Losgelöste Welten und feinster Pinselstrich

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Siegrid Bruch

Die Ausstellung des chinesischen Künstlers Xuan Wang ist am Freitagabend in der Galerie der Stadt Tuttlingen eröffnet worden. Mit den Werken dieses aufgehenden Stars werde eine weitere Position meisterhafter Malerei in der Galerie gezeigt, betonte der Vorsitzende des Kunstkreises Tuttlingen, Michael Martin, in seiner Begrüßung.

Xuan Wang malt mit feiner, altmeisterlicher Technik rätselhafte Bilder, die auf östliche und westliche Kulturkreise zurückgreifen. Seine Malerei wirkt fotorealistisch. Vieles komme einem dabei bekannt vor, doch bei näherer Betrachtung werde man verwirrt, weil da etwas nicht stimmen könne, betont der Kunstkreis-Vorsitzende. Wang wurde 1979 geboren, studierte zunächst in China und von 2005 bis 2010 an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe. Er lebt und arbeitet in München. Er hat mehrere Auszeichnungen und Stipendien gewonnen, seine Bilder werden regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. In Tuttlingen wird er von der renommierten Galerie Valentien aus Stuttgart vertreten.

Epochen lösen sich auf

Wang arbeitet mit feinstem Pinselstrich, um diese Feinheiten, Details und Schattenspiele zu erreichen und schafft so eigene, losgelöste Welten, aus verschiedenen Blickwinkeln, mit gestaffelten Szenen, verzerrten Fragmenten und surrealen Gegenüberstellungen. Hier vermischen und verweben sich die verschiedenen Epochen und Kulturen, prallen aufeinander und lösen sich auf.

Der Künstlerische Leiter des Kunstvereins Esslingen, Christian Gögger, gab den Besuchern Einblicke in die opulente Schau von Wang. 52 Arbeiten auf drei Geschossen werden in der Galerie gezeigt, meist im Hochformat. Man könne sie als eine Art Kunstgeschichte der amüsanten Art bezeichnen. Seine Malerei orientiere sich an altniederländischen und altdeutschen Künstlern, auch an persischer Miniatur und Japanischem Farbholzschnitt.

Der Titel der Ausstellung „In Auflösung“ zeigt, dass er die kunstgeschichtliche Vergangenheit zum Surrealen hin auflöst, er kommt dabei zu seiner eigenen Erzählung, auch mit extremer Verzerrung, der Technik der Anamorphose. „Es ist anstrengend, in seinen Bildern zu suchen, aber es lohnt sich“, meinte Christian Gögger abschließend.

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