Komplizierte Liebe auf der Bühne

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Ende gut, alles gut: Die „verkaufte Braut” bekommt doch noch ihren Liebsten.
Ende gut, alles gut: Die „verkaufte Braut” bekommt doch noch ihren Liebsten. (Foto: C. Addicks)

Das Theater Pforzheim hat am Samstagabend ein hervorragendes Gastspiel mit Bedich Smetanas „Die verkaufte Braut“ gegeben. Glänzendes Orchester, brillante Sänger und Darsteller, überschaubare Anzahl von Besuchern.

Mitten in die böhmische Provinz entführt die 1866 uraufgeführte komische Oper. Das Dorf und seine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft bilden den Hintergrund für ein Liebesdrama, das man mit „Mädel liebt kernigen Burschen von nebulöser Herkunft, soll aber einen reichen Bauernsohn heiraten“ zusammenfassen kann. Das Mädel, die Marie, wird von der griechischen Sopranistin und promovierten Musikwissenschaftlerin Stamatia Gerothanasi gespielt – großartige Stimme, überzeugende Mimik und glaubhafte Gefühlstiefe. Chapeau!

Kongenial besetzt die Rolle ihres Liebhabers Hans: Tenor Dirk Konnerth fliegen die Herzen aller Frauen zu, die Männer mögen ihn weniger. Vor allem dem zwielichtigen Heiratsvermittler Kecal ist er ein Dorn im Auge. Der gestandene Bajuware Lukas Schmid-Wedekind setzt seine Bassstimme und seine massige Gestalt angriffslustig ein, damit ihm nur ja die Provision nicht entgeht. Den störenden Lover zu bestechen, ist dem schmierigen Schlaumeier schon mal 300 Gulden wert.

Hans, dem der Ruf als „übler Taugenichts, längst verschollen“ anhaftet, nimmt an, fordert aber eine Klausel im Vertrag, der seinen Verzicht auf Marie besiegelt. Sie solle „einen“ Sohn des Großbauern Micha, nicht „den“ Sohn heiraten. „Der“ Sohn, der dringend unter die Haube gebracht werden soll, ist der schüchterne Stotterer Wenzel. Heldentenor Benjamin Werth, 1981 in Cleveland geboren, füllt die Rolle des „Lämmlein, sanft und zart“, so von Kecal angepriesen, und des unterdrückten Muttersöhnchens sensibel aus. Rasch hat seine ihm noch unbekannte Zukünftige seine Beeinflussbarkeit erkannt und macht die „Braut“ schlecht. Wenzel lehnt sich daraufhin erstmals gegen die bestimmende Mama (Jina Choi im Oktoberfest-Dirndl) auf, sagt „nein!“ und verliebt sich prompt in Esmeralda. Die Komödiantin (mit enormen Comedy-Talent: Helena Steiner) mischt mit einer Zirkustruppe „auf der Erde, auf dem Pferde, in der Luft“ das Dorfleben gehörig auf.

Inzwischen schiebt Marie Panik, sie fühlt sich gleich zwei Mal verkauft. Erst durch die Eltern, jetzt auch noch von Hans. „Du Schuft, du Judas!“ beschimpft sie ihn und Hans tut, was er schon früher hätte tun sollen: Er outet sich als Sohn Mischas aus dessen erster Ehe, schon als Kind verstoßen von der bösen Stiefmutter Háta. Dem Happy end steht laut dem listig formulierten Vertrag nichts mehr im Wege. Auch ohne DNA-Nachweis.

Die anregende Musik Smetanas wird von der 34-köpfigen Badischen Philharmonie Pforzheim unter der Leitung von Alexandros Diamantis sicher umgesetzt. So manches, was in einem modernen Stück in einen Satz passt, wird in der Oper drei, vier Mal gesungen Und, weil’s so schön ist, noch zwei Mal wiederholt.

Schlicht sind die Reime des Librettos. Schlicht aber stimmig ist auch das Bühnenbild: Eine Parkbank, die leicht ramponierte Bestuhlung eines Gasthauses, dazu ein Zigarettenautomat. Richtig viel Spaß dürfte Jan Bammer bei der Auswahl der Kostüme gehabt haben: Hochwasser-Hosen, Rauten-Pullunder, Kleid mit Ananas-Muster, Paillettenfummel, Soutane, Netzstrumpfhose, Indianer-Outfit, Bärenfell, Tutus und der unsägliche knallrote Anzug Kecals, um nur einiges zu nennen.

Der langanhaltende Applaus in Tuttlingen galt Bammer ebenso wie der Inszenierung von Gregor Horres, den gut zwei Dutzend Akteuren und dem Orchester.

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