesichtet

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Diese Aufnahme ist in der Nacht von Sonntag auf Montag in einem Waldgebiet im nördlichen Hegau entstanden.
Diese Aufnahme ist in der Nacht von Sonntag auf Montag in einem Waldgebiet im nördlichen Hegau entstanden. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Sarah-Lena Gombert

Was für ein Zufall: Gerade hat das Landesministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz bekannt gegeben, dass in Oberschwaben der zweite Luchs Baden-Württembergs mit einem Sender ausgestattet worden ist, tappt Nummer drei in die „Fotofalle“ eines Jägers – und zwar im nördlichen Hegau. Wo genau der Luchs aufgetaucht ist, wird auf Wunsch des Jägers nicht öffentlich gemacht, um Tiere und auch die Anliegen der Jäger nicht durch Neugierige zu gefährden.

„Das ist natürlich ein glücklicher Zufall“, sagt der Jäger im Gespräch mit unserer Zeitung. Am Montagmorgen hatte er festgestellt, dass das Tier von einer Kamera aufgezeichnet worden ist, die im Wald aufgebaut ist und nur dann auslöst, wenn Wild vorbeikommt. „Eigentlich dienen diese Kameras der Wildbeobachtung“, sagt der Jäger. Ist ein Reh trächtig? Wie viele Wildschweine sind, auch jetzt in der Schonzeit, in der Region unterwegs? „Durch die Aufnahme des Luchses hat die Kamera nun dazu beigetragen, die Vielfalt der heimischen Wildtiere zu ergänzen“, sagt der Jäger. Er hat die Information gleich an den zuständigen Pächter weitergeleitet, der sich wiederum an die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg (FVA) gewandt hat.

Katzen kommen aus der Schweiz

Nach Angaben des zuständigen Landesministeriums gehören Luchse zu den seltensten Tieren in Baden-Württemberg. Nur ab und zu kommen die Raubkatzen mit den Pinsel-ohren aus der benachbarten Schweiz nach Baden-Württemberg.

„Grundsätzlich begrüßen wir die natürliche Zuwanderung der Luchse in Baden-Württemberg“, sagt Armin Lieser, Pressereferent beim Landesjagdverband. Es sei wichtig, die umtriebigen Tiere wissenschaftlich zu begleiten. „Wir müssen wissen, was der Luchs treibt, um auch die Akzeptanz in der Jägerschaft aufrecht zu erhalten“, sagt Lieser. Schließlich zahlen die Jäger Pacht für ihr Jagdgebiet und haben somit Verluste, wenn der Luchs beispielsweise ein Reh reißt.

Ob der Luchs sich nach seinem nächtlichen Spaziergang im Hegau immer noch in der Region aufhält, ist fraglich. „Das Gebiet, in dem ein Luchs auf Wanderschaft geht, kann riesig sein“, sagt Armin Lieser. Allerdings: „Wenn die Tiere sich wohlfühlen, dann bleiben sie schon mal für mehrere Tage in einer Gegend, bevor sie weiterziehen.“

Der Luchs Friedl beispielsweise, den die FVA-Wissenschaftler schon eine ganze Weile mit einem Sender beobachten, stammt aus dem Schweizer Jura, war lange im Schwarzwald und ist quer durchs Land bis fast nach Ulm gewandert, um entlang des Albtraufs ins Donautal zu laufen. Dass Wanderer im Wald einem Luchs über den Weg laufen, hält Lieser für nahezu ausgeschlossen: „Die Tiere sind sehr scheu, die sind den Kontakt zu Menschen nicht gewohnt.“

Rehwild nimmt den Duft der Raubkatze wahr

Die Anwesenheit eines Luchses in der Region könne auch Rehe scheuer werden lassen und die Bejagung erschweren: „Das Rehwild nimmt den Duft des Luchses wahr und zieht sich unter Umständen zurück“, sagt Lieser. Genau deswegen sei die wissenschaftliche Beobachtung der Luchse aus Jäger-Sicht so wichtig.

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