Kundgebung in Tuttlingen stärkt Europa den Rücken

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Viele Interessierte versammeln sich zur DGB-Kundgebung auf dem Marktplatz.
Viele Interessierte versammeln sich zur DGB-Kundgebung auf dem Marktplatz. (Foto: Simon Schneider)
Simon Schneider

Die Stärkung des europäischen Gedankens verbunden mit Themen wie den Klimawandel, die europäische Mitbestimmung und die bevorstehende Europawahl am 26. Mai haben bei der Kundgebung des Tuttlinger Kreisverbands des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am 1. Mai auf dem Tuttlingen Marktplatz im Mittelpunkt gestanden.

Ein reges Interesse herrschte bei der DGB-Kundgebung unter dem Motto: „Europa. Jetzt aber richtig“. Viele Tuttlinger versammelten sich auf dem Marktplatz und hörten, wie sich der Kreisverbandsvorsitzende Edmond Jäger in seinen Eingangsworten auf der Bühne für ein „solidarisches und gerechtes Europa“ stark machte. Europa habe den Wohlstand und Freiheit gemehrt.

Die nach dem 26. Mai neugewählten Gemeinderäte sollten sich laut Jäger für eine Besserung des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) einsetzen. „Eine Fahrt, ein Euro“, so Jäger, der auch ein Jahresumweltticket in Betrieben fordert. Zusätzlich sollten laut ihm die Arbeitgeber bei der Verbesserung des Parkplatzangebots in die Pflicht genommen werden.

Über 100 Nationalitäten in Tuttlingen

Eine Europawahl „unter so kontroversen Vorzeichen gab es noch nie“, ist sich Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck sicher und meinte damit die Parteien, die gegen Europa bei der Europawahl antreten werden. „Es werden ihnen so viele Sitze wie noch nie vorhergesagt“, sagte der Stadtoberhaupt, der betonte, dass über 100 Nationalitäten in Tuttlingen zuhause sind und er sich als Oberbürgermeister immer für ein offenes Europa einsetze.

„Die Europäische Union ist das größte Friedensprojekt, das unser Kontinent je gesehen hat“, findet Beck. Die Wähler müssten sich im Klaren sein, was bei der Europawahl auf dem Spiel stehe. Es gelte nun, Europa besser zu machen.

Zum ÖPNV sagte er, dass die Stadt versuche, bei diesem Thema zu sensibilisieren und mobilisieren, andere Verkehrsmittel zu nehmen wie das Rad. Bei einem ist sich Beck sicher: „Mit Preiserhöhung gewinnt man keine neuen Fahrgäste“. Er gibt außerdem zu: „Wir haben ein Problem mit den Einpendlern“. Hier gelte es dagegenzusteuern.

Thomas Maile von der katholischen Betriebsseelsorge appellierte bei der Kundgebung an die Anwesenden auf dem Marktplatz, am 26. Mai zur Wahl zu gehen. „Nationalisten und Rechtsextreme wollen mit dieser Wahl das Ende der EU einläuten und Nationalismus wieder groß schreiben. Das wäre schlimm für Europa“, so Maile, der dafür großen Applaus erhielt.

Das Friedensprojekt Europa dürfe von niemandem kaputt gemacht werden. Ebenso sprach er sich für die Abrüstung und Verteilungsgerechtigkeit aus. Er sprach zudem als Betriebsseelsorger die Ängste von Arbeitnehmern in Bezug auf Mobbing an und die Angst, „nicht mehr mitzukommen“. Unsicherheiten, wie es mit dem eigenen Arbeitsplatz weitergehe „zermürbt und macht den Beschäftigen richtig Angst“. Es gelte daher die Arbeitsweilt zu „entängstigen“.

Große Chance für Europa

Zum ersten Mal sprach Michael Föst, der Geschäftsführer der IG Metall Albstadt, auf dem Tuttlinger Marktplatz. Es sei höchste Zeit verlorene Industriekapazitäten wieder herzustellen. „Europa steht hier vor einer großen Chance, wenn wir Ökologie und Ökonomie zusammenbringen“, sagte Föst. Der sozialökologische Umbau eröffne Wachstumgspotenziale und könne Beschäftigung sichern. Er bezeichnete die nachhaltige Energieversorgung, Klimaschutz, Überalterung sowie die Digitalisierung als „Herausforderung“. Es brauche „Investitionen in klimafreundlichere Produkte, Prozesse und Infrastrukturen“.

Zum Kern einer Wirtschaftspolitik gehöre eine europäische Wirtschafts-, Finanz- und Geldpolitik, die sich an „Wachstum und Beschäftigung“ orientiere. Die Mitbestimmung auf europäischer Ebene in Wirtschaft und Gesellschaft sollte zudem ausgebaut werden. Neben den USA und China könne nur Europa als Einheit bestehen und „kein Einzelstaat“. Europa dürfe nicht wie ein Sandwich von den USA und China erdrückt werden.

Der Ortsjugendausschuss der IG-Metall setzte sich für bessere Ausbildungsbedingungen ein und bekräftigte dies in einem musikalischen Beitrag.

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