Kunstmuseum zeigt Hans Kindermann

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Einen Blick in das Atelier von Hans Kindermann gewährt dieses Foto.
Einen Blick in das Atelier von Hans Kindermann gewährt dieses Foto. (Foto: Heinz Pelz)
Schwäbische Zeitung

Ein Werk des Bildhauers Hans Kindermann kennt jeder Fernsehzuschauer: Das große Adlerrelief, das er 1969 für den Sitzungssaal des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe schuf. Das Kunstmuseum Singen präsentiert nun bis Sonntag, 14. Juni, Werke des Bildhauers Hans Kindermann.

Und doch ist der Künstler wenig bekannt. Für das Kunstmuseum Singen ist dies Anlass, dem einzigen Bildhauer unter den „Höri-Künstlern“ eine Überblicksausstellung auszurichten.

Die Schau vereint Groß- und Kleinplastiken, Skulpturen, Reliefs und Plaketten in unterschiedlichen Materialien sowie Zeichnungen aus der „Höri-Zeit“ (1944-1955), aber auch aus den Jahren an der Kunstakademie Karlsruhe (1957-1977) und aus dem Spätwerk nach 1977. Besondere Bedeutung haben Kindermanns lebensvolle Kinder- und Knabenbildnisse, in denen er das Spezifisch-Individuelle einer Person mit dem Überzeitlich-Typischen des Kindlichen zu verschmelzen suchte.

Hinzu kommen die frei geschaffenen Portraitbüsten seiner Künstlerfreunde Erich Heckel, Harry Kögler, Klaus Arnold und Fritz Klemm, in denen es Kindermann gelang, die Eigentümlichkeit von Werk und Person in eins zu setzen. Am Beispiel der Portraitbüsten von Walter Kaesbach zeigt die Ausstellung Kindermanns Arbeit in Werkreihen auf.

Hans Kindermann studierte an der Staatsschule für Kunst und Handwerk in Mainz (1925-29) und arbeitete freiberuflich als Maler, Bildhauer und Innenarchitekt. Nach einjähriger Wanderschaft in Italien nahm er an der Kunstakademie Düsseldorf 1933 ein zweites Studium auf und bildete sich dort bei dem Schweizer Plastiker Alexander Zschokke zum Bildhauer aus. Die Entwicklung eines eigenen bildhauerischen Oeuvres wurde durch den Einzug zur Wehrmacht und eine schwere Verwundung unterbrochen. Luftangriffe auf Düsseldorf 1943 und 1944 auf Freiburg, wohin die Familie Kindermann 1943 übergesiedelt war, vernichteten das frühe Werk des Dreiunddreißigjährigen.

Durch Vermittlung Walter Kaesbachs, des vormaligen Direktors der Düsseldorfer Kunstakademie, gelang 1944 die Übersiedlung nach Hemmenhofen (Höri). Das Ferienhaus des Architekten Heinrich Wurm teilten sich Hans und Grete Kindermann von 1953 mit Erich und Siddi Heckel. Hier nahm der Bildhauer sein tägliches Zeichnen und plastisches Gestaltschaffen wieder auf. Mit der monumentalen Figurengruppe für Singen, geplant als Bauplastik am Arbeitsamt (heute Finanzamt), letztlich aufgestellt vor der Berufsschule (heute: Hohentwiel-Gewerbeschule), gelang es Kindermann erstmals, eine Großplastik für den öffentlichen Raum zu realisieren.

Ab 1955, dem Jahr der Übersiedlung nach Düsseldorf, wurden Aufträge für Freiplastiken, Brunnenanlagen, Wand- und Portalgestaltungen sowie Kirchenausstattungen zu einem wichtigen Arbeitsfeld des Künstlers. 1957 erfolgte die Berufung an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe (Professur seit 1959). Er übernahm 1963 das Rektorat, das er bis 1971 bekleidete.

Nach seinem Ausscheiden 1972 zog sich der in den 80er-Jahren vielfach geehrte Bildhauer nach Gleishorbach (Südpfalz) zurück, wo ihm künstlerisch ein neuer Aufbruch in die farbig gefasste Figurenplastik glückte. Mit 86 Jahren starb Hans Kindermann 1997 in Gleishorbach.

Die Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Freitag, von 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Feiertag: wie Wochentag. Weitere Infos unter Telefon 07731/ 85 269 und

www.kunstmuseum-singen.de

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