„Kunst ist nicht kaputt zu kriegen“

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 Beim Künstlergespräch in der Städtischen Galerie : (von links) Markus M. Strieder, Galerieleiterin Anna-Maria Ehrmann-Schindlbe
Beim Künstlergespräch in der Städtischen Galerie : (von links) Markus M. Strieder, Galerieleiterin Anna-Maria Ehrmann-Schindlbeck, Thomas Putze und Marcus Gaudoin. (Foto: Siegrid Bruch)
Siegrid Bruch

Drei Künstler der Donaugalerie haben am Sonntag bei einem Künstlergespräch über ihre Arbeit gesprochen und sich den Fragen der – leider nur wenigen – Kunstinteressierten gestellt. Galerieleiterin Anna Maria Ehrmann-Schindlbeck stellte die drei Künstler Marcus Gaudoin, Thomas Putze und Markus F. Strieder vor. Es ging um die Fragen: Welche Konzepte stecken hinter den Kunstwerken? Welche Gedanken bewegen die Künstler bei ihrer Arbeit? Was sind ihre technischen Herangehensweisen?

Die drei Künstler äußerten sich zunächst zu ihren künstlerischen Ausdrucksformen. Der in Tuttlingen lebende Marcus Gaudoin erläuterte die Entstehung seines Werkes aus Betonguss „touchdown“, das in der Nähe des Skaterparks steht. Im Zuge der Gemeinschaftsausstellung „Im Quadrat“ im Jahr 1997 habe er eine kubische Plastik entworfen, einen überdimensionalen Würfel. Die Urform des qbic , eine künstlerische Edition, war geboren und habe seine weiteren Werke beeinflusst. Die Arbeitsweise für seine Plastiken sind dann aus einer Ballongeschichte mit Experimenten mit Gips entstanden, die er weiterentwickelt hat. „Die Plastik wird angenommen, sie kann auch bespielt werden, ich finde, sie ist nicht mit Kunstbegriff beladen“, meinte Gaudoin.

Bevor er sich zu seiner Kunst äußerte, stellte Markus M. Strieder zuerst die Frage: Kann man zu Kunst auch schweigen? Doch dann erklärte er zu seinem Kunstwerk „Landschaft dahinter + Landschaft davor“: „Es geht mir nicht ums reine Material, sondern auch darum, wie man die Landschaft, die Dinge um das Kunstwerk herum wahrnimmt.“ Es sind Dinge mit drei Tonnen, die Aufmerksamkeit erzeugen und bei denen man sich die Frage stellt, was passiert da. Wenn man einen Titel gibt, dann ist da schon was. „Eigentlich versuche ich mit meinem Werk einen schweigenden, spannenden Prozess.“

Thomas Putze wurde in Tuttlingen schon im Dezember vergangenen Jahres durch seine Performance „Kunst machen - wie ins kalte Wasser springen“ bekannt. Mit seiner begehbaren Skulptur eines Biberbaus, bei der auch in einem Inklusionsprojekt viele Bürger mitwirkten, will er auf die Biber und ihre Lebensweise aufmerksam machen. Er fühle sich wie ein Treibholz und lasse sich anschwemmen, erklärte der Künstler, und das fließe in seine Arbeit ein – mit einer Offenheit, dies alles wahrzunehmen.

Ein Besucher stellte die Frage, wie er das denn den Teilnehmern am Inklusionsprojekt vermittelt habe. Es gehe ihm vor allem ums Material und ums „machen lassen“, so Putze. Die Teilnehmer hätten sofort losgelegt und waren kommunikativ, „die Dinge seien ja so archaisch“. Zur allgemeinen Kunstszene meinte der Künstler, es müsse wieder eine Berührung stattfinden. Und Markus M. Strieder meinte: „Kunst hat sich immer durchgesetzt und ist nicht kaputt zu kriegen, Kunst kann etwas leisten“. Galerieleiterin Ehrmann-Schindlbeck betonte abschließend, viele Menschen seien an der Kunst beteiligt, sie sei ein wichtiger Faktor.

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